Bulgarischer Professor gründet Technologiezentrum von Weltrang

Die Idee hinter INSAIT ist es, die derzeitigen Mängel in diesem Sektor zu beheben und auf komparativen Vorteilen aufzubauen. [Dnevnik]

Im April wurde in Bulgarien das INSAT eröffnet, ein neues Institut für Informatik, künstliche Intelligenz und Technologie, dessen Ziel darin besteht, ein Forschungszentrum von Weltrang zu entwickeln, Talente in Bulgarien zu halten und ausgezeichnete internationale Wissenschaftler anzuziehen, indem es weltweit wettbewerbsfähige Forschungseinrichtungen und Gehälter bietet.

Die Idee hinter INSAIT ist es, die derzeitigen Mängel in diesem Sektor zu beheben und auf komparativen Vorteilen aufzubauen. Trotz vielversprechender Entwicklungen in den 1980er Jahren ist der derzeitige Stand im Bereich Wissenschaft und Forschung in Bulgarien und Osteuropa im Vergleich zu Westeuropa nach wie vor nicht wettbewerbsfähig.

Das INSAIT hat seinen Sitz in Sofia, das laut Financial Times zu den 20 Top-Technologiestädten Europas für 2021 gezählt wird.

Das Institut wurde von Professor Martin Vechev ins Leben gerufen, einem Informatiker und Professor an der ETH Zürich und Stipendiat am Europäischen Labor für Lernen und intelligente Systeme.

Er verfügt über 20 Jahre Erfahrung in weltberühmten Instituten und ist bestrebt, das technologische und wissenschaftliche Umfeld in seinem Heimatland zu entwickeln und zu verbessern und die Kluft zwischen Ost- und Westeuropa zu überbrücken.

Das Projekt geht auf das Jahr 2003 zurück, als er sich für ein Stipendium in Cambridge bewarb. Auf die Frage „Was würden Sie in 30 Jahren tun?“ antwortete er: „Ein Zentrum von Weltrang in Bulgarien schaffen, nach dem Vorbild von Cambridge“.

INSAIT zielt auf das Kernproblem der Region ab: die Wiederbelebung und Etablierung als Wissenschafts- und Forschungszentrum von Weltrang in einem der wichtigsten Wirtschaftssektoren unserer Zeit: künstliche Intelligenz und Computerwissenschaften.

Dabei geht es auch um Schlüsselthemen wie maschinelles Lernen, Quantencomputing, Informationssicherheit, Robotik und vieles mehr.

Velchev zufolge wird die künstliche Intelligenz bereits in allen Bereichen des Alltags eingesetzt – in der Medizin, bei selbstfahrenden Autos, in der Informationssicherheit und auf den Finanzmärkten. Seiner Meinung nach ist die KI-Forschung für jedes Land, das eine wettbewerbsfähige Wirtschaft haben will, von strategischer Bedeutung.

„Osteuropa ist voller kluger wissenschaftlicher Köpfe, aber die Bestrebungen der Menschen werden oft durch einen Mangel an Einrichtungen, Finanzierung und Unterstützung eingeschränkt. Dies hat zu einer Abwanderung von Fachkräften aus Osteuropa geführt, ein systematisches Problem, das die Innovation behindert.

„INSAIT ist perfekt aufgestellt, um diesen Trend umzukehren und weltweit wettbewerbsfähig zu werden“, erklärt Vechev.

Die Abwanderung von Fachkräften hat die Innovation in Osteuropa behindert, da hochqualifizierte Menschen in den Westen abwandern, um zu studieren und ihre Karriere voranzutreiben.

In Bulgarien verließen zwischen 1990 und 2007, als das Land der EU beitrat, schätzungsweise 60.000 Menschen pro Jahr das Land. Bulgarien steht vor zahlreichen wirtschaftlichen Herausforderungen, doch viele davon lassen sich auf die Demografie des Landes zurückführen.

Das schrumpfende Bevölkerungswachstum, die hohe Sterblichkeitsrate, die Überalterung der Bevölkerung und die ständige Abwanderung junger Talente stellen wesentliche Herausforderungen für das Land dar.

Was könnte geändert werden?

„Das ist etwas völlig Neues für Osteuropa“, sagt Vechev in einem Interview mit Free Europe. „Wir bringen die besten 1 Prozent der Universitäten der Welt nach Osteuropa“, fügte er hinzu.

In der Tat sind die Namen in den Aufsichts- und Beiräten des neuen Instituts hochkarätig – unter ihnen befinden sich Professoren der US-Universitäten Yale, Princeton, Berkeley, des Massachusetts Institute of Technology und des israelischen Technion.

Laut Vechev wird der größte Gewinner des Projekts die bulgarische Wissenschaftsgemeinschaft sein. Das Institut soll eine Sonderabteilung der Universität Sofia namens „St. Kliment Ohridski“ werden.

Das Zentrum wird etwa 300 Mitarbeiter beschäftigen – 25-30 davon werden Professoren und Forscher sein, die restlichen 200-250 bilden Doktoranden, Nachwuchsforscher und Postdoktoranden. Außerdem wird es viele Masterstudenten geben, deren Zahl mehrere Tausend betragen könnte.

Die Finanzierung des INSAIT ist für die nächsten 10 Jahre gesichert: 95 Millionen Euro kommen vom bulgarischen Staat und weitere 6 Millionen Euro von Tech-Riesen wie Google, DeepMind und Amazon Web Services.

Weitere 6 Millionen Euro erhält das Institut vom bulgarischen Tech-Unternehmen SiteGround und 500.000 Euro von verschiedenen bulgarischen Tech-Unternehmern und Investoren.

INSAIT hat von vier bulgarischen Regierungen Unterstützung erhalten. Nach Angaben des Instituts ist die öffentliche Finanzierung in Osteuropa bisher einzigartig, wenn es um die Finanzierung wissenschaftlicher Forschung in einem sehr spezifischen Bereich geht.

„Die bulgarische Regierung hat auch gemeinsame Förderprogramme mit anderen Ländern wie Israel, der Schweiz, den USA und anderen ins Leben gerufen und unterstützt das INSAIT weiter, indem sie es in den Mittelpunkt ihrer Agenda stellt“, so Vechev.

Eine solche Unterstützung würde INSAIT helfen, Fachwissen von Weltrang anzuziehen und die nächste Generation von wissenschaftlichen Führungskräften, hochqualifizierten Forschern und Ingenieuren auszubilden. Dies wiederum würde mehr Beschäftigungsmöglichkeiten in der Region schaffen und ein ideales Umfeld für die Unterstützung von Start-ups und Unternehmern im Deep-Tech-Bereich bieten.

Nach Ansicht des INSAIT-Teams sind die Zukunftsaussichten für das Land und die Region vielversprechend.

Ihr kurzfristiges Ziel ist es, dass INSAIT laut csrankings.org zu den Top 20 in Europa im Bereich der Informatik gehört und in 10 Jahren zu einem weltweit bekannten Namen wird.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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