Bericht: Klima-Fehlinformationen auf Facebook häufen sich

Die Aktivistengruppe SUMOFUS.org zeigt ein 5.000 Pfund schweres Eisstück mit dem Facebook-Logo, um gegen die Rolle von Facebook bei der Förderung von Fehlinformationen über das Klima zu protestieren (Washington, DC, 04. November 2021). [EPA-EFE / JIM LO SCALZO]

Klima-Fehlinformationen sind auf Facebook weit verbreitet, obwohl die Plattform das Gegenteil behauptet, so ein neuer Bericht.

Eine diese Woche veröffentlichte Studie von Stop Funding Heat und dem Real Facebook Oversight Board ergab, dass Klima-Fehlinformationen täglich zwischen 818.000 und 1,36 Millionen Aufrufe auf der Plattform verzeichnen. Der Bericht stellt außerdem fest, dass die Plattform bei der Überprüfung von Fakten weiterhin unterdurchschnittlich abschneidet.

Und das, obwohl das Unternehmen behauptet, es habe seine Bemühungen zur Bekämpfung von Klima-Fehlinformationen verstärkt, zuletzt im Zusammenhang mit dem laufenden COP26-Gipfel.

Diese Behauptung hatte einen Dominoeffekt und führte dazu, dass auch andere Social-Media-Plattformen Maßnahmen ankündigten, um gegen die problematische Verbreitung von Fehlinformationen vorzugehen.

Facebook steht derzeit unter besonderer Beobachtung, nachdem die Whistleblowerin Frances Haugen eine Reihe von internen Dokumenten veröffentlicht hat. Sie erschien am Montag (8. November) vor dem IMCO-Ausschuss des Europäischen Parlaments.

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Eine Reihe von belastenden Berichten sind aus den Akten aufgetaucht, die sich auf die Entscheidungsfindung innerhalb des Unternehmens – das kürzlich in Meta umbenannt wurde – und auf sein Wissen über seine schädlichen Auswirkungen auf der ganzen Welt beziehen.

„Facebook ist der ‚Big Tobacco‘ unserer Generation, der sich durch Greenwashing vor der Verantwortung drückt und in der globalen Diskussion Verwirrung und Zweifel über den Klimawandel sät“, so der Real Facebook Oversight Board in einer Erklärung.

„Wir fordern Medien, Aktionär:innen und politische Entscheidungsträger:innen dringend auf, nicht zu glauben, was Facebook in Glasgow verkauft. Sie setzen das Klima und künftige Generationen einem großen Risiko aus“, heißt es in der Erklärung weiter.

Ergebnisse des Berichts

Der Bericht analysierte 48.701 Beiträge zwischen Januar und August 2021 von Seiten, die als Produzenten von Klimafehlinformationen bekannt sind. Die Forscher:innen stellten fest, dass Klima-Fehlinformationen auf der Plattform in diesem Zeitraum zwischen 199 Millionen und 331 Millionen Gesamtaufrufe verzeichneten.

Die geschätzte tägliche Reichweite der Aufrufe war zwischen 8,2 und 13,6 Mal höher als die Reichweite der täglichen Besuche im Facebook Climate Science Centre, einer 2020 gestarteten Initiative, die Zugang zu sachlichen Klimainformationen bietet.

Im September kündigte Facebook die Erweiterung des Zentrums sowie ein neues Förderprogramm für Klima-Fehlinformationen an, um die Zusammenarbeit zwischen Faktenprüfer:innen, Klimaexpert:innen und Organisationen, die gegen Klima-Fehlinformationen vorgehen, zu finanzieren.

Von den in dem Bericht festgestellten Fehlinformationen fehlte bei mehr als 85% entweder eine Kennzeichnung, die sie als faktengeprüft ausweist, oder ein Link zum Climate Science Centre.

Das Unternehmen hat außerdem angekündigt, seine Bemühungen zur Bekämpfung von Klima-Fehlinformationen während der COP26 zu verstärken, insbesondere durch den Einsatz von Software zur Erkennung von Schlüsselwörtern, um den Prozess der Faktenüberprüfung bei großen öffentlichen Veranstaltungen schneller und einfacher zu gestalten.

Twitter hat ebenfalls Maßnahmen angekündigt, die ausdrücklich auf den Gipfel abzielen, vor allem eine „Pre-Bunking“-Strategie. Diese „Knotenpunkte für glaubwürdige, maßgebliche Informationen“, die in verschiedene Bereiche der Plattform eingebettet sind, sollen Informationen zu klimarelevanten Themen in einen sachlichen Kontext stellen.

„Facebook wurde in öffentlichen Berichten und bei privaten Treffen immer wieder darauf hingewiesen, dass seine Plattform eine Brutstätte für Klima-Fehlinformationen ist. Entweder ist es ihnen egal, oder sie wissen nicht, wie sie das Problem beheben können“, sagte Sean Buchan, leitender Forscher von Stop Funding Heat.

„Trotz aller Versprechungen von Facebook und ihrer Präsenz auf der COP ist die einzige Maßnahme, die zählt, diejenige, die sie nicht ergreifen werden – Klimafehlinformation zu stoppen.“

Ein:e Sprecher:in von Facebook sagte, man kritisiere die Methodik des Berichts, und fügte hinzu: „Wir konzentrieren uns darauf, tatsächliche Klima-Fehlinformationen auf unserer Plattform zu reduzieren, weshalb wir mit einem globalen Netzwerk von Faktenprüfer:innen zusammenarbeiten und die Verbreitung von allem, was sie als falsch oder irreführend einstufen, einschränken und alle Anzeigen, die widerlegt wurden, zurückweisen.“

Externe Bemühungen

Während der COP26 werden auch Programme außerhalb der Plattformen durchgeführt. Eine Überwachungseinheit, die vom Institute for Strategic Dialogue (ISD) und Partnern aus dem Klimasektor ins Leben gerufen wurde, verfolgt COP-bezogene Fehlinformationen von traditionellen Medien, prominenten Expert:innen und Politiker:innen in sozialen Medien und auf anderen Websites.

Die Initiative entstand als Reaktion auf die Befürchtung, dass der Gipfel zu einer Drehscheibe für falsche Informationen über die in Glasgow verhandelten Klimathemen werden könnte.

Jennie King, Senior Policy Manager bei ISD, erklärte gegenüber EURACTIV, dass ein Großteil der Fehlinformationen, die rund um die COP zu beobachten sind, wenig mit Politik zu tun haben.

„Grüne Themen werden wirklich zum neuen Vektor für viele polarisierende Inhalte vom Typ ‚Kulturkampf‘, um den Mainstream zu erreichen“, sagte King.

Was die Reaktion angeht, so merkte sie an, dass „wie in anderen Politikbereichen der Ansatz nicht darin bestehen sollte, sich auf einzelne Inhalte zu fixieren oder Millionen von Beiträgen von unabhängigen Prüfer:innen auf ihre Richtigkeit hin überprüfen zu lassen. Vielmehr muss man sich mit den systemischen Verhaltensweisen und Akteur:innen auseinandersetzen“.

Laut Lukas Andriukaitis, stellvertretender Direktor des Digital Forensic Research Lab des Atlantic Council, ist das Problem in geschlossenen Informationsumgebungen noch schwieriger zu lösen.

„Aus meiner Sicht als Informationsforscher stammen einige der schlimmsten Desinformationsbeispiele aus WhatsApp- oder E-Mail-Ketten, die schwer zu verfolgen und zu durchdringen sind, oder aus geschlossenen Gruppen auf Facebook, auf die man nicht so leicht zugreifen kann, um zu sehen, was vor sich geht, und die man nicht so leicht melden und ans Licht bringen kann.“

[Bearbeitet von Luca Bertuzzi/Alice Taylor]

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