Auch Verband der Automobilindustrie ändert Verweise auf TTIP-Studie

produktionsstart_fue_44680424.jpg [Foto: dpa]

Neben dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) nach einem Hinweis der Verbraucherorganisation Foodwatch Verweise auf eine Studie über mögliche ökonomische Effekte des Freihandelsabkommens TTIP geändert.

Wie Foodwatch am Mittwoch in Berlin mitteilte und der VDA bestätigte, wurde die fragliche Textpassage auf Unterseiten der Homepage des Verbands jetzt durch wörtliche Zitate aus der englischsprachigen Original-Untersuchung ersetzt.

Foodwatch hatte in den vergangenen Wochen mehrere Wirtschaftsorganisationen angeschrieben, weil auf deren Internetseiten Aussagen aus der Zusammenfassung einer zwei Jahre alten Untersuchung des Centre for Economic Policy Research in London übernommen worden waren, bei denen es um die Höhe der durch TTIP zu erwartenden Zugewinne geht. Diese wurden dort für die EU mit bis zu 119 Milliarden Euro „a year“ angegeben, was mit 119 Milliarden Euro jährlich übersetzt wurde.

Bei einer genaueren Lektüre der 124 Seiten starken Studie wird jedoch klar, dass damit keine jährliche Steigerung gemeint ist, sondern eine insgesamt zu erwartende Niveauanhebung bezogen auf das jährliche Bruttoinlandsprodukt nach einem bestimmten Zeitraum. Foodwatch wirft dem VDA deshalb wie zuvor schon dem BDI eine „Desinformationskampagne“ vor. Das Vorgehen der Wirtschaftsverbände sei „beispiellos“, erklärte Geschäftsführer Thilo Bode am Mittwoch. Sie wollten den Bürgern das Freihandelsabkommen „unterjubeln“.

VDA-Sprecher Eckehart Rotter wies die Vorwürfe der eigentlich auf Lebensmittelthemen spezialisierten Organisation zurück. Die zitierte Untersuchung habe bereits im Original „missverständliche Formulierungen“ enthalten, weshalb die entsprechenden Passagen nach dem Hinweis von Foodwatch nach einer genauen Prüfung als berechtigt angesehen und geändert wurden. „Es war von unserer Seite aber kein böser Wille im Spiel.“

Um weitere mögliche Konflikte über Interpretationen gar nicht erst entstehen zu lassen, werde die Studie auf den Internetseite des VDA nun nur noch im Wortlaut zitiert, ergänzte Rotter. Er betonte zugleich, dass es sich bei der fraglichen Untersuchung nicht um eine Analyse für den VDA handelte. Die Grundaussage der Experten, wonach TTIP für die EU wirtschaftlich vorteilhaft sei, stehe ebenfalls nicht im Zweifel.

Über das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA wird seit Juli 2013 verhandelt. Es ist umstritten. Befürworter erhoffen sich einen enormen Schub für die Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks, indem Zölle und andere Handelshemmnisse abgebaut werden. Kritiker in Europa befürchten unter anderem, dass Standards beim Verbraucherschutz unterlaufen werden könnten. Foodwatch gehört zu den Gegnern des Abkommens.

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