5G-Auktion: Das Rennen um das Netz der Zukunft

Die USA versuchen derzeit, ein Verbot von Huawei in Europa durchzusetzen. Deutschland will das nicht, verschärft aber seine Sicherheitsstandards. [EPA-EFE/MIKE NELSON]

Ab heute werden Mobilfunkvertreter in der ehemaligen Kaserne in Mainz um die Vergabe der 5G-Frequenzen um die Wette bieten. Aus dem Ausland beobachtet man währenddessen vor allem Deutschlands Kurs im Streit rund um Aufträge an den chinesischen Telekom-Riesen Huawei.

Es ist ein wichtiger Tag für die deutschen Mobilfunkbetreiber. Heute um 10 Uhr, 19. März, fällt der Startschuss für die Auktion der Frequenzblöcke des 5G-Netzes, die einige Wochen dauern dürfte. Das klingt zunächst sehr technisch. Es geht dabei aber um nicht weniger als die technologische Zukunft Deutschlands, das in Sachen Digitalisierung im Europavergleich deutlich hinterherhinkt.

Mit dem Aufbau des 5G-Netzes wird die Datenübertragung um ein Vielfaches beschleunigt – große Datenmengen können dann in Sekundenschnelle heruntergeladen werden. Für selbstfahrende Autos wird der Ausbau entscheidend sein und auch die Industrie hofft, mit 5G ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Ganz Deutschland muss möglichst schnell Zugang zu der neuen Technologie bekommen, so entschied die Bundesnetzagentur im November. Mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland sollen bis Ende 2022 Zugang zu dem schnellen Internet bekommen. Ähnliche Auflagen gelten für Autobahnen, Bundesstraßen und Bahnstrecken.

Mobilfunkbetreiber zeigten sich wenig begeistert von den Plänen der Bundesnetzagentur und klagten beim Kölner Verwaltungsgericht, weil sie die vorgesehenen Auflagen für unrealistisch hielten und Rechtsunsicherheit befürchteten, erklärt ein Telekom-Sprecher. Das Gericht lehnte die Eilanträge jedoch ab, der Ausbauprozess sollte nicht weiter verzögert werden. Damit beginnt heute das Rennen um das Zukunftsnetz in der ehemaligen Kaserne in Mainz.

Mögliche Preiseskalation

„Aus den ersten Geboten morgen werden wir ablesen können, ob es eine lange Auktion mit hohen Preisen wird“, sagt Vitali Gretschko, Experte für Auktionen und Leiter der Forschungsgruppe „Marktdesign“ am ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim.

Die Zeichen deuten derzeit darauf hin, dass es für die Mobilfunknetzbetreiber teuer werden könnte. Dabei könnten zwei große Unsicherheitsfaktoren zu einer Preiseskalation führen:

Der erste Faktor heißt Drillisch – ein Telekommunikationsanbieter, der nun ebenfalls um die Vergabe der Frequenzen ins Rennen ziehen will. Noch ist unklar, welche Strategie der Marktneueinsteiger in der Auktion fahren wird. „Drillisch muss nicht unbedingt Frequenzen kaufen, sondern könnte auch einfach die Preise deutlich nach oben treiben“, sagt Gretschko im Gespräch mit EURACTIV. Damit könnte die Firma versuchen, andere Vorteile in den Geschäftsbeziehungen zu erzielen – etwa die Neuverhandlung von Mobilfunkprovider-Verträgen. Den letzten vergleichbaren Markteintritt eines neuen Anbieters hatte es bei der UMTS-Auktion im Jahr 2000 gegeben.

Eine zweite Unsicherheit mit Konfliktpotential ist die faire Verteilung der Frequenzen, wie es bisher in Auktionen üblich war. Welche der neuen Frequenzbänder aber miteinander vergleichbar seien, könnte sehr umstritten sein, so Gretschko.

Schritt für Schritt zur 5G-Technologie

Die EU-Kommission will bis 2020 in allen Mitgliedsstaaten mobiles Internet in 5G-Geschwindigkeit verfügbar machen. Zunächst geht es um die Vergabe der Frequenzen. EURACTIV sprach mit Matthias Kurth.

Wie teuer die Auktion für die Bieter wird, dürfte dann letztendlich relativ wenig Auswirkung auf den Konsumentenpreis für den neuen Internetzugang haben, sagt Gretschko. Vielmehr, so argumentieren die Mobilfunkbetreiber, könnte eine kostspielige Versteigerung wegen dann fehlender finanzieller Ressourcen den Ausbau des 5G-Netzes in Deutschland verlangsamen.

Doch es gibt einen viel entscheidenderen Punkt, der die Geschwindigkeit des Ausbaus bestimmen wird: Der aktuelle Streit um ein mögliches Verbot der Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller Huawei.

Streitthema China

Der Handelsstreit zwischen China und den USA verleiht der Versteigerung zusätzliche Brisanz.

Die USA wollen um jeden Preis verhindern, dass der chinesische Telekommunikationsriese Huawei in Europa weiter Fuß fasst. Mit der Begründung, Huaweis Geräte könnten für Spionage-Zwecke missbraucht werden, versuchen die USA seit Monaten, Druck auf Europa zu auszuüben, um ein Verbot des Marktführers aus China durchzusetzen.

Als Grund zur Sorge gilt etwa ein umstrittenes Cybersicherheitsgesetz, das China 2017 erlassen hat. Kritiker argumentieren, dass die chinesische Regierung mithilfe des Gesetzes Telekommunikationsfirmen dazu zwingen könnte, Daten an den Staat zu übergeben. Beweise gibt es dafür bisher allerdings nicht.

Dennoch führt die NATO derzeit Risikoanalysen durch, die mögliche Gefahren in der Zusammenarbeit mit chinesischen Firmen beim Aufbau des 5G-Netzes in Europa bewerten sollen, wie NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Donnerstag, den 14. März, bekanntgab.

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Während einige EU-Staaten, etwa Frankreich und Großbritannien, Bedenken zu der Zusammenarbeit mit Huawei geäußert haben, scheint Deutschland ein Verbot auszuschließen, wie etwa die Website TechRadar schreibt. Die Mobilfunkbetreiber haben sich ihrerseits gegen den Ausschluss von Huawei ausgesprochen, berichtet die IT-Website Golem.de. Huawei sei bereits Ausrüster im 4G-Kernnetz der deutschen Telekom und der Telefónica.

„Welche Firmen die Unternehmen, die erfolgreich an der Versteigerung teilnehmen, am Ende beauftragen werden, liegt bei den Unternehmen, nicht bei uns“, sagt ein Sprecher der Bundesnetzagentur zu EURACTIV.

Stattdessen setzt man auf einen Katalog von Sicherheitsanforderungen, der derzeit neu ausgearbeitet wird. Mittels strenger technischer Auflagen für den 5G-Ausbau sollen alle Bedenken ausgräumt werden. Ein Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) konkretisiert: „Dabei wird konsequent auf den Einsatz wirksamer Verschlüsselung sowie die Schaffung ausreichender Redundanzen einschließlich eines Multi-Vendor-Ansatzes geachtet.“ Dies würde vertrauenswürdige Netzinfrastrukturen schaffen, so das BSI.

 

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