2,3 Prozent Sendezeit: EU-Nachrichten in französischem TV kaum sichtbar

Kaum präsent: EU-bezogene Nachrichten erhielten im vergangenen Jahr nur 2,3 Prozent der Sendezeit in den französischen TV-Nachrichten. [Kittyfly/Shutterstock]

EU-bezogene Nachrichten erhielten im vergangenen Jahr nur 2,3 Prozent der Sendezeit in den französischen TV-Nachrichten. Der Großteil davon befasste sich mit der COVID-19-Pandemie, wie eine neue Studie zeigt. EURACTIV Frankreich berichtet.

Genau 471 EU-bezogene Themen wurden von Januar bis Oktober vergangenen Jahres in den französischen Fernsehnachrichten ausgestrahlt, heißt es in der Studie der Jean-Jaurès-Stiftung mit dem Französischen Institut für Audiovisuelles (INA).

Der deutsch-französische öffentlich-rechtliche Sender Arte lag dabei mit 227 Beiträgen an der Spitze, gefolgt von France 2 mit 90 und TF1 mit 61 Meldungen oder Sendungen.

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Alle Sender zusammen verzeichneten einen leichten Rückgang bei EU-Nachrichten: Von 2015 bis 2020 lag die Berichterstattung über EU-Themen bei durchschnittlich 3,6 Prozent, 2020 hingegen nur bei 2,3 Prozent.

Die Autoren der Studie, Fanny Hervo und Théo Verdier, stellen außerdem fest, dass „ein signifikanter Anstieg des Anteils der Themen, die europäischen Nachrichten gewidmet sind, in Wahlperioden zu beobachten war – wie die Jahre mit Europawahlen 2014 und 2019.“ Dann habe der Anteil der Themen mit EU-Bezug jeweils die Vier-Prozent-Marke überschritten.

Im Januar hatte Le Monde berichtet, dass ein Teil der Vergütung der Chefredakteure der öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt France Télévisions von der Berichterstattung ihrer Teams über europäische Themen abhängig ist. Offenbar war dies jedoch kaum ein Anreiz, mehr über derartige Themen zu berichten.

Top-Themen Pandemie und Brexit

Die Studie identifiziert des Weiteren die fünf wichtigsten Themen, über die im französischen Fernsehen in der ersten Hälfte des Jahres 2020 hauptsächlich berichtet wurde: Die Pandemie und der Brexit führten erwartungsgemäß die Liste mit 58 bzw. 26 Prozent Anteil der Berichterstattung über EU-Themen an.

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Während die Auswirkungen der Pandemie wenig überraschend ihren Weg in die Fernsehnachrichten fanden, zeigen sich die beiden Autoren überrascht, dass die EU-geführte Impfstrategie, einschließlich der Impfstoffbestellung, die große „Fehlende“ im Medienjahr 2020 war.

„Letztendlich wurden in den ersten drei Quartalen des Jahres 2020 nur neun Stories über COVID-19-Impfungen mit EU-Bezug gesendet. Mit anderen Worte: Die TV-Nachrichten berichteten schlichtweg nicht über die Verhandlungsphase zwischen der Europäischen Union und den jeweiligen Herstellern oder über erste Ankündigungen von Impfstoffbestellungen seitens der Kommission,“ wird zusammengefasst.

Letztendlich müsse man darauf hinweisen, dass es offenbar „Schwierigkeiten der audiovisuellen Medien“ gebe, europapolitischen Themen „einen angemessenen Platz in den Nachrichtensendungen einzuräumen“.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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