Energiekommissar Sefcovic „begeistert“ von Fortschritten bei E-Autos

Kommissar Maroš Šefčovič ist optimistisch, was das Potenzial von Elektrofahrzeugen angeht. [European Commission]

This article is part of our special report Umbruch in der europäischen E-Mobilität.

Elektrische Fahrzeuge sind inzwischen sehr viel verbreiteter als im Jahr 2015. Damals startete Kommissions-Vizepräsident Maroš Šefčovič die Energieunion. Nun müssten verstärkt erneuerbare Energien integriert und der Elektrizitätsmarkt umgekrempelt werden, um die „“Elektro-Revolution“ weiter voranzutreiben, so der Kommissar.

Der Slowake Maroš Šefčovič ist Vizepräsident der EU-Kommission und zuständig für die Energieunion. Er sprach mit Sam Morgan von EURACTIV.

EURACTIV: Was ist aktuell das größte Hindernis für einen potenziellen Elektroauto-Käufer?

Maroš Šefčovič: Es ist eine Mischung von Faktoren, die wir auf einmal angehen müssen. Wir beschleunigen unsere Arbeit beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. Ich muss schon sagen: Ich bin manchmal erstaunt und begeistert über die technologischen Sprünge in dieser Branche. Vor zwei Jahren konnten die sogenannten superschnellen Ladestationen ein Auto in 15 Minuten aufladen. Jetzt ist es in drei oder vier Minuten möglich. Das ist schneller als Tanken!

Inzwischen werden Technologien entwickelt, um erneuerbare Energien, insbesondere Windkraftanlagen, direkt mit superschnellen Ladegeräten zu verbinden. Und Überraschung: Die Ladezeit beträgt bereits heute etwa zehn Minuten.

Das Entwicklungstempo ist wirklich erstaunlich. Ich würde aber dennoch sagen, dass die Europäer immer noch besorgt sind, dass die Fahrt mit einem Elektroauto nicht glatt genug geht und die Infrastruktur noch nicht vollständig vorhanden ist. Aber die Initiative Connecting Europe wird in dieser Hinsicht helfen, und der neue Finanzrahmen sieht dafür rund 40 Milliarden Euro vor.

Und die Auswahl an Elektro-Modellen bzw. besser gesagt: die mangelnde Auswahl? Spielt das eine Rolle?

Ja, schon. Aber ich gehe davon aus, dass wir in zwei oder drei Jahren allein von europäischen Herstellern etwa 80 neue Modelle mit elektrischem Antrieb sehen werden, seien es reine Elektroautos oder Hybride. Ich nerve die Autohersteller immer damit, dass sie sicherstellen sollten, dass die Preise auch mit Dieselmotoren mithalten können. Es ist sehr wichtig, das anzusprechen.

Wir hoffen, dass all die Arbeit, die wir im Rahmen der Energieunion durchgeführt haben, in den kommenden Jahren zusammenkommen wird und dass Elektrofahrzeuge und Infrastruktur mit dem neuen Strommarkt zusammenpassen werden. Elektroautos haben ja schließlich das Potenzial, für ihre Besitzer Geld verdienen, wenn sie als Speicher eingesetzt werden: Die Batterie lädt sich in Zeiten, in denen der Strom billig ist, auf und verkauft ihn bei Spitzenlast zurück. Das wurde in den Niederlanden getestet und das Potenzial ist riesig. Kombinieren Sie das mit Solar-Panels oder Windkraftanlagen und Sie sind im Geschäft.

Europa will die Elektro-Revolution

Transport ist einer der wenigen Wirtschaftssektoren in der EU, in dem die Treibhausgas-Emissionen steigen. In Brüssel will man mit der Ausweitung der E-Mobilität diesen Trend stoppen.

Wie wichtig ist es den Europäern, dass diese Branche europäisch ist? Polen will ja ein eigenes, einheimisches Elektroauto bauen, Kroatien hat bereits den Rimac.

Ich denke, es ist die gleiche Sache wie bei den Batterien. Es geht um die strategische Bedeutung der technologischen Unabhängigkeit. Es geht um die High-Tech-Industrie, die viele Innovationen auch in andere Branchen bringt. Wenn wir die Kunst des Entwerfens, der Entwicklung und Herstellung von Elektrofahrzeugen und Batterien nicht beherrschen, wird der europäische Automobilsektor seine führende Rolle verlieren und seine Brillanz verschwinden.

Wir müssen auch den jungen Menschen zeigen, dass wir mehr können als nur Autos aus der „fossilen Ära“. Jetzt geht es darum, unsere Automobilhersteller zu motivieren, diese Chance zu nutzen. Vergessen Sie nicht, dass wir in Europa eine einzigartige Situation in Bezug auf die öffentliche Unterstützung für Nachhaltigkeit haben. Der Kontinent ist in dieser Hinsicht anderen weit voraus und damit ein natürlicher Markt für diese neuen Technologien. Unsere Bemühungen um regulatorische und finanzielle Rahmenbedingungen sollen dazu beitragen, diesen neuen Markt zu schaffen.

Jetzt sind auch neue CO2-Emissionsregelungen für Lkw in Kraft. War das nicht überfällig?

Ehrlich gesagt finde ich, dass dies lange überfällig war. Wir wissen, dass andere große Volkswirtschaften wie die USA, Japan und sogar China Grenzen für schwere Nutzfahrzeuge gesetzt haben. Also war es höchste Zeit, es ebenfalls zu tun. Nicht nur wegen des dringenden Problems der Luftverschmutzung, sondern auch unter Wettbewerbsgesichtspunkten. Deshalb haben wir uns für diesen zweistufigen Ansatz entschieden.

Und zu unserer Überraschung haben wir festgestellt, dass die den Herstellern bereits heute zur Verfügung stehende Technologie es ihnen ermöglicht, das 15-Prozent-Ziel für 2025 zu erreichen. Davon bin ich überzeugt. Wir wollten den Herstellern eine Vorwarnzeit geben, damit sie bis 2030 mit neuen, hochgradig konkurrenzfähigen, sauberen und tollen Technologien kommen können.

Technologie: Lkw könnten sehr viel effizienter sein

Lkw könnten viel treibstoffeffizienter sein und Spediteure pro Fahrzeug 5.700 Euro jährlich sparen, wenn bereits verfügbare Technologie eingesetzt würde.

Sie glauben also, dass die Industrie bereits heute die entsprechenden Zukunftstechnologien hat? Zumindest für die Ziele 2025?

Ja. Ein besonderer Teil der Folgenabschätzung war etwas so Einfaches wie Schmierstoffe. Schon wenige Euro für das Beste, was es gibt, können über einen Zeitraum von fünf Jahren zu Einsparungen von Tausenden Euros führen. Schmutzfänger auch! Die Ergebnisse sind erstaunlich.

Das geteilte System in Europa – die meisten Lkw werden ja geleast – trennt jedoch das Eigentum am Fahrzeug vom Kraftstoffverbrauch. Deswegen wird für Lkw noch nicht alles an Technologie genutzt, was verfügbar ist. Wir werden die Beteiligten dazu noch mehr drängen.

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