Die Einigung auf einen “Reformvertrag”, um die ins Stocken geratene Verfassung zu ersetzen, die während des Gipfels erzielt wurde, könnte einen Rückschlag erleiden bei dem Ratifizierungsprozess in den Mitgliedstaaten. Einige Staaten, unter anderem Irland und Dänemark, werden voraussichtlich ein Referendum abhalten. In Großbritannien steht der kommende Premierminister Gordon Brown unter Druck seitens der Opposition, ein Referendum einzuberufen.
Die wichtigste Frage nach der Einigung auf einen „Reformvertrag“ scheint zu sein: welche Staaten werden Referenden abhalten?
Während der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy angekündigt hat, dass sein Land – eines der Länder, in der die Verfassung gescheitert war – kein Referendum abhalten werde, werden andere Länder bei diesem Verfahren bleiben.
Irland, dessen Verfassung eine Umgehung einer Volksbefragung erheblich erschwert, wird auch diesmal ein Referendum einberufen, wie der irische Premierminister Bertie Ahern am 25. Juni ankündigte.
2001 sorgten die irischen Wähler für einen Eklat als sie den Vertrag von Nizza ablehnten, der ebenfalls darauf abzielte, die institutionellen Verordnungen der EU dahingehend zu ändern, dass sie für die Erweiterung gewappnet sein würde. Jedoch fiel das Ergebnis bei einem zweiten Wahlgang im darauf folgenden Jahr positiv aus.
Dänemark könnte ebenfalls ein Referendum abhalten, wie es unter anderem die rechtsgerichtete dänische Volkspartei fordert. Eine Umfrage, die am 23. Juni veröffentlicht wurde zeigt, dass 70% der Dänen ein Referendum befürworten.
Der dänische Premierminister Anders Fogh Rasmussen hat noch kein Referendum angekündigt.
Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, dass die Niederlande eine Volksabstimmung einberufen werden, jedoch liegt die Entscheidung hierüber bei den niederländischen Richtern.
Die anderen 24 Mitgliedstaaten werden voraussichtlich den einfacheren Weg einer parlamentarischen Ratifizierung wählen, obgleich einige Beobachter bezweifeln, dass Tony Blairs Nachfolger Gordon Brown in der Lage sein wird, dem Druck der Opposition, die die Entscheidung dem britischen Volk überlassen will, standzuhalten.
