Der Oberste Gerichtshof der Slowakei hat den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Marian Kočner und Alena Zsúszová angenommen. Die beiden waren angeklagt, den Mord am Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten Martina Kušnírová im Winter 2018 in Auftrag gegeben und arrangiert zu haben.
Der Fall geht nun zurück an das spezialisierte Strafgericht, das Kočner und Zsúzsová im September vergangenen Jahres freigesprochen hatte, woraufhin die Staatsanwaltschaft Berufung beim Obersten Gerichtshof einlegte.
„Es ist auf jeden Fall eine Genugtuung,“ zitiert die Tageszeitung SME Jozef Kuciak, den Vater des ermordeten Journalisten. „Wir sind auf einem guten Weg zur Gerechtigkeit,“ fügte er hinzu.
Unterdessen bestätigte das oberste Gericht die frühere Entscheidung, einen der angeheuerten Attentäter – Tomáš Szabó – zu 25 Jahren Gefängnis zu verurteilen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Haftstrafe gefordert.
Szabó diente als Fahrer für den tatsächlichen Todesschützen und den Ex-Soldaten Miroslav Marček, der seinerseits zu 23 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Die beiden waren von dem Mittelsmann Zoltán Andruskó angeheuert worden – auf Auftrag von Zsúzsová, die wiederum von Kočner dazu angeleitet wurde, so die Sicht der Staatsanwaltschaft.
Es wird angenommen, dass Kuciak zum Zeitpunkt seines Todes über Kočners geschäftliche Aktivitäten und seine Verbindungen zu hohen Funktionären der der ehemaligen Regierungspartei Smer-SD recherchierte.
Die Attentate lösten die größten Demonstrationen in der Geschichte der Slowakei seit dem Fall des Eisernen Vorhangs aus und führten letztendlich zum Rücktritt des damaligen Ministerpräsidenten Robert Fico, des Innenministers Robert Kaliňák und des Polizeipräsidenten Tibor Gašpar.
Später tauchte ein neuer Zeuge im Rahmen des Falls Kuciak auf, der ehemalige Journalist Peter Tóth. Laut Tóths Aussage wurde er von Kočner angeheuert, um mehrere Journalistinnen und Journalisten zu beschatten, darunter eben auch Kuciak. Später erfuhren die Ermittler über Handydaten von Kočner, dass wahrscheinlich weitere Morde geplant waren, darunter an den Staatsanwälten Maroš Žilinka, Peter Šufliarsky und Daniel Lipšic.
Die Staatsanwaltschaft hat in diesem letzteren Fall noch keine offizielle Anklage gegen Kočner erhoben, während Zsúzsová hingegen bereits angeklagt wurde. Die Ermittlungen diesbezüglich laufen noch.




