Gerade einmal 25% der irischen Bürger würden für den Vertrag von Lissabon stimmen, der am 13. Dezember 2007 von den EU-Staats- und Regierungschefs unterzeichnet werden soll. Dies geht aus einer neuesten Umfrage hervor, derzufolge viele Wähler sich im Vorfeld eines Referendums über den neuen EU-Vertrag noch schlüssig werden müssten.
Laut einer TNS mrbi-Meinungsumfrage, die von der Irish Times in Auftrag gegeben wurde, würden nur 25% der irischen Bürger für den Vertrag von Lissabon stimmen, während 13% dagegen seien; eine überwältigende Mehrheit von 62% der Befragten sei unentschlossen. Es verbleibt noch etwas mehr als ein Jahr, bis die Frist für die Ratifizierung des neuen Vertrags am 1. Januar 2009 ausläuft. Der Vertrag soll am 13. Dezember 2007 von den Staats- und Regierungschefs der EU unterzeichnet werden.
Die Meinungsumfrage, die am 5. November 2007 veröffentlicht wurde, deutet einen starken Rückgang der Unterstützung an. Sie steht im Kontrast zu einer Umfrage über den EU-Verfassungsentwurf, die 2005 durchgeführt worden war und gezeigt hatte, dass 46% dafür stimmen würden; lediglich 12% gaben damals an, dagegen zu sein. Der neue Vertrag von Lissabon übernimmt größtenteils die Elemente einer institutionellen Reform, wie sie im Entwurf der EU-Verfassung vorgeschlagen wurde. Letzterer war 2005 in Frankreich und den Niederlanden abgelehnt worden.
Da nur noch wenig Zeit verbleibt, steigt der Druck auf die irische Regierung, ein weiteres Ratifizierungsdisaster zu verhindern. Die EU-Staats- und Regierungschefs müssen den Vertrag noch unterzeichnen; daher hat die irische Regierung bisher noch kein Datum für das Referendum festgelegt. Laut Spekulationen seitens der irischen Presse, und nach den Erfahrungen vorangegangener Referenden, wird die Volksabstimmung vermutlich Anfang des Sommers 2008 (Mai bis Juni) stattfinden.
Es wird erwartet, dass alle großen Parteien, die traditionell euro-skeptisch eingestellte Sinn Fein ausgenommen, den Vertrag von Lissabon in der Kampagne für das Referendum unterstützen werden. Die Kampagne wird in den nächsten Monaten gestartet werden.
Aus irischen Diplomatenkreisen wurde EURACTIV zugetragen, dass die Regierung ‚sehr hart’ arbeiten werde, um die rechtzeitige Ratifizierung sicherzustellen.
Der Vertrag von Nizza war von den irischen Wählern 2001 abgelehnt worden. Er wurde jedoch letzendlich in einem zweiten Referendum 2003 akzeptiert, nachdem ein Protokoll zur Klärung der Neutralitäts-Frage dem Text zugefügt worden war.
Der Vertrag von Lissabon muss von allen 27 Mitgliedstaaten ratifiziert werden, um in Kraft treten zu können.
Während die meisten Staaten sich für ein parlamentarisches Ratifizierungsverfahren entscheiden werden, ist Irland das einzige Land, das verfassungsmäßig an eine Volkabstimmung gebunden ist. Die Möglichkeit, ein Referendum abzuhalten, wird allerdings auch in Dänemark und den Niederlanden diskutiert, wo der Entwurf der EU-Verfassung 2005 in einer Volksabstimmung abgelehnt worden war. Gordon Brown, Großbritanniens Premierminister, sieht sich zunehmendem Druck der oppositionellen Conservative Party ausgesetzt, ein Referendum abzuhalten.

