EU-Parlament lässt Irisch-Gälisch und Maltesisch weiter außen vor

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Die internen Regeln des Parlaments besagen, dass Dokumente in alle 24 EU-Amtssprachen übersetzt werden müssen. Darüber hinaus haben alle Abgeordneten das Recht, mit Unterstützung von Dolmetschern in einer der Amtssprachen zu sprechen, um die EU-Institutionen den Bürgern näherzubringen. [European Parliament/JAVIER BERNAL REVERT]

Eigentlich wird die Vielsprachigkeit im EU-Parlament hochgehalten. Bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode 2029 sollen Irisch-Gälisch und Maltesisch aber trotzdem von der verpflichtenden Übersetzung ausgenommen werden. Grund dafür ist ein Mangel an Übersetzern und Dolmetschern.

Die internen Regeln des Parlaments besagen, dass Dokumente in alle 24 EU-Amtssprachen übersetzt werden müssen. Darüber hinaus haben alle Abgeordneten das Recht, mit Unterstützung von Dolmetschern in einer der Amtssprachen zu sprechen, um die EU-Institutionen den Bürgern näherzubringen.

Das Parlament hat jedoch beschlossen, eine Klausel in der Geschäftsordnung bis Juni 2029 zu verlängern. Demnach müssen die Übersetzungs- und Dolmetscherverpflichtungen der EU nicht erfüllt werden, solange nicht genügend ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen.

Im Rahmen einer solchen Klausel wendet die Parlamentspräsidentschaft derzeit eine Ausnahmeregelung für Irisch-Gälisch und Maltesisch an, die alle sechs Monate überprüft wird. Die nächste Neubewertung ist für Juni, zur Zeit der EU-Wahlen, vorgesehen.

In der EU sprechen 1,9 Millionen Menschen Irisch und 530.000 Maltesisch, während die Gesamtbevölkerung der Union über 440 Millionen beträgt. Damit gehören die beiden Sprachen zu den am wenigsten gesprochenen, zusammen mit Estnisch mit 1,1 Millionen Muttersprachlern und Lettisch mit 1,7 Millionen.

Die Debatte über Minderheitensprachen erregte Ende letzten Jahres Aufmerksamkeit, als Spanien versuchte, Regionalsprachen wie Katalanisch und Baskisch in die Liste der EU-Amtssprachen aufzunehmen.

Bislang scheiterte der Versuch Madrids, da viele EU-Staaten Bedenken hinsichtlich der Kosten und der Durchführbarkeit äußerten.

‚Unter die Räder gekommen‘

Obwohl der Schritt bereits erwartet worden war, ist es dennoch eine große Enttäuschung für irische und maltesische Abgeordnete.

Maltas sozialdemokratischer Europaabgeordneter Cyrus Engerer erklärte gegenüber Euractiv: „Es ist inakzeptabel, dass zwei der offiziellen Sprachen für eine ganze weitere Legislaturperiode unter die Räder kommen.“

Das Fehlen einer Simultanübersetzung in den Ausschüssen, in denen die Debatten stattfinden, und in den Pressekonferenzen „behandelt die maltesischen Bürger als Bürger zweiter Klasse, da sie den Verfahren nicht in ihrer eigenen Sprache folgen können“, sagte er.

Außerdem sei dies ein Hindernis für jeden Kandidaten, der sich in anderen Sprachen nicht wohlfühle, bei den Europawahlen zu kandidieren.

Der irische Europaabgeordnete der Linken, Chris MacManus, schloss sich den Ausführungen Engerers an. Er erklärte gegenüber Euractiv, dass die Entscheidung enttäuschend sei. Er hoffe, dass die irischen und die EU-Behörden „nun mit den Mitgliedern des Europäischen Parlaments zusammenarbeiten, damit Irisch nicht besser und nicht schlechter behandelt wird als die anderen 23 EU-Sprachen.“

Irisch wurde 2007 zur EU-Amtssprache, aber eine Ausnahmeregelung zu den Durchführungsbestimmungen blieb für fünfzehn Jahre, bis Januar 2022, bestehen.

Macmanus räumte jedoch ein, dass es bei einigen der Dolmetscher- und Übersetzungseinrichtungen Unzulänglichkeiten gebe.

Er bekräftigte, dass er möchte, dass die Iren und die EU den Mangel an irisch-gälischen Sprachexperten beheben, indem sie Fachkräfte fördern und ermutigen, nach Brüssel zu kommen.

Engerer widerspricht jedoch der Behauptung des Parlaments, dass es einen Mangel an maltesischen Dolmetschern gebe.

„Ich habe häufig mit Dolmetschern gesprochen und weiß, dass viele maltesische Dolmetscher in den Wochen außerhalb der Plenarwoche [vier Tage im Monat] kaum zum Einsatz kommen. Das Mindeste, was das Europäische Parlament tun kann, ist in maltesische Dolmetscher zu investieren“, sagte er.

Engerer fügte hinzu: „Man hätte denken können, dass sich mit einer Malteserin an der Spitze des Präsidiums und dieses Parlaments die Dinge ändern würden. Leider hat der Status quo gesiegt.“ Er bezog sich dabei auf die maltesische Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola.

[Bearbeitet von Aurélie Pugnet/Rajnish Singh]

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