In seiner ersten Rede seit dem Ende der britischen EU-Präsidentschaft sagte Premierminister Tony Blair, dass die momentane Situation in Europa eine „historische Chance“ darstelle, „die Krankheit zu heilen, die Großbritanniens Verhältnis zum Projekt der europäischen Integration befallen hat, seit es vor über 30 Jahren der Europäischen Gemeinschaft beigetreten ist“.
In seiner am 2. Februar in Oxford gehaltenen Rede hatte sich Blair dazu entschieden in seine Rede an den Holocaust Volkstrauertag zu erinnern, um Großbritanniens historisch schmerzvolle Beziehung mit Europa zu portraitieren und am Ende als überzeugter Europäer hervorzutreten. Er sagte, dass es „nie einen besseren Moment gegeben hat, Europa optimistisch und Großbritanniens Rolle in ihm mit Enthusiasmus zu betrachten“.
Der Premierminister beschrieb seine Frustration über die Gradwanderung der britischen Ambivalenz zu Europa, während den kürzlich stattfinden Verhandlungen über den neuen Finanzplan. Trotz des Versuchs alle zufrieden zu stellen, habe er dies nicht geschafft. Er beschrieb sein Dilemma folgendermaßen: „entweder man kooperiert in Europa und verrät Großbritannien; oder man verhält sich in Europa unvernünftig, wird zu Hause gelobt und ist in Europa ohne jeden Einfluss“.
Nach Blairs Meinung muss sich Europa verändern, um den Herausforderungen der wirtschaftlichen Reform, den neuen Sicherheitsfragen und den dringend notwendigen Neuerungen der Energiepolitik, in einer sich wandelnden Welt, gerecht zu werden. Europa muss sich den Auswirkungen der Globalisierung stellen. Er sagt: „Kurz und gut, Europa muss die Globalisierung annehmen, sonst wird es zu Grunde gehen. Und diese Erkenntnis setzt sich immer weiter durch“.
Um dies zu ermöglichen, so gibt Blair zu verstehen, muss sich die politische Einstellung ändern. Es sei der verbreitete Isolationismus der politischen Führung gewesen, welcher seiner Ansicht nach zum Niedergang der europäischen Verfassung geführt habe. „Während die Probleme der Bürger immer dringender wurden, schlossen wir uns, anstatt mutige politische Reformen anzupacken, in ein Turmstübchen ein und debattierten über Dinge, die kein normaler Mensch verstand“ sagte Blair.
In diesem überaus optimistischen Aufruf nach einer starken europäischen Führung, allen voran Großbritannien mit einer neuen Agenda, lobte Blair auch die vorausblickende Haltung seiner politischen Partner wie Spaniens Premierminister Zapatero, Nicolas Sarkozy und Dominique de Villepin aus Frankreich sowie die neue deutsche Kanzlerin Angela Merkel.
