Bulgarien stellt christliche Euro-Münzen vor

Das vorgeschlagene Design der bulgarischen Ein-Euro-Münze zeigt den heiligen Iwan Rilski (Heiliger Johannes vom Rila-Gebirge), der als erster bulgarischer Einsiedler bekannt ist. Der Heilige wird mit einem Heiligenschein mit elf Punkten abgebildet, der eine gewisse Ähnlichkeit mit den zwölf Sternen auf der EU-Flagge aufweist. [Bulgarian National Bank]

Nach dem Beitritt Bulgariens zum Euroraum könnte das Land christliche Symbole auf den Ein- und Zwei-Euro-Münzen in Umlauf bringen. Jedoch haben sich bereits in der Vergangenheit einige Euro-Staaten gegen ähnliche Versuche ausgesprochen.

Die bulgarische Zentralbank stellte am Montag (12. Februar) das auf nationaler Ebene vereinbarte Design der bulgarischen Euro-Münzen vor, die nach der Einführung der Einheitswährung in Umlauf gebracht werden sollen. Wenn Bulgarien die erforderlichen Kriterien erfüllt, könnte dies frühestens am 1. Januar 2025 der Fall sein.

Die Länder des Euroraums dürfen Münzen mit ihren eigenen Symbolen auf der nationalen Seite prägen. Dieses Bild muss jedoch von den übrigen Mitgliedern des Euroraums und der Europäischen Kommission genehmigt werden.

Die bulgarische Zentralbank teilte mit, sie habe der Kommission und den Mitgliedstaaten am 18. Januar das vorgeschlagene Design der bulgarischen Münzen übermittelt.

Das vorgeschlagene Design der bulgarischen Ein-Euro-Münze zeigt den heiligen Iwan Rilski (Heiliger Johannes vom Rila-Gebirge), der als erster bulgarischer Einsiedler bekannt ist. Seine Anhänger gründeten ihm zu Ehren zahlreiche Kirchen, darunter das berühmte Rila-Kloster. Der Heilige wird mit einem Heiligenschein mit elf Punkten abgebildet, der eine gewisse Ähnlichkeit mit den zwölf Sternen auf der EU-Flagge aufweist.

Das vorgeschlagene Design der Zwei-Euro-Münze trägt die Aufschrift „Gott schütze Bulgarien“ am Rand der Münze.

Nach den bisherigen Erfahrungen mit anderen Staaten zu urteilen, könnten die vorgeschlagenen Designs für Aufsehen sorgen.

Im Jahr 2012 erhoben die Länder des Euroraums Einwände gegen das Design einer slowakischen Zwei-Euro-Gedenkmünze, die anlässlich des 1.150. Jahrestags der Ankunft der Heiligen Kyrill und Method in Mähren ausgegeben wurde. Nach Konsultationen wurde der Heiligenschein der Heiligen entfernt.

Bulgarien will Euro als Parallelwährung

Die neue bulgarische Regierung hat Verhandlungen mit der EU-Kommission aufgenommen, um den Euro als Parallelwährung einzuführen. Dieser soll laut Finanzminister Asen Vasilev bereits ab 2024 neben dem bulgarischen Lew verwendet werden. 

Sollte das Ziel jedoch gewesen sein, religiöse Symbole aus dem Münzbild zu entfernen, so hatten die Kritiker damit nur begrenzten Erfolg: Auf der slowakischen Zwei-Euro-Münze halten Kyrill und Method ein christliches Doppelkreuz und stehen auf dem mittleren Gipfel eines Berges mit drei Gipfeln.

In der bulgarischen Presse stieß das überarbeitete Design seinerzeit auf Ablehnung, da auch während der Zeit des Kommunismus Maler und Bildhauer von den Behörden aufgefordert wurden, Kyrill und Method ohne Heiligenschein darzustellen.

In der EU herrscht Uneinigkeit darüber, welcher Stellenwert den christlichen Werten und Symbolen eingeräumt werden soll.

Die EVP, insbesondere die Christdemokraten, bestehen darauf, dass christliche Demokratie bedeutet, Politik nach christlichen Werten zu gestalten.

Die Sozialdemokraten und die Grünen hingegen drängen darauf, dass die religiöse Neutralität des öffentlichen Raumes gewahrt werden soll.

Ein Versuch, die christlichen Wurzeln Europas in der EU-Verfassung zu verankern, scheiterte bereits 2004. Das Projekt einer gemeinsamen Verfassung wurde nach Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden 2005 verworfen.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]

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