Assistenten im EP müssen sich noch ein Jahr mit Unregelmäßigkeiten abfinden [DE]

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Die Beamten des Europaparlaments nahmen am 19. Mai neue Regeln für die Beschäftigung von Assistenten der Europaabgeordneten an, nachdem eine interne Kontrolle enorme Regelwidrigkeiten festgestellt hatte. Die Maßnahmen werden jedoch erst nach den Europawahlen im Juli 2009 in Kraft treten.

Ein umfassender Vorschlag zur Reform des Systems für die Kostenerstattungen und Vergütungen der Europaabgeordneten wurde vom Parlamentspräsidenten Hans-Gert Pöttering vorgelegt. Er enthält klare Regelungen über die Beschäftigung von Assistenten.

Anfang März 2008 zeigte ein erdrückender interner Prüfbericht den Missbrauch des derzeitigen Zahlungssystems detailliert auf (EURACTIV vom 7. März 2008).

Der Prüfbericht war das bestgehütete Geheimnis des Parlaments – bis der Europaabgeordnete Paul van Buitenen, der 1999 nach Enthüllungen den Rücktritt der Santer-Kommission verursachte, den Inhalt des Berichts auf seiner Internetseite veröffentlichte.

Es wurde bekannt, dass viele Assistenten praktisch illegal für das Parlament arbeiteten, ohne Steuern oder Sozialabgaben zu zahlen, und dass viele von ihnen unterbezahlt waren.  

Die Prüfung fand weiterhin heraus, dass ein Großteil der 15 500 Euro, die jeder Europaabgeordnete monatlich erhält, um sein Personal zu bezahlen, oft auf eine Vielzahl von unklaren Wegen in die Tasche des Europaabgeordneten selbst fließt. 

Der britische Europaabgeordnete Tom Wise (Fraktionslos, United Kingdom Independence Party) wurde jüngst von einer versteckten Kamera aufgenommen, als er damit prahlte, er schröpfe das System des Europäischen Parlaments. Nachdem dies durch die Presse bekannt geworden war, sagte er, er sei erfreut, dass die Angelegenheit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden sei, sodass die Menschen sehen könnten, wieviel Geld von der Europäischen Union verschwendet werde.

Neue Regeln

Im Rahmen des neuen Systems bleibt es den Europaabgeordneten freigestellt, ihre Assistenten frei auszuwählen, sie dürfen jedoch keine Familienmitglieder mehr anstellen.

Eine weitere Neuerung ist, dass die Verträge der Assistenten von einer zertifizierten Zahlstelle verwaltet werden. Auch die Finanz- und Sozialsicherheit der Arbeitsverträgen werden nun in angemessener Form behandelt werden.

Die neuen Regeln werden nach den Europawahlen im Juli 2009 in Kraft treten, ebenso wie das neue einheitliche Statut für Europaabgeordnete. Unter anderem enthält dieses Statut neue Regelungen für Reisekosten, die nur auf Grundlage der tatsächlichen Kosten rückerstattet werden würden.

Europaabgeordnete erhalten monatlich 15 500 Euro für die Entlohnung ihrer Mitarbeiter. Dies entspricht einer Gesamtsumme von 140 Millionen Euro für 785 Abgeordnete und beträgt damit zehn Prozent des Jahresetats des Parlaments. 

Im vergangenen Dezember hat der Europäische Bürgerbeauftragte, Nikiforos Diamandouros, Europaabgeordnete dazu angehalten, die Gehaltsabrechnungen ihrer Assistenten sowie Spesenabrechnungen offen zu legen. In der vergangenen Woche erhielt er ein Schreiben von Europaabgeordneten, in dem sie sich weigerten, dieser Aufforderung nachzukommen.

Die Forderung nach einem klaren Statut für die Assistenten der Europaabgeordneten ist nichts Neues. Die Kommission hatte dies bereits im Jahr 1998 vorgeschlagen; der Vorschlag wurde jedoch im Rat nicht angenommen. Diesmal werden ebenfalls Kommission und Rat konsultiert werden.

  • 4. bis 7. Juni 2009: Europawahlen.
  • Juli 2009: Das neue Statut für Europaabgeordnete wird greifen. Es wird auch für Assistenten gelten.

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