Biowissenschaftler sollten mit IKT-Experten zusammenarbeiten, um mit Hilfe von Computermodellen zu simulieren, wie biologische Systeme funktionieren und um neue Entdeckungen zu machen, so ein Biologe in einem Interview mit EURACTIV.
Iain Mattaj, Generaldirektor des European Molecular Biology Laboratory (EMBL) und des European Bioinformatics Institute (EBI), glaubt, die Biowissenschaften würden schnelle Fortschritte erzielen, „da die biologische Grundlagenforschung ihre Kapazitäten nutzt, um Daten und Informationen zu gewinnen“.
Datenmaterial über die komplexen biologischen Systeme, nehme derart schnell zu, dass „wir nicht in der Lage sein werden, dieses mit Hilfe von experimentellen Methoden zu belegen“, sagte er und betonte, dass Biowissenschaftler deshalb mit der IKT-Branche zusammenarbeiten müssten.
Ein mögliches Anwendungsbeispiel sei die Untersuchung der Frage, wie genetische Unterschiede den Verlauf von Krankheiten beeinflussen können, sagte er.
Um zu verstehen, wie eine Zelle, ein Organ oder ein ganzer Organismus funktioniere, „müssen wir in der Lage sein, Computermodelle von biologischen Systemen zu entwickeln und anschließend anhand von Experimenten testen, ob diese Modelle korrekt sind“, erklärte er.
Außerdem würden bessere europäische Infrastrukturen benötigt, um auf bereits vorhandene Daten zurückgreifen zu können, ebenso wie Methoden zur Sammlung, Erläuterung, Vervollständigung und Verbreitung von Daten, um das gesammelte Datenmaterial verwalten und es verbreiten zu können, betonte er. Daten zur Gensequenzierung unterschieden sich beispielsweise von denen zur Proteinstruktur. Dennoch müssten diese unterschiedlichen Daten zusammengefügt werden können, sagte er.
In Europa würde eine größere finanzielle Unterstützung benötigt, um Datensammlungen zu erstellen, fuhr er fort. „Es ist wichtig, dass die durch Experimente gewonnenen Informationen nicht verloren gehen. Stattdessen sollten sie gesammelt und verbreitet werden, so dass sämtliche Informationen von allen genutzt werden können.“ Wenn Informationen gemeinsam genutzt werden sollten, müssten außerdem „Datenstandards festgelegt werden“. Darüber hinaus müssten Wege gefunden werden, um klinische und medizinische Informationen einer großen Gemeinschaft von Forschern zugänglich zu machen, fügte er hinzu.
Mattaj sagte, es sei außerdem „sehr nützlich“, wenn Probleme in den Bereichen Sicherheit und Anonymität gelöst werden könnten. Derzeit verfügt jeder EU-Mitgliedstaat über seine eigenen Gesetze zum Datenschutz. In den meisten Ländern kann der Zugang zu genetischen Daten oder der Krankheitsgeschichte von Patienten nur durch den Arzt gewährt werden, der den Patienten direkt behandelt.
Sowohl die EU als auch die USA spielten in der Biomedizinischen Informatik eine wichtige Rolle, sagte Mattaj. Dennoch seien die USA im Vorteil, da die Gemeinschaft der Wissenschaftler, die biologische Grundlagenforschung betrieben, und die Gemeinschaft der Heilberufler besser zusammenarbeiteten, wodurch die Daten einfacher gemeinsam genutzt werden könnten. In Europa sei es schwierig, die Lücke zwischen den verschiedenen Berufsgruppen zu überbrücken, erklärte Mattaj.
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