Internet durch ‚schnüffelnde’ Behörden in Gefahr [DE]

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Regierungen und Firmen, die sich für eine stärkere Überwachung der Aktivitäten im Internet einsetzen, stellen eine große Gefahr für Freiheit und Demokratie dar, so Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Web.

Berners-Lee, der als Ingenieur am CERN, der europäischen Behörde für Kernforschung, mit der Web-Entwicklung betraut war, sagte, der grundlegende Geist der Freiheit und der offenen Zusammenarbeit, der die Universalität des Webs sicherstellt, befinde sich unter starkem Druck.

Bei einem Vortrag der jährlichen Bewertung der wissenschaftlichen und technologischen Entscheidungen (STOA) im Europäischen Parlament sagte er, dass Strafverfolgungsbehörden, die das Netz zur Bekämpfung schwerer Straftaten überwachen wollten, einen Durchsuchungsbefehl von einer unabhängigen Stelle benötigen sollten. 

Der Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT )  äußerte ebenfalls seine tiefe Besorgnis über Unternehmen, die Daten über die Internetnutzung sammeln, um damit Benutzerprofile zu erstellen. 

„Ich möchte keine Schnüffelei meines Internetverkehrs. Wenn jemand suchen möchte, ob jemand Krebs hat, oder wenn Teenager sich fragen, ob jemand homosexuell ist oder nicht, und diese Antworten online finden möchten, sollte dies privat bleiben. Insofern sind Systeme, die jeden Klick protokollieren und ein Profil von mir erstellen, sehr schädlich“, so Berners-Lee. 

Er sagte, die Besorgnis über die Privatsphäre wachse aufgrund des Umfangs und der Qualität der über das Netz gesendeten persönlichen Daten und fügte hinzu, dass die Überwachung individueller Internetvorlieben „schädlicher als eine ständige Kamera im Wohnzimmer“ sei.

Berners-Lee hat in den Vereinigten Staaten für ‚Internetneutralität’ gekämpft – das Prinzip einer freien und unbeschränkten Internetnutzung. Das Netz sollte „nicht aufgrund von kommerziellen oder parteipolitischen Gründen diskriminieren“, sagte er und unterstrich die subtilen Wege, mit denen das Internet missbraucht werden kann.

Er sagte, dass Internetanbieter, wovon einige auch Kabelfernsehen und Filmdienste anbieten, nicht in der Lage sein sollten, Zugang zu unabhängigen Filmproduzenten zu beschränken.

„Was ist, wenn jemand Ihnen den Weg zu einem bestimmten Schuhgeschäft erleichtert: Das wäre sehr mächtig, wirtschaftlich. Oder wenn man es Ihnen erschweren würde, eine Webseite zur Evolution zu besuchen, dann kann man versuchen Ihr Denken zu beeinflussen – das wäre sehr viel erschreckender“, erläuterte Berners-Lee.

Er sagte, dass für eine wirklich partizipative Demokratie es entscheidend sei, dass die Informationen von einem neutralen Medium geliefert würden. Zudem stehe er Unternehmen kritisch gegenüber, die das Internet beim Verdacht auf illegales File-Sharing abklemmen.


(Wenn Sie das gesamte Interview lesen möchten, klicken Sie bitte hier.)

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