EU-Bürger sind der Meinung, dass die Übertragung von Daten über das Internet nicht ausreichend sicher sei und nutzen zunehmend Technologien, um ihre Privatsphäre im Internet zu schützen. Dies geht aus einer neuen Umfrage hervor. Der Trend stellt eine Herausforderung für die derzeitigen Geschäftspraktiken von IT-Riesen dar, die auf personenbezogenen Daten angewiesen sind, um ihre Dienste anzubieten.
82% der europäische Internetnutzer haben nur geringes Vertrauen in die Handhabung personenbezogener Daten über das Internet. Dies ermittelte eine Eurobarometer-Umfrage zum Thema Datenschutz, die gestern (17. April 2008) von der Kommission herausgegeben wurde.
Das wachsende Bewusstsein über die Risiken, die mit dem potentiellen Missbrauch persönlicher Informationen verbunden sind, scheint mit einer erhöhten Verwendung von Tools und Technologien einherzugehen, die auf den Schutz der personenbezogenen Daten abzielen.
Tatsächlich hat sich der Anteil der Internetnutzer, die diese Technologien kennen, von 24% im Jahr 2003 auf 42% im Jahr 2008 erhöht. Die Verwendung solcher Technologien stieg im gleichen Zeitraum von sechs auf 25%.
Technologien zum Schutz der Privatsphäre (Privacy-enhancing technologies – PETs) umfassen die automatische Datenanonymisierung nach einer bestimmten Zeit, Verschlüsselungsverfahren und „Cookie cutters“, die verhindern, dass „Cookies“ auf den PC des Nutzers geladen werden und dort ohne dessen Wissen bestimmte Vorgänge in Gang setzen.
In Unternehmen ist die Verwendung von PETs verständlicherweise höher als bei privaten Internetnutzern, und steigt weiter an. Heute verwenden 55% der Unternehmen des „alten Europas“ diese Tools, 2003 waren es nur 32%.
Ein solches erhöhtes Bewusstsein könnte eine verstärkte politische Reaktion auf die weitverbreitete Nutzung personenbezogener Daten auslösen, die für eine wachsende Anzahl von Internetunternehmen typisch ist. Suchmaschinen verwenden persönliche Informationen, um die Suchergebnisse ihrer Nutzer zu verfeinern – aber auch, um ihnen gezielt Werbung anzuzeigen. Online-Werbung ist zunehmend von Datenbanken abhängig, die persönliche Informationen speichern, um zielgruppengenaue Werbung anzubieten/zu platzieren. Auch die boomenden, so genannten „Sozialen Netzwerke“ im Internet enthalten große Mengen persönlicher Daten (siehe EURACTIV vom 7. Februar 2008).
Zum Problem Suchmaschinen und Datenschutz hat die Gruppe der europäischen Regulierungsbehörden für Datenschutz im April eine Stellungnahme herausgegeben, die eine Reihe von Beschränkungen für die Erfassung und die Speicherung personenbezogener Daten durch Unternehmen wie Google oder Yahoo! vorschlägt (siehe EURACTIV vom 9. April 2008).
Obwohl das Bewusstsein steigt, ist es bei den EU-Bürgern noch relativ gering ausgeprägt. In Ländern wie Irland oder Frankreich gaben weit über zwei Drittel der Internetnutzer an, noch nie von PETs gehört zu haben.
„Wir werden das Feedback, das wir von den Bürger Europas in dieser Umfrage erhalten haben, analysieren und auswerten, damit es in die für dieses Jahr geplanten Arbeiten auf dem Gebiet des Datenschutzes einfließen kann“, sagte der Vizepräsident der Kommission, Jacques Barrot, der vorübergehend für Justiz und Inneres zuständig ist.
Die Umfragen wurden im Januar 2008 durchgeführt und schlossen ca. 27 000 EU-Bürger und knapp 5 000 Unternehmen aus allen 27 Mitgliedstaaten ein.
