E-Accessibility: barrierefreier Zugang [DE]

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Die Informationsgesellschaft sollte für alle zugänglich sein und weder Menschen mit körperlichen oder sensorischen Behinderungen noch ältere Bürger ausschließen. In einer gemeinsamen Initiative mit der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche bemüht sich die EU darum, dass alle Bürger Zugang zu Computern und Internet haben, um ihr Potential voll ausschöpfen zu können.

Hintergrund

Ein barrierefreies System ist eines, das von so vielen Menschen wie möglich genutzt werden kann. Das Konzept von E-Accessibility beschäftigt sich mit unterschiedlichen Aspekten der Informationsgesellschaft, u. a. mit Hardware, Software, elektronischen Dokumenten und Internetseiten.

Das Konzept von E-Accessibility ist auf Menschen ausgerichtet, die aufgrund bestimmter Faktoren Schwierigkeiten beim Zugang zu Informationstechnologien erleben, sei es aufgrund ihres Alters oder aufgrund von Behinderungen, vor allem kognitiver Art. E-Accessibility fällt unter das breitere Konzept von E-Inklusion (digitale Integration), das auch Menschen umfasst, die aufgrund sozialer Faktoren, wie geringes Einkommen, Bildung, Geschlecht oder ethnische Herkunft, benachteiligt sind, sowie Menschen, die in benachteiligten Gegenden wohnen. Die EU-Institutionen haben mehrfach die Bedeutung von e-Accessibility betont.

Probleme

Informationstechnologien und Dienstleistungen der Informationsgesellschaft können alten Menschen und Menschen mit einer Behinderung dabei helfen, Hindernisse in ihrem materiellen Umfeld oder in der Gesellschaft zu überwinden. Andererseits, wenn diese Technologien nicht an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst sind, können durch die Informationsgesellschaft neue Barrieren geschaffen werden. Zugangsbehinderungen können auch durch das Umfeld oder soziale Bedingungen entstehen, vor allem für Menschen mit Behinderungen oder für ältere Menschen, jedoch ebenfalls für Menschen, die bestimmten Bedingungen ausgesetzt sind.

Der Ansatz der EU beruht auf drei Säulen:

Die beiden wichtigsten Ansätze innerhalb des Konzeptes E-Accessibility sind Mainstreaming der Barrierefreiheit und assistive Technologien

 

Barrierefreiheit etablieren

Das Konzept des „universellen Designs“ zielt darauf ab, dass das Design aller IKT-Produkte darauf ausgerichtet ist, das Produkt für möglichst viele Menschen nutzbar zu machen, unabhängig von Alter und Fähigkeiten. Das Europäische Behindertenforum bestätigt, dass „das Konzept anerkennt, dass Fähigkeit ein Kontinuum ist und dass die Anwendbarkeit eines Produkts sich bis ans Ende dieses Kontinuums erstrecken sollte“. Das Forum betont die Vorteile des „universellen Designs“:

  • Angemessenes Design der Technologie reduziert den Bedarf an menschlicher Hilfe und stärkt Menschen mit einer Behinderung, da die Abhängigkeit von anderen sinkt;
  • Die vielen Möglichkeiten der Informationsgesellschaft werden das Leben von fast allen Menschen mit einer Behinderung verändern und ihre Chancen auf ein unabhängiges Leben stärken;
  • Die Rücksichtnahme auf Menschen mit Behinderungen bereits in der Designphase eines Produkts ist ebenfalls eine günstigere Lösung als die nachträgliche Verbesserung des Produkts oder die Anpassung an spezielle Bedürfnisse. 

Eine Etablierung der Barrierefreiheit betrifft mehrere Bereiche:

  • Hardware sollte so entworfen werden, dass sie einfach in der Anwendung ist; Für gängige Geräte, wie zum Beispiel Tastaturen, sollten gemeinsame Standards gelten.
  • Internetseiten sollten die Richtlinien für die Barrierefreiheit, wie sie das World Wide Web Consortium und die Web Accessibility Inititiative (WAI) festlegen, erfüllen. Dazu gehört unter anderem, dass die Seiten alternative Nutzungsweisen, wie textbasierte Browser, Bildschirmleser und Browser, die an Braille-Schrift angepasst sind, unterstützen.
  • Software sollte angepasste Nutzeroberflächen (so genannte APIs) unterstützen, die es ermöglichen, einfach assistive Hilfsmittel anzuschließen, und die WAI User Agent Accessibility Guidelines respektieren.
  • Betriebssysteme sollten standardgemäß integrierte assistive Technologien umfassen, die einfach zu aktivieren sind. Beim Start sollten die assistiven Technologien sofort aktivierungsbereit sein.

Viele der großen Betriebssysteme und viele Software-Anwendungen haben integrierte Features, die die Barrierefreiheit fördern:

  • Das neue Betriebssystem von Windows, Vista, bietet bereits bevor der Nutzer sich anmeldet Features der Barrierefreiheit. Hierzu gehören die Möglichkeit, gewisse Bereiche des Bildschirms zu vergrößern, ein integrierter Bildschirmleser, der Texte laut vorließt, Spracherkennung und eine Bildschirm-Tastatur. Zusätzlich ist Vista kompatibel mit einer Vielzahl von Accessibility-Technologien und -Anwendungen von Drittanbietern. 
  • Apple hat ähnliche Features in das OSX-Betriebssystem eingebaut, u.a. Zoommöglichkeiten, einen integrierten Bildschirmleser und Spracherkennung. 
  • KDE und Gnome, die beiden größten Desktop-Hersteller unter Linux und anderen Unix-Betriebssystemen, bieten jeweils eine geringe Anzahl von Accessibility-Hilfsmitteln und eine größere Auswahl an Add-ons, wie Text-zu-Sprache-Systeme, Bildschirm-Vergrößer und Software zur Spracherkennung.

Die Tatsache, dass die Features der unterschiedlichen Anbieter sich gleichen, zeigt, dass innerhalb des Bereichs e-Accessibility ein großes Maß an Mainstreaming stattgefunden hat. Gleichzeitig steht außer Frage, dass es die Qualität der Umsetzung ist, die entscheidend ist. Hier wird der Wettbewerb zwischen den Softwareproduzenten in Zukunft stattfinden.

Assistive Technologien

Dieser Begriff bezieht sich auf technische Lösungen, die ausschließlich auf Nutzer mit einer Behinderung ausgerichtet sind, und darauf abzielen, die Nutzung von Mainstream-Technologien zu vereinfachen. Beispiele solcher Werkzeuge sind Braille-Bildschirme, die es blinden Menschen ermöglichen, Textinhalte zu lesen, und Softwarelösungen, die es Menschen mit körperlichen Behinderungen ermöglichen, den Computer mit Hilfe von Spracherkennung zu steuern.

Positionen

„Der Zugang aller Bürger zu Informationen ist in der modernen Gesellschaft gleichermaßen ein Recht wie auch eine Voraussetzung für den Wohlstand. Es ist weder moralisch akzeptabel noch wirtschaftlich tragbar, dass Millionen Menschen nicht in der Lage sind, die Informations- und Kommunikationstechnologien zu ihrem Vorteil zu nutzen, und somit außen vor gelassen werden“, sagte EU-Kommissarin für die Informationsgesellschaft und Medien Viviane Reding  während der Startveranstaltung für die Initiative E-Inklusion (digitale Integration) im November 2007. 

„Mit der heute den Telekom-Ministern vorgestellten politischen Initiative bekräftigt die Kommission ihren Willen, die digitale Ausgrenzung in Europa zu überwinden. Wir müssen doppelt so schnell vorankommen wie bisher. Die Kommission sendet heute ein deutliches Signal an alle Beteiligten –  Wirtschaft, Regulierungsbehörden und Regierungen –, dass es an der Zeit ist, gemeinsam zu handeln, um die Barrieren der Informationsgesellschaft zu beseitigen.“

In der 
Erklärung von Riga
verpflichteten sich die EU-Minister zu einer integrativen und barrierefreien Informationsgesellschaft.

Die Genfer Erklärung des World Summit on the Information Society erklärt das gemeinsame Streben und die Verpflichtung zu einer auf Menschen ausgerichteten, einbeziehenden und entwicklungsorientierten Informationsgesellschaft, in der jeder Informationen und Wissen generieren kann, dazu Zugang hat und diese Inhalte teilen kann.

Die Lyon-Erklärung des First World Summit of Cities and Local Authorities on the Information Society umfasst die Verpflichtung zu einer Informationsgesellschaft für alle, ohne Ausnahmen; zu einem Gesellschaftsmodell, das auf Respekt vor den Menschenrechten, Demokratie, Transparenz, das Recht zu kommunizieren und gleichberechtigtem Zugang zu Wissen gründet; zu einer Gesellschaft, die ausgewogener und gerechter ist und kulturelle Vielfalt respektiert.

Microsoft-Chef Bill Gates erklärte: „Unsere Vision ist es, innovative Technologien zu entwickeln, die für jeden zugänglich sind und sich an die Bedürfnisse des Einzelnen anpassen lassen. Zugängliche Technologien bauen Hindernisse für Menschen mit Behinderungen ab und ermöglichen es dem Einzelnen, seine Fähigkeiten zu optimieren und sein Potential auszuschöpfen.“

Zeitstrahl

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