Wie der Mittelstand fit für die Industrie 4.0 gemacht werden soll

„Hier haben wir einiges in Bewegung gesetzt,“ betonte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf der Konferenz ‘Digitale Agenda.‘ [SHUTTERSTOCK]

Der Mittelstand bildet traditionell das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Im internationalen Vergleich hinkt der deutsche Mittelstand bei der Digitalisierung aber in einigen Bereichen immer noch hinterher, wie aus einer kürzlich veröffentlichen OECD-Studie hervorgeht.

Besonders im Bereich des Cloud-Computings und des Online-Handels ist der deutsche Mittelstand laut der Studie abgeschlagen, was den wirtschaftlichen Aufschwung nach der Krise negative beeinflussen könnte.

Die Bundesregierung hat jedoch bereits in der letzten Regierungsperiode eine Reihe von Fördermaßnahmen und Initiative umgesetzt, um den Mittelstand fit fürs digitale Zeitalter und die Industrie 4.0 zu machen.

„Hier haben wir einiges in Bewegung gesetzt,“ betonte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf der Konferenz ‘Digitale Agenda‘ am Montag (28. Juni).

Zwar sei in den letzten acht Jahren einiges in Bezug auf die Industrie 4.0 weitergegangen, und Deutschland habe hier „international Standards gesetzt,“ doch die Konkurrenz schläft nicht, betonte der Wirtschaftsminister.

„Derjenige der als erster damit vorankommt, der wird dann auch die größten Wertschöpfungsanteile haben. Wir sind Industrieland, wir wollen Industrieland bleiben und deshalb stellen wir uns auf die Hinterbeine,“ führte der Wirtschaftsminister weiter aus.

Digitale Readiness des Mittelstands fördern

Aus der Vielzahl der Initiativen, die in den letzten Jahren auf den Weg gebracht wurde, erhofft sich die Bundesregierung, insbesondere von den Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren eine Trendwende.

Die 26 Kompetenzzentren wurden ins Leben gerufen, um Unternehmen bei der Einführung von Industrie 4.0 Anwendungen zu unterstützen und ihnen eine Möglichkeit zu geben „sich zu informieren, was es für sie für Digitalisierungsmöglichkeiten gibt,“ betonte Altmaier.

„Die Förderlandschaft und die Möglichkeit für Unternehmen sich Hilfe zu holen ist so gut wie nie,“ resümierte auch Michaela Scheeg, Konsortialpartnerin des Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrums in Berlin.

Allerdings betonte Marianne Janik, Geschäftsleiterin von Microsoft Deutschland, dass es zur erfolgreichen Digitalisierung auch zu einem Umdenken bei mittelständischen Unternehmen kommen müsse, denn „das große Potential der Digitalisierung ist noch zu heben.“

„Die Unternehmenskultur muss sich verändern,“ sagte Janik und verwies auf die „gezielte Aus- und Weiterbildung,“ sowie die „Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft,“ die stärker ins Auge gefasst werden müsse.

Investitionsoffensive

Zusätzlich hat Deutschland in den letzten Jahren eine Investitionsoffensive gestartet, um die Digitalisierung voranzutreiben.

Das Flaggschiff der Offensive bildet hierbei der Zukunftsfonds, der €10 Milliarden für Zukunftstechnologien bereithält und insbesondere Start-ups in der Wachstumsphase unterstützen soll.

Das Projekt startete Mitte April und stellt, gemeinsam mit weiteren öffentlichen und privaten Partnern, rund 30 Milliarden Euro an Wagniskapital für Start-ups zur Verfügung, um die Herausbildung von europäischen Digitalplattformen zu fördern.

Zusätzlich hat die Bundesregierung die Initiative ‘Digital Jetzt‘ ins Leben gerufen, um mittelständischen Unternehmen bei der Digitalisierung unter die Arme zu greifen. Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag (25. Juni) verkündete, wird das Förderprogramm weiter aufgestockt und bietet nun einen Fördertopf von €250 Millionen.

Analyse der bisherigen Recovery-Pläne: EU dürfte Digital-Ziele 2030 verfehlen

Eine Analyse von zwölf bereits eingereichten nationalen Konjunkturprogrammen zeigt, dass die vorgeschlagenen Investitionen im Bereich Digitales zu dürftig ausfallen.

Auch einige der Gelder aus dem EU-Wiederaufbaufonds werden für die Digitalisierung des Mittelstandes verwendet. Wie aus einem Report Consulting-Unternehmens Deloitte hervorgeht, widmet die Bundesregierung rund €2,9 Milliarden aus dem Fonds der Digitalisierung des Mittelstandes.

Wie Altmaier betonte stellt Deutschland mit diesen Förderinitiativen das „meiste Geld“ zur Digitalisierung unter allen EU-Mitgliedsstaaten zur Verfügung.

Aus dem Deloitte Report geht allerdings hervor, dass Deutschland in den nächsten Jahren noch einen Zahn zulegen müsste, wenn es die Digitalziele der EU für den Mittelstand auch bis 2030 erreichen will.

Gaia-X für den Mittelstand

Besonders bei der Verwendung von Cloud-Diensten hinkt der deutsche Mittelstand international hinterher. Lediglich 12% der Unternehmen in greifen derzeit auf Cloud-Computing Dienste zurück. Damit ist Deutschland von dem von der EU angestrebten Ziel von 75% noch meilenweit entfernt.

Um die Lücke zu schließen, hat Deutschland gemeinsam mit Frankreich das Gaia-X Projekt ins Leben gerufen.

Gaia-X Dateninfrastrukturprojekt geht in die Umsetzungsphase

Gaia-X ist eines der europäisches Leitprojekte, um den Aufbau einer vertrauenswürdigen Daten- und Cloud-Infrastruktur in Europa sicherzustellen. Nachdem dem Abschluss der erste Spezifikationsrunde der Federation Services ist das Projekt seiner Realisierung einen Schritt nähergekommen.

Gaia-X hat den Ausbau einer Daten- und Cloud-Infrastruktur in Europa und die Förderung der digitalen Souveränität der EU zum Ziel und wendet sich insbesondere an mittelständische Unternehmen.

Wie Altmaier betonte, hat Gaia-X das „Potential eine ganz große europäische Lösung zu werden.“

Wie der Vorsitzende des Ausschusses Digitale Agenda im Bundestag, Manuel Höferlin (FDP) kritisierte, müsste Gaia-X allerdings weiter ausgebaut werden, wenn es eine „Plattform für Mittelständler“ werden will.

„Wir müssen die Wertschöpfung, die in der digitalen Welt stattfindet, auch in Europa und Deutschland halten. Und dafür ist Gaia-X die Chance schlechthin, wenn wir es richtig anpacken,“ betonte der FDP-Politiker.

In der Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge wird die Wertschöpfung nicht mehr von den „Dingen“ ausgehen, sondern von dem digitalen Ökosystem in die sie eingebettet sind, mahnte Höferlin auf der Konferenz Digitale Agenda.

„Und noch haben wir eine Chance da mitzuspielen und auch die Transformation so zu gestalten, dass die Wertschöpfung auch in Deutschland und Europa bleibt.“

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