Studie: Deutschland bei Blockchain immer noch Nachzügler

Blockchain bilden die Basis für die digitalen Ökosysteme der Zukunft und könnten insbesondere innerhalb der Transformation zur Industrie 4.0 eine Schlüsselrolle einnehmen. [SHUTTERSTOCK]

Zwar hat die Bundesregierung in der vergangenen Legislaturperiode die Förderung der Blockchain-Technologie vermehrt ins Visier genommen, bei der deutschen Wirtschaft kommen diese Bemühungen jedoch nur bedingt an. Zu diesem Urteil kam eine am Mittwoch (7. Juli) veröffentlichte repräsentative Studie des Digitalverbandes Bitkom.

Obwohl 59% der befragten Unternehmen Blockchain für eine wichtige Zukunftstechnologie halten, setzen lediglich zwei Prozent der Unternehmen die Technologie bereits ein oder befinden sich zumindest in der Implementierungsphase.

„Die Blockchain ist eine Basistechnologie, die Chancen für neue Produkte und neue Geschäftsmodelle in den unterschiedlichsten Branchen eröffnet“, betonte der Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder in einer Pressekonferenz. „Diese Erkenntnis ist in der Wirtschaft durchaus angekommen. Ihren Weg in die praktische Umsetzung muss sie in den Unternehmen aber erst noch finden.“

Zwar hat die Technologie vor allem in Bezug auf Kryptowährungen – wie Bitcoin – Bekanntheit erlangt, die Anwendungsfelder sind jedoch vielseitig und reichen von Smart Services bis hin zu digitalen Identitäten.

Europäische Kommission will digitale Identitäten einführen

Die Europäische Kommission brachte am Donnerstag einen Gesetzesvorschlag für die Einführung europäischer digitaler Identitäten ein. Zahlreiche Dienste, wie die Öffnung eines Bankkontos oder die Einreichung einer Steuerklärung sollen so rein digital möglich werden.

Blockchain bilden die Basis für die digitalen Ökosysteme der Zukunft und könnten insbesondere bei der Transformation zur Industrie 4.0 eine Schlüsselrolle einnehmen.

Denn die Technologie erlaubt nicht nur einen hohen Grad an Transparenz und Vertrauen zwischen den am Produktionsprozess beteiligten Parteien, sondern auch einen größeren Automatisierungsgrad. So lässt sich durch den Einsatz etwa die Maschinenauslastung erhöhen oder Durchlaufzeiten bei der Produktion verkürzen.

Deutsche Ambitionen und Ernüchterungen

Die Bundesregierung hatte sich eigentlich vorgenommen weltweit führend auf dem Gebiet der Blockchain-Technologie zu werden. Nach ausführlichen Konsultationen mit über 150 Stakeholdern aus Wissenschaft, Industrie und Zivilgesellschaft, veröffentlichte die Bundesregierung 2019 die weltweit erste Blockchain-Strategie.

Deutschlands steiniger Weg zur Blockchain-Nation

In einem am Dienstag veröffentlichten Bericht hat das Bundeswirtschaftsministerium eine Bestandsaufnahme der Blockchain-Strategie vorgenommen. Die Regierung will Deutschland zu einem der führenden Standorte für die Technologie machen.

Zwar ist die Umsetzung der Strategie laut einem im Mai veröffentlichten Bericht der Bundesregierung bereits weit fortgeschritten, die deutschen Unternehmen profitieren bislang allerdings nur marginal.

Laut der Bitkom-Studie sehen rund 44% der befragten Unternehmen Deutschland bei Blockchain als Nachzügler, 9 Prozentpunkte mehr als noch 2018. Weitere 14% sehen die deutsche Wirtschaft international sogar weit abgeschlagen.

Zwar gaben 57% der Unternehmen an, dass die Verabschiedung einer Blockchain-Strategie durch die Bundesregierung grundsätzlich richtig war, bei der Umsetzung geben sie der deutschen Regierung dennoch schlechte Noten.

So sagten 73% der Unternehmen, dass die deutsche Politik die Bedeutung der Technologie noch nicht ausreichend verstanden hätte und wünschten sich mehr Engagement im Bereich der Zukunftstechnologie.

Besonders bei der Standardisierung der Technologie (77%), der Ausbildung von Spezialisten (61%), sowie der Forschungsförderung (58%) sollten die Bemühungen der Bundesregierung intensiviert werden.

Hürden für die Einführung von Blockchain

Laut der Studie scheitert die Einführung von Blockchain-Anwendungen in Unternehmen vor allem an fehlenden Kompetenzen. 87% der befragten Unternehmen gaben an, dass ihnen das Know-how in der Technologie fehle und 81% beklagten das Fehlen von qualifiziertem Personal.

Aber auch die derzeitige Gesetzeslage gilt vielen Unternehmen als Hürde. So gaben 73% an, dass die rechtlichen Unsicherheiten in Bezug auf Blockchain Anwendungen eine große Herausforderung darstellen. Zudem sehen 69% die Anforderungen des Datenschutzes, sowie 62% die IT-Sicherheit als Hindernis an.

Auch die Corona-Krise hinterlässt ihre Spuren. So gaben 63% an, dass sich aufgrund der Pandemie ihre Prioritäten verschoben hätten und deshalb keine Ressourcen für die Investition in Blockchain Technologie zur Verfügung stünden.

Dabei zeigt sich, dass die Unternehmensgröße ausschlaggebend für die Investitionsbereitschaft in die Technologie ist.

Während 84% der Unternehmen mit 50 bis 99 Mitarbeitern angeben weder in die Technologie investiert zu haben noch Pläne für zukünftige Investitionen zu haben, ist das Bewusstsein über die Bedeutung der Technologie bei großen Unternehmen viel stärker ausgeprägt.

So geben 51% der Unternehmen mit 2.000 oder mehr Beschäftigten an, entweder bereits in die Anwendung von Blockchain investiert zu haben oder dies in naher Zukunft tun zu wollen.

Zwar betonte der Bitkom Hauptgeschäftsführer Rohleder, dass das Vorpreschen von großen Unternehmen bei neuen Technologien an sich nichts Ungewöhnliches sei, dennoch bräuchte es aber vom Mittelstand mehr Engagement und Initiative:

„In Deutschland haben wir aber einen außergewöhnlich breiten und innovativen Mittelstand. Der Mittelstand könnte und sollte sich viel stärker an der Entwicklung und dem Einsatz der Blockchain beteiligen.“

Subscribe to our newsletters

Subscribe