Frankreich und Deutschland einigen sich auf Plan für Airbus [DE]

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Der Mutterkonzern des Flugzeugherstellers Airbus, EADS (European Aeronautic Defence and Space Company), verabschiedet sich von seiner komplexen dualen Managementstruktur. Diese zielte ursprünglich darauf ab, gleichzeitig die Interessen von Frankreich und Deutschland zu erfüllen. Jedoch wurde sie über Jahre hinweg für politische Machtkämpfe und ein Defizit von etwa fünf Milliarden Euro bei den Gewinnen des Unternehmens verantwortlich gemacht.

Der Franzose Louis Gallois, einer der beiden derzeitigen Geschäftsführer der EADS, wird die alleinige Geschäftsführung übernehmen, während sein deutsches Pendant zurücktreten und den Posten des Vorstandsvorsitzenden des sich in Schwierigkeiten befindenden Ablegers des Luftfahrtkonzerns, Airbus, übernehmen wird. Dies kündigte das Unternehmen am 16. Juli 2007 an.

Das Abkommen zur Umstrukturierung zielt darauf ab, einem seit sieben Jahren andauernden politischen Machtkampf ein Ende zu bereiten, der mit der zweiköpfigen Unternehmensleitung in Zusammenhang steht. Diese wird als Grund für eine Reihe von Managementfehlern, technischen Problemen und Produktionsverzögerungen betrachtet, zu denen es Anfang des Jahres 2007 kam und dazu führte, dass Airbus eine Streichung von 10 000 Arbeitsplätzen überall in Europa ankündigen musste (siehe EURACTIV vom 2. März 2007). 

Enders, der die fünfte Person innerhalb von zwei Jahren sein wird, die Airbus leitet, wird sich mit der schweren Aufgaben konfrontiert sehen, das Programm zur Kostenreduzierung durchzusetzen. Damit sollen bis 2010 fünf Milliarden Euro für die Entwicklung eines neuen Großraumflugzeuges, A350, erwirtschaftet werden, um mit dem US-Rivalen Boeing im Rennen zu bleiben.

Während eines Treffens in Toulouse begrüßten der französische Präsident Nicolas Sarkozy und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die Entscheidung deutlich. Es sei ein großer Tag für das Unternehmen und für die ‚deutsch-französische Achse’. Airbus und EADS müssten wie Unternehmen geführt werden und nicht wie internationale Organisationen, sagte Sarkozy. Er betonte, dass die Änderungen keinen Sieg für eines der Länder darstellten. Frankreich habe nicht Deutschland, und Deutschland habe nicht Frankreich geschlagen. Der Sieger sei EADS.

“Es geht darum, dass das Unternehmen nach unternehmerischen und nicht nach politischen Erwägungen geführt wird“, hatte Merkel in einem früheren Interview mit der deutschen Tageszeitung Handelsblatt betont.

Während einige Beobachter und Wirtschaftsexperten meinen, dass die Einigung die Entscheidungsprozesse vereinfachen und Investoren beruhigen werde, bleiben andere jedoch skeptisch, dass dies der politischen Einmischung in die Unternehmensangelegenheiten ein Ende setzen werde.

Bis man sich nicht mit den schwerfälligen Strukturen der Entscheidungsträger auseinandersetze, erwarte man, dass der Stillstand bei vielen EADS-Themen bestehen bleibe, so Analysten der Citigroup.

Die Gewerkschaften stimmten dem zu. Jean François Knepper, der stellvertretende Chef des europäischen Betriebsrats von Airbus, glaubt, dass dies nichts ändern werde. Die Akteure seien ausgetauscht worden, aber das Streben nach Macht und Einfluss werde weitergehen.

Die Kapitalstruktur von EADS wird weiterhin aus einem sensiblen Gleichgewicht der deutsch-französischen Interessen bestehen, mit zentralen Entscheidungsträgern, die über ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen verfügen. Dazu gehören die französische Regierung, die 15% der Anteile an EADS besitzt, sowie französische Medien und die Unternehmensgruppe Lagardère aus dem Bereich der Flugtechnik (7,5%) und der deutsche Autohersteller DaimlerChrysler (22,5%).

Nichtsdestotrotz kündigten französische und deutsche Beamte ebenfalls an, dass Arbeitsgruppen eingerichtet würden, um in den kommenden Monaten das sieben Jahre alte Abkommen der Aktieninhaber zu überarbeiten.

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