Europa muss seine Türen für Importe von Biokraftstoffen aus Entwicklungsländern öffnen, um seine Ölabhängigkeit im Verkehrssektor und CO2-Emissionen reduzieren zu können. Dies erklärten die Staats- und Regierungschefs der EU während einer hochrangigen Konferenz zu Biokraftstoffen in Brüssel, an der auch der brasilianische Präsident Luis Inacio ‚Lula‘ da Silva teilnahm.
Der EU-Kommissar für Handel, Peter Mandelson, warnte am 5. Juli 2007 während einer internationalen Konferenz, die von der Kommission organisiert wurde, dass Europa sein Ziel, den Anteil von Biokraftstoffen des gesamten Kraftstoffverbrauchs des Verkehrssektors auf 10% zu erhöhen, nicht erreichen werde, wenn es seine Importe aus Ländern wie Brasilien nicht entscheidend erhöhe.
Der brasilianische Präsident Lula Da Silva nahm ebenfalls an der Konferenz teil, die kurz nach dem ersten EU-Brasilien-Gipfel, der am Vortag abgehalten wurde, stattfand (siehe EURACTIV vom 5. Juli 2007).
Mandelson sagte, Europa werde bereit sein, zu akzeptieren, dass man einen Großteil der Biokraftstoffressourcen importieren werde. Man solle nicht erwägen, die Herstellung von Biokraftstoffen in der EU mit schlechten CO2-Werten durchzuführen, wenn man billigere und sauberere Biokraftstoffe importieren könne. Nationalismus im Bereich der Ressourcen sei in anderen Energiebereichen nicht sonderlich dienlich, dies sei bei Biokraftstoffen nicht anders.
Derzeit werden Biokraftstoffe wie Ethanol als landwirtschaftliche Produkte eingeordnet und erfahren einen relativ hohen Zollschutz in Europa, um die Entwicklung des Biokraftstoffmarktes zu unterstützen und die europäischen Bauern vor der ausländischen Konkurrenz zu schützen.
Da nicht genügend Land in Europa zur Verfügung stehe, um ausreichende Mengen an Kraftstoffen und Futtermittel herzustellen, werde die EU ihre Türen weiter für Importe aus Drittstaaten öffnen müssen. Diese Meinung vertraten mehrere Kommissare während der Konferenz. Laut der Kommission könne dies entweder durch ein multilaterales Abkommen bei der Welthandelsorganisation oder durch bilaterale Abkommen wie die neue strategische Partnerschaft, die am 4. Juli 2007 mit Brasilien ins Leben gerufen wurde, erzielt werden.
Der Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der brasilianische Präsident Lula Da Silva betonten, dass eine weitere Marktöffnung in Europa auch den Entwicklungsländern Nutzen bringen werde, die derzeit der wichtigste Hersteller von Biokraftstoffen aus Pflanze wie Zuckerrübe oder Mais sind.
Dieser Schritt könnte jedoch von einigen EU-Mitgliedstaaten, wie beispielsweise Frankreich, abgelehnt werden, sich mit Nachdruck gegen Forderungen aus Entwicklungsländern und aus den USA wehren. Nach deren Willen sollten die Agrarzölle gekürzt werden, um bei den Welthandelsgesprächen der WTO eine Einigung zu erzielen.

