Die florierende asiatische Volkswirtschaft hat Deutschland, den größten Autohersteller in Europa, überholt, und ist damit 2006 zum drittgrößten Fahrzeughersteller der Welt geworden. Rekordzahlen zur weltweiten Produktion untergraben die Bemühungen des Sektors, seinen Beitrag zum Klimawandel zu senken.
Während die weltweite Kraftfahrzeugproduktion 2006 um 4% angestiegen ist, hat China seine Fahrzeugproduktion um fast 30% angehoben und mehr als sieben Millionen Wagen hergestellt. Laut Zahlen des Worldwatch Institutes verdrängt es Deutschland, mit 5,8 Millionen Fahrzeugen, vom dritten Platz, hinter den USA und Japan.
Auch wenn die EU insgesamt der weltweit größte Produzent bleibt, mit der Herstellung von 27% der 67 Millionen Fahrzeuge, die 2006 auf den Markt gebracht wurden – eine Rekordzahl – so könnte sich der Trend in den kommenden Jahrzehnten radikal ändern.
Laut dem Analysten für den Automobilmarkt B&D Forecast könne Deutschland bis 2015 auch seinen vierten Platz an Russland verlieren und bis 2020 durch Indien auf den fünften Platz verdrängt werden.
Seit kurzem haben die europäischen Autohersteller Probleme mit den Anpassungskosten, die mit strengen EU-Regelungen zur Sicherheit und zum Umweltschutz sowie mit dem hohen Eurokurs in Zusammenhang stehen. Dadurch wird die Produktion von Autos für den Export in Europa teurer und die Hersteller in der EU sind gezwungen, Umstrukturierungen oder Auslagerungen in kostengünstigere Produktionsstätten vorzunehmen.
Im vergangenen Jahr entließ das deutsche Unternehmen Volkswagen 3 500 Angestellte in Belgien (EURACTIV vom
22. November 2006
) und der französische Konzern Peugeot-Citroën kündigte an, dass er 4 800 Stellen abbauen werde, um seine Gewinne zu steigern.
Während europäische Automobilhersteller Probleme haben, mit dem globalen Wettbewerb umzugehen, plant die EU eine Gesetzgebung, die sie dazu zwingen soll, ihre CO2-Emissionen von neuen Fahrzeugmodellen auf einen Durchschnitt von 120g/km bis 2012 zu reduzieren; die derzeitige Grenz beträgt etwa 163g/km.
Die Automobilhersteller warnen jedoch davor, dass dies Produktionskosten um etwa 3 500 Euro pro Auto steigern könnten (EURACTIVvom
21. März 2007
).
Das Gesetz wird derzeit im Europaparlament diskutiert. Während der Europaabgeordnete, die für das Thema zuständig ist, forderte, dass die Frist bis 2015 erweitert wird, um Automobilherstellern mehr zeit zu geben, sich anzupassen (EURACTIV vom
26. Juni 2007
), lehnte der Industrieausschuss des Parlaments am 18. Juli 2007 diese Idee ab.
Die Schattenberichterstatterin der Fraktion Grüne/EFA, Rebecca Harms, betonte, „dass das aktuelle Ziel von 120g CO2/km vom Gesetzgeber bereits vor zehn Jahren verabschiedet wurde und eigentlich schon bis 2005 hätte erreicht werden sollen – spätestens bis 2010.“
Ziel des Gesetzes ist es, den zunehmenden Beitrag der Automobilindustrie zum Klimawandel zu reduzieren, entsprechend des EU-Ziels, die gesamten CO2-Emissionen bis 2020 um 20% zu senken.
Michael Renner, Forscher bei Worldwatch, sagte jedoch, da es von Jahr zu Jahr mehr Fahrzeuge auf den Straßen gäbe, seien die Regulierung des Kraftstoffverbrauchs und der Emissionen von Autos allein keine Lösung. Was wirklich notwendig sei, sei eine Revolution des Verkehrswesens. Er fügte hinzu, Städte könnten den Beispielen von Bogotá und London folgen, die ihre Abhängigkeit von Autos dank besserer Landnutzungspraktiken und dank eines zunehmenden Einsatzes von öffentlichen Verkehrsmitteln verminderten.

