Die britische Lebensmittel- und Getränkeindustrie hat in den ersten drei Monaten dieses Jahres große Verluste bei den Exporten in die EU verzeichnet. Das geht aus neuen, am vergangenen Freitag (18. Juni) veröffentlichten Zahlen hervor. Die Branche bezeichnete die Entwicklung als „Katastrophe“.
Die Exporte von Lebensmitteln und Getränken aus dem Vereinigten Königreich in Nicht-EU-Märkte waren im ersten Quartal 2021 höher als die Verkäufe in die EU.
Die Absätze in die EU sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 47 Prozent, was auf die anhaltenden Auswirkungen der COVID-Pandemie sowie auf die Handelsbeziehungen nach dem Brexit zurückzuführen sei.
Die von der Lobbygruppe Food and Drink Federation veröffentlichten Daten zeigen weiter, dass die britischen Exporte in die EU um zwei Milliarden Pfund (ca. 2,33 Milliarden Euro) im Vergleich zum ersten Quartal 2019 gesunken sind, als das Vereinigte Königreich noch Teil der EU und des Binnenmarktes war.
Die Verkäufe ins benachbarte Irland sind in den ersten drei Monaten dieses Jahres sogar um mehr als zwei Drittel gesunken, während die Verkäufe nach Deutschland, Spanien und Italien seit März 2020 um mehr als die Hälfte zurückgegangen sind. Die britischen Importe aus der EU waren ebenfalls um zehn Prozent rückläufig. Die Einfuhren verschiedener Gemüsesorten, von Wein und Obst fielen um 14 bis 20 Prozent.
„Der Verlust von zwei Milliarden Pfund an Exporten in die EU ist eine Katastrophe für unsere Industrie und ein sehr deutlicher Hinweis auf das Ausmaß der Verluste, die den britischen Herstellern längerfristig durch die neuen Handelsbarrieren mit der EU drohen,“ warnte Dominic Goudie, Leiter des Bereichs Internationaler Handel bei der FDF.
Sowohl die Lebensmittel- und Getränkeindustrie als auch andere Branchen hatten bereits zuvor berichtet, der Handel zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich sei durch die Pandemieauswirkungen (die weite Teile des Gastgewerbes effektiv lahmgelegt hat), durch Lageraufstockungen vor Ende 2020 und durch die Anpassung an die neuen Zollkontrollen zurückgegangen.
John Whitehead von der Food & Drink Exporters Association fasste zusammen: „Während ein Teil dieses großen Rückgangs auf die Aufstockung der Lagerbestände zum Jahresende zurückgeführt werden kann, ist ein erheblicher Teil des Geschäfts als direkte Folge der zusätzlichen Bürokratie, der Verzögerungen durch den Zoll und der zusätzlichen Kosten für den Handel mit der EU verloren gegangen.“
Die FDF warnte weiter, man gehe davon aus, dass sich der Rückgang des Handels noch verstärken wird, „wenn vollständige Kontrollen an den britischen Grenzen im Jahr 2022 eingeführt werden“.
Vergangene Woche hatte die britische Regierung die EU um die Zustimmung gebeten, eine „Schonfrist“ für Importe von gekühltem Fleisch aus Großbritannien nach Nordirland zu verlängern. Laut Bedingungen des Nordirlandprotokolls unterliegen Exporte aus Großbritannien auf die irische Insel nun eigentlich Zollkontrollen.
Die Europäische Kommission teilte am Donnerstag lediglich mit, man habe den Antrag auf eine Verschiebung der Zollkontrollen bis Oktober erhalten.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]






