Die Staats- und Regierungschefs aus Europa und Lateinamerika haben während des fünften EU-Lateinamerika-Karibik-Gipfels in Lima weitere Handelsverbindungen zwischen ihren beiden Regionen zugesichert und wollen weiterhin Erderwärmung und Armut bekämpfen.
Die Teilnehmer des Gipfels, darunter der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und der brasilianische Präsident President Luiz Inacio Lula da Silva sagten, sie seien von den Folgen der steigenden Lebensmittelpreise tief betroffen. In einer Erklärung, die am 16. Mai 2008 veröffentlicht wurde, forderten sie Sofortmaßnahmen, um die am meisten gefährdeten der betroffenen Länder und Völker zu unterstützen.
In die Höhe schießende Lebensmittelmittelpreise führten in einer Reihe von Ländern, insbesondere in Haiti, zu Ausschreitungen, denen auf dem Gipfel erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Doch die Rolle der Biokraftstoffe innerhalb der andauernden Lebensmittelkrise blieb ein zentraler Streitpunkt bei den 50 bis 60 Staats- und Regierungschefs, die am Gipfel teilnahmen. Während die EU und Brasilien, das der weltweit größte Produzent von Ethanol ist, ihre Unterstützung der Biokraftstoffe als Ersatz für konventionelle fossile Kraftstoffe zum Ausdruck gebracht haben, gaben viele andere lateinamerikanische Länder den Biokraftstoffen die Schuld für die steigenden Lebensmittelpreise.
Die europäischen Staats- und Regierungschefs spielten die Risiken herunter: Die negativen Auswirkungen von Biokraftstoffen sollten nicht so einen Wirbel verursachen, sagte der spanische Premier José Luis Rodriguez Zapatero, Aus seiner Sicht sei der Zusammenhang nicht eindeutig. Der Hauptgrund für erhöhte Lebensmittelpreise sei der gesteigerte Verbrauch und die einzig angemessene Antwort auf gesteigerten Verbrauch sei es, mehr zu produzieren, stimmte der slowenische Premierminister Janez Janša zu.
Auch in Handelsfragen ist man sich weiter uneinig und die EU-Staats- und Regierungschefs klagten über das langsame Fortschreiten der Verhandlungen, die den Handel zwischen den beiden Regionen liberalisieren sollen.
Die 27 Länder der Union hofften, im kommenden Jahr regionale Freihandelsabkommen mit Mercosur, der Andengemeinschaft und Mittelamerika abzuschließen, so Barroso. Der Fortschritt sei insbesondere durch den Widerstand linker Politiker, ihre Märkte zu öffnen, ins Stocken geraten.
Der bolivianische Präsident Evo Morales sagte, er habe Befürchtungen, dass die Ärmsten drunter leiden könnten, zu schnell Freihandelsabkommen mit Europa abzuschließen. Während der ecuadorianische Präsidenten Rafael Correa ihn darin unterstützte, drängten die beiden anderen Mitglieder der Andengemeinschaft – Peru und Kolumbien – auf ein baldiges Abkommen und forderten, dass ihre Länder auf die „Überholspur“ gebracht werden sollten. Ein Freihandelsabkommen mit der EU wäre dem wirtschaftlichen Wachstum und der sozialen Entwicklung der beiden Regionen zuträglich, behauptete der peruanische Präsident Alan Garcia.
In der endgültigen Stellungnahme einigte sich die EU, einen flexibleren Ansatz in Betracht zu ziehen, der den Ungleichmäßigkeiten zwischen und innerhalb der beiden Regionen Rechnung tragen würde. Es handele sich um einen allgemeinen, aber flexiblen Rahmen, in dem die Länder im Prinzip bestimmte Teile eines Abkommens unterzeichnen könnten, andere dagegen nicht, so Correa.
Spaniens Regierungschef Zapatero, der den Vorsitz des nächsten EU-LAC-Gipfels im Jahre 2010 innehaben wird, sagte, die Beseitigung der bestehenden Handelshindernisse sollte nun höchste Priorität erhalten. Man könne das nächste Treffen 2010 nicht abhalten, ohne dies erreicht zu haben, erklärte er und sagte weiter, die geplanten Handelsabkommen seien der beste Weg, um soziale Ungleichheit zu beseitigen.

