Europäisches Jahr der Kreativität und Innovation [DE]

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Die Europäische Kommission ist von vielen Seiten dafür gelobt worden, Innovation und Kreativität 2009 in den Blickpunkt gestellt zu haben; Ob dieses Jahr jedoch über symbolische Gesten herausgehen wird und es in einer Zeit der wirtschaftlichen Rezession in Europa zu konkreten Ergebnissen führen wird, bleibt abzuwarten.

Hintergrund

Europäische Jahre haben immer ein bestimmtes Motto und werden seit 1983 abgehalten. Ihr vorwiegender Zweck ist es, die öffentliche Aufmerksamkeit und die politische Debatte zu einem bestimmten Thema europaweit zu vergrößern, bzw. voranzutreiben. Die letzten Europäischen Jahre waren das Europäische Jahr der Mobilität der Arbeitnehmer (2006) und das Europäische Jahr des interkulturellen Dialogs (2008).

Das Jahr 2009 wird nun der Kreativität und der Innovation gewidmet. Über das Jahr hinweg, wird die Europäische Kommission gemeinsam mit Tschechien und Schweden, den jeweiligen EU-Ratsvorsitzenden, Veranstaltungen und Initiativen auf lokaler, regionaler, nationaler oder EU-Ebene durchführen. Finanziert werden diese durch bereits bestehende Programme.

Die EU-Kommission hat 27 europäische Persönlichkeiten aus verschiedenen Feldern als spezielle Botschafter für das Jahr nominiert, angeführt von Esko Tapani Aho, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden von Nokia und ehemaligen Premierminister Finnlands.
Die Hauptaufgabe der Botschafter ist, das öffentliche Interesse in relevanten Gebieten (unter anderem Erziehung, Kultur, Innovation oder Unternehmen) zu fördern. Sie unterstützen das Jahr in ihren Ländern, sowie weltweit und nehmen an den Hauptveranstaltungen teil.

Probleme

Er glaube, das Jahr der Kreativität und Innovation werde eine Quelle der Inspiration sein. Es werde zu einem Baum heranreifen und nicht nur eine Einjahrespflanze sein, sagte der Kommissar für Bildung Ján Figel' auf der offiziellen Eröffnungszeremonie in Prag. Diejenigen, die in Kreativität und Innovation investierten, würden konkurrenzfähiger sein, als die, die dies nicht täten, erklärte Figel' (EURACTIV vom 09. Januar 2009).

Kein Mangel an Initiativen zu Innovationen

Es gibt keinen Mangel an EU-Initiativen, die Innovation unterstützen. EU-Staats- und Regierungschefs hatten Innovation als Schlüsselelement in der EU-Strategie für Wachstum und Beschäftigung (siehe EURACTIV Links Dossier) identifiziert. Außerdem enthält das kürzlich verabschiedete Konjunkturprogramm die Erhöhung von Investitionen in Forschung und Entwicklung, den Ausbau von Hochgeschwindigkeitsinternet in ländlichen Gegenden und die Entwicklung Europas hin zu einem Wirtschaftsstandort mit geringen CO2-Emissionen (EURACTIV vom 27.  November 2008).

Allerdings hatte ein kürzlich veröffentlichter Kommissionsbericht gezeigt, dass der Fortschritt Europas bisher beschränkt sei (EURACTIV vom 30. Januar 2009). Eine kürzlich veröffentlichte Studie hatte sogar ergeben, dass die europäischen Investitionen in Forschung und Entwicklung immer weiter hinter die der USA zurückfallen. Sie warnte die EU, dass dieser amerikanische Vorsprung bald nicht mehr aufzuholen sei, wenn Investitionen in den Dienstleistungssektor nicht massiv verstärkt würden (EURACTIV vom 10. Februar 2009). Andere Experten bezeichnen den Ansatz, Investitionen in Innovation mit Investitionen in Forschung und Entwicklung gleichzusetzen, allerdings als zu eindimensional.

Trotz dieser Meinungsverschiedenheiten ist eindeutig, dass die Ergebnisse dieser Studie im Gegensatz zum erklärten Ziel der EU stehen, bis 2010 der wettbewerbsfähigste, wissensbasierte Wirtschaftsraum der Welt zu werden. Dieses ursprünglich vor zehn Jahren im Lissabon-Vertrag verankerte Ziel wurde mittlerweile stillschweigend fallen gelassen.

Kulturwirtschaft bis jetzt ignoriert

Ann Mettler, Vorsitzende des Lisbon Council, eines Brüsseler Think-Tanks, lobte die Versuche der Kommission, das Verständnis des Begriffs „Innovation“ zu erweitern, indem sie Kreativität mit einbezogen hat. „Wir sollten die Kulturwirtschaft, wie Filmproduktion und Design  nicht unterschätzen“, sagte Mettler EURACTIV gegenüber und erklärte, dass diese Wirtschaftszweige eine gute Gelegenheit böten, Europa in einen Magneten für Talente der ganzen Welt zu verwandeln.

Die Kommission hatte versprochen, das Potential der Kulturwirtschaft zu betonen, indem sie über das Jahr verteilte Veranstaltungen organisiert, die durch spezielle Botschafter unterstützt werden, die in ihren Heimatländern als Autoren, Künstler oder Regisseure arbeiten.

Bildung und lebenslanges Lernen

In Übereinstimmung mit dem Ziel der EU, eine wissensbasierte Gesellschaft zu werden (siehe EURACTIV LinksDossier), werden Bildung und lebenslanges Lernen dieses Jahr weit oben auf der Agenda stehen.

Diese Veranstaltungen ergänzen die Ende 2008 vorgestellte Initiative „Neue Kompetenzen für neue Beschäftigungen“ Kommission (EURACTIV vom 17. Dezember 2008). Ziel der Initiative ist es, die europäischen Arbeitnehmer bei der Anpassung an die sich verändernden Anforderungen der Wirtschaft zu unterstützen, die mehr denn je Qualifikationen im Bereich der Dienstleistung, der Informations- und der Umwelttechnologie fordert. Für Ann Mettler bedeutet dies bereits „einen Schritt in die richtige Richtung“.

Kreativität beginnt in der Schule

Die Kommission erkennt an, dass Schulen eine entscheidende Rolle bei der Stimulierung und Entwicklung von lösungsorientierter Einstellungen, Neugierde und Talenten spielen,  beklagt aber, dass Kreativität in den Lehrplänen immer weiter an Wichtigkeit verliere.

Veranstaltungen, wie der jährlich  über sechs Wochen hinweg stattfindende „Europäische Frühling“, der  alle Schulformen dazu aufrufen, einen oder mehrere Tage der Diskussion, Interaktion und Reflexion von europäischen Themen zu widmen, versuchen dieses Problem anzusprechen.

Bessere Verbindungen zwischen Schulen und Unternehmen

Die Kommission versucht außerdem die Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen und Wirtschaft zu fördern. Der Kommissar für Bildung, Ján Figel',  vertrat in seiner Rede auf dem zweiten Universitäts- und Wirtschaftsforum, das am 5. und 6. Februar stattfand, die Auffassung, dass die europäischen Universitäten einen Großteil ihres Potentials ungenutzt ließen, besonders wenn es darum ginge, Verbindungen mit der Wirtschaft zu etablieren (EURACTIV vom 6. Februar 2009).

Die Kommission werde eine Mitteilung zur „Zusammenarbeit von Universitäten und der Wirtschaft“ herausgeben, die eine Liste von guten Beispielen für die Zusammenarbeit enthielte, sagte Figel’ und fügte hinzu, dass diese Mitteilung ein „Rezept“ für eine Partnerschaft der beiden Sektoren enthalten werde.

Dieser Schritt wird als Antwort auf die steigende Anzahl von Beschwerden der Arbeitgeber gewertet, die beklagt hatten, die Hochschulabsolventen hätten nicht die richtigen Kenntnisse für den Betrieb. Die Arbeitgeber verlangten besonders nach mehr interdisziplinären und übertragbaren Fähigkeiten. Dies sei ein wichtiger Ansatzpunkt für die Universitäten, sagte Figel’.

Die obersten Prioritäten der Kommission sind die Verbesserung der Mobilität der Studierenden, durch die Ausweitung des Erasmus-Programms, sowie der Effizienz in Bildung und Ausbildung, die Modernisierung der europäischen Hochschulen und das Vorantreiben von Innovation, Kreativität und Unternehmensgeist.

Positionen

Wir müssen unsere Kapazitäten zur Problemlösung in jeder Altersklasse und überall in Europa verbessern, sagte der Kommissiar für Bildung und Kultur, Ján Figel’. „Ich würde mich freuen, wenn die europäischen Bürger bis Ende des Jahres besser verstanden haben, dass die Förderung von Talenten und Fähigkeiten aktiv dazu beiträgt, Europa zum Besseren zu verändern und ermöglicht sowohl wirtschaftliches als auch gesellschaftliches Potential voll auszuschöpfen“, sagte Figel’ in einem Interview mit EURACTIV.

Innovation stelle gute Werkzeuge zur Verfügung um mit  Umweltproblemen fertig zu werden, sagte der stellvertretende Geschäftsführer von Nokia und ehemalige finnische Premierminister, Esko Aho, der die Gruppe der Botschafter leitet. Aho rief die EU-Regierungen dazu auf, die Budgets für Forschung und Entwicklung nicht zu kürzen, um in Krisenzeiten kurzfristig Gelder einsparen zu können.  Dies wäre  ein „schwerer Fehler“.

Professor Edward de Bono, einer der führenden Experten im Bereich des kreativen Denkens und Innovation und gleichzeitig Botschafter für das Europäische Jahr, rief besonders Unternehmen dazu auf, die Angelegenheit ernst zu nehmen. Er sagte EURACTIV in einem Interview: „Ich denke, Unternehmen müssten Kreativität genauso ernst nehmen wie Finanzen und Rechtsfragen. Wir brauchen jemanden in jedem Unternehmen, der direkt für Kreativität und neue Ideen verantwortlich ist, der Weiterbildungsmaßnahmen organisiert und eine Liste von neuen Ideen zusammenstellt, der sich neue Ideen anhört, sie weiterleitet und sie verteidigt.“

Radek Spicarder Zuständige für Außenbeziehungen beim tschechischen Automobilhersteller Skoda, betonte die Wichtigkeit von Innovation für die Fähigkeit von Unternehmen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Er unterstützte Ahos Ansicht, dass die Finanzkrise der beste Zeitpunkt sei, um über Innovation nachzudenken.

Außerdem rief er zu einer Verbesserung der Bildungssysteme auf, die Studenten auf den Arbeitsmarkt vorbereiten sollten. Im Moment würden die Unternehmen vergeblich nach qualifizierten Arbeitnehmern suchen, da junge Leute, die benötigten Fähigkeiten nicht besäßen, sagte Spicar. Die Vermittlung von unternehmerischen Kompetenzen und die Gewinnung von mehr Studenten für die Naturwissenschaften sollte auch eine höhere Priorität erhalten, argumentierte er.

Ann Mettlerdie Vorsitzende des Lisbon Council, eines Brüsseler Think-Tanks, lobte das Europäische Jahr als fabelhafte Idee, die das Potential habe, Diskussionen auszulösen und die sogar neue Institutionen erschaffen könnte, die dem prestigeträchtigen Europäischen Institut für Technologie (EIT) gleichen könnten.

Zeitstrahl

  • 4. Dezember 2006: Die EU-Minister verabschieden eine umfassende Innovationsstrategie
  • 31. März 2008: Die Europäische Kommission schlägt vor, das Jahr 2009 zum Europäischen Jahr der Kreativität und Innovation (EYCI) zu erklären
  • 16. Dezember 2008: Das Europaparlament und der Rat bewilligen das EYCI
  • 7. Januar 2009: Offizieller Beginn des Europäischen Jahres für Innovation und Kreativität (EYCI)
  • 2. und 3. März 2009: In Brüssel findet die erste Mottoveranstaltung zum EYCI statt, mit dem Themenschwerpunkt auf Bildung und Ausbildung statt
  • 25. März bis 9. Mai 2009: „Europäischer Frühling 2009“
  • 26. und 27. März 2009: zweite Mottoveranstaltung des EYCI, das „Forum für ein kreatives Europa“ („Forum for Creative Europe“) in Prag
  • Mai 2009: AmCham EU-Konferenz zu Kreativität, Innovation und Wirtschaft
  • 24. bis 26. Juni 2009: dritte Mottoveranstaltung, mit dem Themenschwerpunkt „Die territoriale Dimension von Kreativität und Innovation“
  • September 2009: vierte Mottoveranstaltung: Europäisches Kultur-Forum in Brüssel
  • Oktober 2009: fünfte Mottoveranstaltung: „Kreativität am Arbeitsplatz: Das Wissens-Dreieck“ in Brüssel
  • Dezember 2009: EYCI-Abschlussveranstaltung in Stockholm

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