Aktionsplan für Biomasse [DE]

Bioenergien werden aus Rohstoffen wie Holz, Abfall oder Pflanzen gewonnen. Derzeit wird 4 % des Energiebedarfs aus Biomasse gedeckt. Der im Dezember 2005 vorgestellte EU-Aktionsplan für Biomasse soll ihren Anteil bis 2010 verdoppeln. Sollte dieses Ziel verwirklicht werden, könnten die Ölimporte um 8 % reduziert, 209 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent an Treibhausgasemissionen pro Jahr eingespart und 300.000 neue Arbeitsplätze im Agrar- und Forstwirtschaftsbereich entstehen.

Die Kommission erhofft sich von einer Verdoppelung der Biomasse-Energie die folgenden Vorteile

  • Der Anteil fossiler Kraftstoffe im Energiemix in der EU würde von 80 % auf 75 % fallen und 8 % weniger Rohöl müsste eingeführt werden. Dies würde sich auch positiv auf die Ölpreise auswirken. 
  • Weniger Treibhausgasemissionen (209 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr)
  • Schaffung von zwischen 250.000 und 300.000 Arbeitsplätzen in Land- und Forstwirtschaft 

Drei Mitgliedstaaten (die NiederlandeDeutschland  und Großbritannien) haben bereits eigene Biomasse-Aktionspläne ausgearbeitet oder sind derzeit dabei.

Der Aktionsplan umreißt 31 Maßnahmen zur Förderung des Einsatzes von Biomasse in Heiz- und Kühlanlagen, bei der Stromerzeugung und im Verkehr (Biokraftstoffe).  

Die wichtigsten Vorhaben sind die folgenden:

  • Neue EU-Gesetzesvorschriften zur Nutzung erneuerbarer Energien, einschließlich Biomasse für Heiz- und Kühlanlagen (2006)
  • Eine mögliche Revision der Biokraftstoff-Richtlinie (2006), bei der nationale Zielvorgaben für den Anteil von Biokraftstoffen eingeführt werden könnten und Kraftstofflieferanten verpflichtet werden würden, Biokraftstoffe einzusetzen
  • Ausarbeitung nationaler Biomasse-Aktionspläne
  • Entwicklung einer von der Industrie angeführten „Biokraftstoff-Technologieplattform“
  • Forschung im Bereich von Biokraftstoffen zweiter Generation zur Entwicklung neuartiger Fahrzeugmotoren (Btl-Kraftstoff, "Biomass to Liquid", deutsch: Biomasse zu Flüssigkeit) 

Die direkten Kosten würden nach Schätzungen der Kommission um die 9 Milliarden Euro pro Jahr betragen. Dem Bericht zufolge entspräche dies einem Anstieg von etwa 1,5 Cent pro Liter Benzin und 0,1 Cent pro Kilowattstunde Strom. 

Die Nutzung von Biomasseenergie birgt verschiedene Herausforderungen:

Wirtschaftliche Aspekte:

  • Aus Biomasse gewonnene Energie ist derzeit noch immer teurer als fossile Kraftstoffe, selbst bei Ölpreisen von 70 US-Dollar pro Barrel. Um den Energieoutput und die Effizienz von Biomasse-Technologien zu erhöhen, muss mehr Forschung und Entwicklung betrieben werden. 
  • Wie aus dem Bericht hervorgeht, gibt es unter wichtigen Energie- und Kraftstofflieferanten sowie Auto- und Heizkesselherstellern Widerstand gegen Biomasse.  
  • Der Anbau von mehr Getreide auf landwirtschaftlichen Flächen, auf der derzeit Nahrungsmittel angebaut werden, könnte laut einiger Gegner die Unterernährung und den Lebensmittelmangel in der Welt verschlimmern.

Ökologische Aspekte:

  • Obgleich wissenschaftliche Studien darauf hindeuten, dass die Nutzung von Biomasse kohlendioxidneutral ist, sind einige Wissenschaftler anderer Meinung. Einige Studien zeigen sogar, dass die Umstellung natürlicher Ökosysteme auf Energieplantagen aufgrund eines beschleunigten Zerfalls organischer Masse zu einem höheren CO2-Ausstoß führen könnte.
  • Die Folgen von Bioenergieerzeugung in großem Maßstab könnte sich negativ auf Biovielfalt, Bodenqualität, Wassernutzung und –versorgung auswirken.
  • Der weit verbreitete Anbau von Energiepflanzen könnte zur weiteren Rodung tropischer Regenwäldern in Ländern wie Brasilien führen.   

Akzeptanz: 

  • Bei Verbrauchern könnten die neuen Technologien auf Skepsis stoßen, insbesondere wenn mit ihnen Mehrkosten verbunden sind.

Die EU-Landwirtschaftsminister haben die Strategie für Biokraftstoff begrüßt, gleichzeitig aber auch Bedenken bezüglich des Anbaus und der Herstellung geäußert. Einige Regierungen wollen die Einfuhren von Biokraftstoffen (insbesondere Ethanol) aus Ländern wie Brasilien begrenzen und die Produktion von Biokraftstoffen innerhalb der EU anregen (insbesondere von Biodiesel, einem Bereich, in dem die EU bereits weltweit führend ist).

Bei einem Treffen am 8. Juni 2006 forderten die europäischen Energieminister, dass sich die europäische Strategie zur Biomasse und zu Biotreibstoffen stärker auf Forschung und Entwicklung (Biokraftstoffe der zweiten Generation, Bio-Raffinerien, effiziente Erhitzertechnologien usw.) sowie auf das reibungslose Funktionieren der Märkte auf europäischer und globaler Ebene konzentrieren sollte. Gleichzeitig bestanden die Energieminister darauf, den Mitgliedstaaten die Wahl des politischen Ansatzes und der Sektoren zu überlassen, in denen Biomasse eingesetzt werden soll: Heizung, Kühlung, Biokraftstoffe, Elektrizitätserzeugung. Die Minister forderten zudem die Kommission auf:

  • Die Abfallvorschriften zu überprüfen, um die Nutzung von Biomasse und sauberen Müll als Treibstoff weiter zu fördern
  • Die Gesetzgebung zu tierischen Nebenprodukten zu überprüfen, um die Nutzung von Nebenprodukten aus der Landwirtschaft und der Lebensmittelverarbeitung als erneuerbare Energiequellen zu fördern.

Ebenfalls am 8. Juni 2006 setzte die Kommission die Biofuels Technology Platform ein, die dazu beitragen soll, die Forschung zu Biotreibstoffen und Biomasse und Entwicklungspolitik zu koordinieren. Ein Ergebnis der industriegeführten Plattform soll es sein, eine europäische Strategie für die Herstellung von Biokraftstoffen zu entwickeln, die mit aktuellen Infrastrukturen, insbesondere dem Verkehrswesen, kompatibel ist. Zudem wurde ein Positionspapier "Biokraftstoffe in der Europäischen Union. Eine Vision für das Jahr 2030 und danach" zur Eröffnung der Konferenz vorgestellt, das die Grundlage für eine künftige Strategie bilden wird.

Die Ölindustrie, vertreten durch den Verband der Europäischen Petroliumindustrie (EUROPIA), sagte, sie erkenne die sich durch Biomasse bietenden Vorteile an, wie die geringere Importabhängigkeit und geringere CO2-Ausstösse. EUROPIA warnte aber vor steigenden Lebensmittel- und Energiepreisen, die aus den Förderpolitiken für Biokraftstoffe resultieren würden. Die heutigen Kosten für Biokraftstoffe seien um ein vielfaches höher als die Preise für herkömmliche Kraftstoffe, die ersetzt werden sollen. Demnach würde die Einführung von Biokraftstoffen zu höheren Energie- und Lebensmittelpreisen führen, so EUROPIA. Zudem sei die EU nicht in der Lage, genug Biokraftstoffe herzustellen, um die 2010-Ziele zu erreichen. Alle weiteren Ambitionen würden einen unbegrenzten Zugang zu Importen erfordern, warnte EUROPIA. 

Für EUROPIA ist die Herstellung von Wärme und Energie der Bereich, in dem der Einsatz von Biomasse die besten Aussichten habe. Jede Reform des Aktionsplans für Biomasse sollte diese Bereiche mit Vorrang behandeln, so der Verband.

Josef Auer, Analyst von Deutsche Bank Research, bezeichnet Bioenergien als „Allrounder“ unter den erneuerbaren Energieträgern, da sie zur Strom- und Hitzeerzeugung und auch zur Kraftstoffherstellung verwendet werden können. Die Aussichten der Bioenergien auf dem Heizanlagenmarkt seien besonders viel versprechend. In Deutschland mache ihr Anteil an der Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien bereits 90 % aus.

Die Umweltorganisationen WWF, Greenpeace, BirdLife und das Europäische Umweltbüro (EUB) fordern die Kommission auf, sicherzustellen, dass der Biomasse-Aktionsplan "angemessene ökologische und soziale Sicherheitsvorkehrungen beinhaltet". "Sofern sie auf nachhaltige Weise gehandhabt wird, kann Bioenergie uns dabei helfen, Treibhausgasemissionen zu reduzieren und degenerierte Böden wieder gesund zu machen", hat Ariel Brunner, Policy Officer für Landwirtschaft erklärt. "Eine schlecht gehandhabte Produktion jedoch wird kaum dazu beitragen, die Emissionen zu reduzieren, und kann verheerende Auswirkungen auf die Umwelt haben".

  • 8. Juni 2006: Rat nimmt Schlussfolgerungen zu Biomasse an.
  • Das Parlament hat am 14. Dezember 2006 einen Bericht des deutschen Abgeordeneten Werner Langen (EVP-DE) angenommen.
  • 1. Januar 2007: Die 2004 der EU beigetretenen Staaten werden in das "Energiegetreidesystem" aufgenommen, durch das Landwirte 45 Euro pro Hektar Land erhalten, auf dem Energiepflanzen angebaut werden.
  • 10. Januar 2007: Die Kommission legt ihr "
    Energie- und Klimawandelpaket
    " vor (
    EURACTIV vom 10. Januar 2007)
    .
  • 9. März 2007: Der EU-Gipfel bestätigt die Schlüsselelemente des Paket, einschließlich 
    • 20% erneuerbarer Energien als Zielvorgabe bis 2020: 
    • 10% Biokraftstoffe als Zielvorgabe bis 2020

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