Das waren praktisch die ersten westeuropäischen Streitkräfte: Auf der koreanischen Halbinsel kämpften vor sechs Jahrzehnten nicht nur die USA an der Seite Südkoreas, sondern auch Zehntausende westeuropäische Soldaten. Die politische Bedeutung dieser Beteiligung ist in Vergessenheit geraten.
Als vor 60 Jahren, am 27. Juli 1953, im innerkoreanischen Grenzdorf Panmunjom der Waffenstilstand zwischen den USA und Nordkorea unterzeichnet wurde, entstand allgemein der Eindruck, dass auf westlicher Seite allein die Soldaten der Vereinigten Staaten standen. Dieser Eindruck war aber falsch. In Wahrheit könnte man eher von den ersten westeuropäischen Truppenverbänden sprechen. Auch wenn diese Formulierung nicht völlig zutrifft, unbestrittene Tatsache ist jedenfalls, dass damals auch Militärkontingente aus etlichen Ländern Europas dort kämpften.
Als am 25. Juni 1950 nordkoreanische Armeen den 38. Breitengrad überschritten und in den Südteil des Landes eindrangen, empfahl der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zwei Tage später seinen Mitgliedern, die angegriffenen Südkoreaner militärisch zu unterstützen, um den Kriegsüberfall abzuwehren und den Frieden auf der Halbinsel wieder herzustellen.
Anfang Juli desselben Jahres empfahl der Sicherheitsrat, die von den Mitgliedern der Vereinten Nationen zur Verfügung gestellten Streitkräfte einem Vereinten Oberkommando zu unterstellen. Entsprechend der Aufforderung des Sicherheitsrates ernannte US-Präsident Harry S. Truman den amerikanischen Leiter in Fernost, General Douglas MacArthur, zu dessen Oberbefehlshaber.
Sogar Luxemburg war dabei
Neben den Vereinigten Staaten mit ihren 208.000 und Großbritannien mit 11.000 Soldaten leisteten 16 weitere Mitgliedsstaaten ihren Beitrag, insbesondere Belgien, Frankreich, die Niederlande, Norwegen und Schweden sowie ebenfalls Griechenland und die Türkei – aber auch Australien und mehrere asiatische Länder.
Fünf weitere Staaten stellten Sanitätseinheiten. Die Bundesrepublik Deutschland, die damals noch kein Mitglied der Vereinten Nationen war (erst fünf Jahre zuvor hatte Hitler-Deutschland kapituliert), schickte ein Lazarettschiff.
Die Zahl der UNO-Freiwilligen – außerhalb der USA – belief sich auf 46.761 Soldaten; selbst das kleine Luxemburg war mit 83 Uniformierten vertreten.
Auch wenn diese Beiträge rein zahlenmäßig als bescheiden gewertet werden müssen, war ihre politische Bedeutung nicht zu unterschätzen: Erst sie machten mit ihrem Einsatz die Verteidigung Südkoreas wirklich zu einer Aktion der Vereinten Nationen.
Gefallen, verletzt, vermisst
Sie kämpften Schulter an Schulter mit den Südkoreanern und den Amerikanern und erlitten mit rund 14.000 Soldaten ebenfalls hohe Verluste. Auf dem – noch heute äußerst gepflegten – UNO-Friedhof in der südkoreanischen Hafenstadt Pusan hat man sie beigesetzt. Verwundet wurden, die Opfer aller westlichen Streitkräfte zusammengenommen, 40.676 Personen. Vermisst werden bis heute weitere 4.116, die meisten aus Amerika. Wie viele von ihnen noch jetzt am Leben sind, ist unbekannt. Doch auch ihrer sollte am 27. Juli gedacht werden.
Friedrich-Wilhelm Schlomann (Bonn)

