US-Beteiligung gibt EU-Mission im Kosovo neuen Anstoß [DE]

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EULEX, die Rechtsstaatlichkeitsmission der EU im Kosovo, scheint endlich auf dem richtigen Weg zu sein, nachdem die USA die historische Entscheidung getroffen haben, sich einer Europäischen Sicherheits- und Verteidigungsmission anzuschließen und nachdem sowohl Serbien als auch die westlichen Alliierten Zugeständnisse gemacht haben.

Javier Solana, Hoher Vertreter für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU, erklärte gestern (27. Oktober 2008) in Brüssel, er erwarte, dass die EU-Mission im Kosovo, die bis vor kurzem von Serbien abgelehnt worden sei, im Dezember 2008 zu ihrem vollen Einsatz komme.

Solana meinte, er unterstütze die fortlaufenden Verhandlungen zwischen Serbien und den Vereinten Nationen über die „Umgestaltung” der UNMIK anstelle einer „Ablösung” durch eine gänzlich EU-geführte Mission namens EULEX. 

Die Änderung des Vokabulars bestätige, dass in der UNO ein Kompromiss bezüglich einer Zustimmung zur EU-Mission in Kosovo nah sei, sagten Diplomaten zu EURACTIV.
Zusätzlich zu diesen Entwicklungen beschlossen die USA kürzlich, sich der EULEX-Mission anzuschließen. Der Abteilungsleiter für europäische und eurasische Angelegenheiten Dan Fried unterzeichnete am 22. Oktober 2008 in Brüssel gemeinsam mit Solana ein Abkommen, das es den USA erlaubt, an der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungsmission der EU im Kosovo teilzunehmen.

Das ist das erste Mal, dass US-Amerikaner sich an einer solchen EU-Mission beteiligen.

Die Beteiligung der USA schaffe einen Präzedenzfall für eine zukünftige Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union, erklärte Fried nach der Unterzeichnung in Brüssel. Er gab an, die Vereinigten Staaten würden 80 Polizeibeamte und bis zu acht Richter und Staatsanwälte für die EU-geführte Mission bereitstellen.

Kosovo-Mission kann Serbiens Chancen auf EU-Beitritt erhöhen

Wird das Abkommen über den Einsatz der Mission bestätigt, kommt dies wahrscheinlich auch Serbiens Antrag auf EU-Mitliedschaft zu Gute. Die westlichen Nationen haben zugestimmt, dass die Mission mit dem Segen des UN-Sicherheitsrates durchgeführt werden soll und dass sie „neutral“ bleibt, also der die Abspaltung des Kosovo von Serbien nicht offiziell anerkannt wird. Außerdem soll der Ahtisaari-Plan der Vereinten Nationen nicht umgesetzt werden.

Der frühere UN-Sondergesandte für den Kosovo Martti Ahtisaari, mittlerweile mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, schlug die Unabhängigkeit des Kosovo unter internationaler Aufsicht vor. Sein Plan wurde jedoch von Serbien abgelehnt.

Dem Kompromiss zufolge soll Serbien die EU-Mission EULEX nicht daran hindern, ihre Befugnisse im ganzen Hoheitsgebiet des Kosovo, darunter auch der überwiegend von Serben bewohnte Norden, auszuüben, meinen Quellen.

Moskau verärgert

Einige Äußerungen Frieds in Brüssel verärgerten jedoch Moskau. In seinen Anmerkungen, die auf der Webseite der US-Vertretung bei der EU veröffentlicht wurden, erwähnt Fried eine Unabhängigkeit unter internationaler Aufsicht des neuen Staates Kosovo.

Belgrad, Moskau und einige EU-Staaten betrachteten die Äußerungen als Verstoß gegen den neutralen Status von EULEX, erklärten Diplomaten. Diese Länder weigern sich, die Unabhängigkeit des Kosovo anzuerkennen. 

Offiziell hatte die EU gesagt, dass die Entsendung der EULEX keine Voraussetzung für Serbiens EU-Beitritt sei. Gleichzeitig warnten EU-Diplomaten Belgrad, dass das Land nicht den EU-Beitritt anstreben und gleichzeitig die EU-Mission im Kosovo ablehnen könne. 

Der ehemalige serbische Premierminister Vojislav Koštunica reagierte verärgert auf Presseberichte, denen zufolge die neue serbische Regierung EULEX anerkennen werde. Er warnte, dass das neue Kabinett unter Führung von Mirko Cvetkovi? plane, die Entscheidung „hinter dem Rücken“ des serbischen Parlaments zu treffen. 

Im Februar 2008 beschloss die EU, eine Rechtsstaatlichkeitsmission bestehend aus bis zu 2 200 Richtern, Staatsanwälten, Finanzexperten, Polizisten und Zöllnern in den Kosovo zu entsenden, die den Namen ‚EULEX Kosovo’ erhielt.

Der Einsatz begann einen Monat später und sollte zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der neuen kosovarischen Verfassung am 15. Juni 2008 abgeschlossen sein. Doch Serbien stellte sich strikt gegen die EULEX-Mission und war nur bereit, mit der UNMIK zu verhandeln, der Mission der Vereinten Nationen, die die territoriale Integrität Serbiens anerkennt. Der EULEX-Einsatz traf daher auf Hindernisse und konnte nur zurückhaltend tätig werden.

Ursprünglich sollte EULEX von der zivilen Mission der Vereinten Nationen UNMIK, die in der serbischen Provinz eingerichtet wurde, nachdem der UN-Sicherheitsrat im Juni 1999 die Resolution 1244 verabschiedete, übernehmen. Infolge des starken Widerstands von Seiten Serbiens begann man in der EU allerdings von ‚Umgestaltung’ der UNMIK statt von einer ‚Auswechselung’ der UN-Mission durch die EU zu sprechen.

Die Internetseite der EULEX Kosovo distanzierte sich von einem früheren Beschluss des Rats; dort ist nun zu lesen, dass die EU-Mission die UNMIK nicht ersetzen, sondern vielmehr unterstützen und die Behörden vor Ort beraten solle.

An der EULEX sind derzeit 500 internationale und 200 einheimische zivile Mitarbeiter vor Ort beteiligt. Das gesamte Kontingent der EULEX umfasst jedoch 1 900 internationale und 1 100 einheimische Mitarbeiter.

Die Initiative zur EULEX ist stark politisch motiviert und die EU ist entschlossen, die Führung nach der Krise in dem Land auf dem europäischen Kontinent zu übernehmen. 1999 war dies der Union nicht gelungen und so musste sie sich an die NATO wenden, um die ethnischen Säuberungen und extreme Gewalt unter der Herrschaft von Slobodan Milosevic beenden zu können.

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