Die EU-Regierungschefs werden am 1. September in Brüssel zu einem außerordentlichen Gipfel zusammenkommen, um über ihre Beziehungen zu Moskau zu sprechen. Die Krise in Georgien hatte Spannungen zwischen Ost und West wiederaufleben lassen, die an die Zeit des Kalten Krieges zurückdenken ließen.
In einer Erklärung am Sonntag (24. August) sagte der französische Präsident und derzeitige EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy, bei dem Treffen werde man sich darauf konzentrieren, Absprachen zu finden, wie die Europäische Union bei der Unterstützung Georgiens und in den zukünftigen Beziehungen mit Russland vorgehen soll.
Das Treffen sei auf Wunsch mehrerer EU-Mitgliedsstaaten einberufen worden, so Sarkozy weiter in der Erklärung.
Besonders Polen und die baltischen Staaten hatten Kritik laut werden lassen, als Russland am 7. und 8. August in Teile Georgiens einmarschierte. Russland hatte damit auf eine Offensive des georgischen Militärs gegen Südossetien reagiert, eine separatistische Provinz an der Grenze zu Russland mit engen Beziehungen zu Moskau.
Der European Council on Foreign Relations (Europäischer Rat für Auswärtige Beziehungen), eine britische Expertenkommission, meint, dass die EU eine führende Rolle im Georgien-Konflikt übernehmen solle, da die USA auf Grund ihrer Verpflichtungen im Irak und in Afghanistan nur begrenzt in der Lage seien, vor Ort zu handeln.
Allerdings warnen die Experten, dass kurzzeitige Sanktionen und Strafmaßnahmen gegenüber Russland kontraproduktiv seien. Man solle daher das von Sarkozy im Namen der EU ausgehandelte Sechs-Punkte-Friedensabkommen durch eine umfassende Regional-Strategie für Ost-Europa und den südlichen Kaukasus ergänzen.
Da die EU als Hauptschlichter zwischen Moskau und Tiflis hervorgetreten sei, hätten sich für die europäischen Regierungschefs neue Möglichkeiten ergeben, die Ereignisse zu beeinflussen, schrieb der ECFR in einem heute (25. August) veröffentlichten Grundlagenpapier. Wenn die EU diese Möglichkeit ergreife, könne sie „Frieden herbeiführen“ – nicht durch den Versuch, den alten und instabilen Status Quo in Georgien wiederherzustellen oder Russland zu bestrafen, sondern durch eine Umgestaltung ihres Engagements im gesamten post-sowjetischen Raum.
Bundeskanzlerin Angela Merkel scheint diese Ansicht zu unterstützen. In einem Telefongespräch mit dem französischen Präsidenten schlug sie vor, die EU solle eine Regional-Konferenz einberaumen, um den Wiederaufbau Georgiens und weitergreifende Sicherheitsfragen für die Region zu besprechen. Russland solle Merkel zufolge allerdings nicht an der Konferenz teilnehmen. Ihre Meinungen wird Merkel in einem Artikel darlegen, der am Montag vom Magazin Der Spiegel veröffentlicht werden soll.
Während ihres Besuchs in Tiflis am 17. August, hatte die Bundeskanzlerin sich positiv zu einer NATO-Mitgliedschaft Georgiens geäußert und war damit von einer zuvor eher verhaltenen Position bezüglich einer Mitgliedschaft des Landes in der nordatlantischen Verteidigungsallianz abgewichen.
Unterdessen hat das russische Oberhaus einstimmig die Unabhängigkeit der beiden georgischen Separatisten-Provinzen Abchasien und Südossetien befürwortet. Das Abstimmungsergebnis hat für den Kreml keine bindende Wirkung, könnte aber dem Präsidenten Dimitri Medwedew bei den Verhandlungsgesprächen mit dem Westen als Druckmittel dienen, sagen Analysten. Südossetien und Abchasien sind seit ihrer Abspaltung Anfang der 90er Jahre de facto unabhängig von Georgien. Die Unabhängigkeit der beiden Regionen wurde allerdings bis heute noch von keinem Land anerkannt, nicht einmal von Russland, das die Regionen offen unterstützt.
US-Regierungskreise warnten, die Georgien-Krise könne die Mitgliedschaft Russlands in internationalen Organisationen wie die G8 beeinträchtigen und seine Bestrebungen, der World Trade Organisation (WTO) beizutreten, behindern.

