NSA soll auch UN-Zentrale ausspioniert haben

Der NSA soll es im Sommer 2012 gelungen sein, in die interne Videokonferenzanlage der UN einzudringen und die Verschlüsselung zu knacken. Foto: dpa

Die internationalen Spähaktionen des US-Geheimdienstes NSA reichen einem Medienbericht zufolge deutlich weiter als bislang bekannt.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete unter Berufung auf interne Dokumente auch von Abhörattacken auf die Zentrale der Vereinten Nationen (UN) in New York sowie von geheimen Lauschposten in mehrere Dutzend US-Vertretungen in anderen Ländern. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte am Sonntag, seinem Hause lägen dazu keine eigenen Erkenntnisse vor.

Laut Magazin gelang es der NSA im Sommer 2012, in die interne Videokonferenzanlage der UN einzudringen und die Verschlüsselung zu knacken. Der Datenverkehr liefere den Geheimdienstlern die internen Video-Telekonferenzen der UN. Diese Spionageaktivität sei illegal, denn in einem Abkommen mit den UN hätten sich die USA verpflichtet, keine verdeckten Aktionen zu unternehmen.

Ferner betreibt die NSA dem Bericht zufolge in mehr als 80 Botschaften und Konsulaten weltweit ein eigenes Abhörprogramm, das intern "Special Collection Service" genannt und oft ohne Wissen des Gastlandes betrieben werde. Auch in Frankfurt und Wien gebe es entsprechende Lauschposten. Die Existenz dieser Posten sei unter allen Umständen geheim zu halten, zitiert das Magazin aus den Dokumenten. Ansonsten könnten die Beziehungen zu den Gastländern schwer beschädigt werden.

"Die USA haben gegen das elfte Gebot unseres Gewerbes verstoßen", wird ein hochrangiger Geheimdienstmann in Amerika zitiert: "Du sollst dich nicht erwischen lasen." Das Magazin hatte bereits früher berichtet, dass die Vereinigten Staaten Einrichtungen der EU in Brüssel, Washington und New York gezielt ausgespäht hätten. Demnach verwanzte die NSA Gebäude und drang in Computer-Netzwerke ein. Der "Spiegel" stützt sich auf Unterlagen des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. Als Konsequenz aus der NSA-Affäre verhandeln Deutschland und die USA über einen Anti-Spionage-Abkommen.

In Großbritannien arbeitet die Zeitung "Guardian" an der Auswertung von Snowdens Material, zu dem auch Dokumente des britischen Geheimdienstes GCHQ gehören sollen. Nachdem der "Guardian" nach eigener Auskunft von der britischen Regierung zur Vernichtung von Snowden-Unterlagen gezwungen wurde, sucht er journalistische Unterstützung in den USA. Das Blatt kooperiert in seiner Enthüllungsberichterstattung künftig mit der "New York Times".

Für Wirbel sorgte in Großbritannien auch das stundenlange Verhör des Brasilianers David Miranda. Er ist der Partner des "Guardian"-Journalisten Glenn Greenwald, der das Snowden-Material veröffentlicht hatte. Vizeregierungschef Nick Clegg von den Liberalen fordert nun Aufklärung über den Fall. Es müsse von unabhängiger Seite geprüft werden, ob das Verhör in Einklang mit den Anti-Terror-Gesetzen stehe, verlangte Clegg in einem Beitrag für den "Guardian". Die konservative Innenministerin Theresa May hatte das Vorgehen der Polizei vergangene Woche verteidigt.

EURACTIV/rtr

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EURACTIV Brüssel: German press says US bugged UN, EU teleconferences (26. August 2013)

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