Während der hochrangigen Gesprächen zwischen der EU und Russland in Mafra, Portugal, am 26. Oktober 2007 ist es nicht gelungen, einen Forschritt über die umstrittensten Fragen der Beziehung der beiden Blöcke zu erzielen. Zu diesen zählen Russlands Entrüstung über die Energieliberalisierungspläne der EU und eine politische Auseinandersetzung über Russlands Importverbot für Fleisch aus Polen. Letzteres behindert den Abschluss eines neuen Partnerschafts- und Kooperationsabkommens.
Obwohl der portugiesische Premierminister, José Socrates, dessen Land zur Zeit die EU-Ratpräsidentschaft inne hat, ankündigte, dass der Gipfel zu ‚einigen bedeutenden’ Fortschritten geführt habe, gab es wenig konkrete Erfolge.
Die beiden wichtigsten Durchbrüche waren die Unterzeichnung von Abkommen über die Steigerung von Stahlimporten aus Russland in die EU und die Festlegung einer engeren Zusammenarbeit in Bezug auf den Drogenhandel.
Abgesehen davon einigten sich die beiden Seiten auf ein neues ‚Frühwarnsystem’, das durch einen verbesserten Informationsaustausch mögliche Energieversorgungskrisen abwenden soll.
Die wichtigsten Streitpunkte über die vorgeschlagene EU-Gesetzgebung für Gas- und Energiemärkte, die von Moskau aufgrund von Forderungen nach Gegenseitigkeit für europäische Energiekonzerne in Russland und einer Verpflichtung ausländischer Unternehmen, ihre Produktions- und Übertragungsaktivitäten in Europa zu ‚entflechten’, kritisiert worden waren, blieben ungelöst.
Darum bemüht, die Kritik an Russlands Menschenrechtssituation zurückzuweisen, schlug Wladimir Putin die Schaffung einer Einrichtung in der EU vor, in der Menschenrechte und Demokratie diskutiert und gefördert werden sollen. Der scheidende Präsident verneinte, dass es nicht dessen Ziel sei, Angriffe von Menschenrechtsorganisationen abzuwehren, die Russland weiterhin kritisierten.
Putin sagte gegenüber Journalisten während des Gipfels, mithilfe von Zuschüssen trage die EU dazu bei, solche Institute in Russland aufzubauen. Er denke, so Putin weiter, es sei für Russland die Zeit gekommen, ebenfalls seinen Beitrag in diesem Bereich zu leisten.
Die EU betonte ebenfalls ihre fortwährende Unterstützung Moskaus bei dessen Bemühungen, Mitglied der Welthandelsorganisation zu werden. Die größten Hindernisse, die die EU davon abhalten, ihre endgültige Zustimmung zu erteilen, fanden jedoch keine Erwähnung: Hierzu zählen die Gebühren, die Russland Fluggesellschaften der EU auferlegt hatte, die über Sibirien fliegen wollen sowie eine politische Auseinandersetzung über Importe von polnischem Fleisch nach Russland. Letzteres behindert sowohl den Beitritt Russlands zur WTO als auch die Verhandlungen über ein neues bilaterales Partnerschafts- und Kooperationsabkommen. Das derzeitige Partnerschafts- und Kooperationsabkommen wird im Dezember 2007 auslaufen.
Kommissionspräsident José Manuel Barroso brachte seine Zuversicht zum Ausdruck, dass die restlichen Fragen in der nahen Zukunft geklärt werden könnten. Er räumte ein, dass einige Differenzen bestehen blieben. Aber es sei zu spüren gewesen, dass man diese überwinden wolle. Es sei ein pragmatischer Gipfel gewesen.
Der Gipfel schien einem gegenseitigen Wunsch gerecht zu werden, etwas Normalität in die europäisch-russischen Beziehungen zu bringen. Diese waren durch eine Reihe von politischen und ökonomischen Spannungen strapaziert worden, beispielsweise in Hinblick auf internationale Fragen. Zu letzteren zählen der zukünftige Status des Kosovo, der Friedensprozess im Nahen Osten und Irans Atomprogramm.
Der Gipfel hob weiterhin Russlands zunehmend angespannte Beziehungen zu den Vereinigten Staaten hervor. Präsident Putin hatte die US-Pläne, ein Raketenabwehrschild in den EU-Mitgliedstaaten Polen und der Tschechischen Republik zu errichten, mit der Kubakrise von 1962 verglichen. Diese wurde weithin als die Krise betrachtet, während der die Welt einem Atomkrieg am nahesten gekommen war.

