Die EU und andere internationale Geldgeber haben gestern (22. Oktober 2008) zugesagt, 3,5 Millionen Euro für den Wiederaufbau des krisengeschüttelten Georgiens und die Unterstützung seiner angeschlagenen Wirtschaft bereitzustellen, wenn das Land demokratische Reformen durchführt. Gleichzeitig kündigte die Europäische Kommission an, dass die Friedensgespräche zwischen Georgien und Russland am 18. November 2008 in Genf wieder aufgenommen würden.
3,7 Milliarden US-Dollar stammen aus öffentlichen Quellen und 850 Millionen US-Dollar von privaten Geldgebern. Die EU wird mit 863 Millionen Euro (1,1 Milliarde US-Dollar) bis 2011 den größten Anteil bereitstellen, gefolgt von den USA (1 Milliarde US-Dollar) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) (fast 1 Milliarde US-Dollar). Japan hat 200 Millionen US-Dollar versprochen.
Die europäische Zusage umfasst Finanzmittel der Kommission, aller 27 Mitgliedstaaten sowie der Europäischen Investitionsbank. Die EU-Kommission wird nahezu zwei Drittel der gesamten europäischen Hilfe bereitstellen (500 Millionen Euro). Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, dass man eine moralische Verpflichtung habe, einem in Not geratenen Nachbarstaat zur Hilfe zu eilen.
Der EU-Kommissarin für Außenbeziehungen Benita Ferrero-Waldner zufolge verfolge man mit der Finanzhilfe drei wichtige Ziele: den Wiederaufbau strategisch wichtiger Infrastrukturen wie Energieinfrastrukturen, die Anregung zu Investitionen und die Bereitstellung von Lebensmitteln und Unterkünften für die in Not geratenen Menschen.
Die Weltbank hat die insgesamt benötigte Geldsumme für die Zeit bis Ende 2010 auf 2,3 Milliarden Euro geschätzt, wobei die Gesamtkosten der Kriegsschäden etwa 1 Milliarde Euro ausmachen. Diese Zahlen stammen allerdings aus der Zeit vor der aktuellen Finanzkrise und der drohenden weltweiten Rezession.
Die Führer der georgischen Opposition haben der Konferenz einen offenen Brief zukommen lassen, in dem sie die Geldgeber auffordern, die Verwendung der Finanzmittel genau zu kontrollieren. Ferrero-Waldner stellte klar, dass die Finanzmittel nur für den Wiederaufbau und die Bereitstellung von Hilfe genutzt werden dürfe und nicht, um die Regierung von Präsident Micheil Saakaschwili zu stärken. Diesen hatten die georgischen Oppositionsführer beschuldigt, den russischen Militäreinsatz im August provoziert zu haben.
Alle Teilnehmer bestätigen außerdem erneut ihre ausdrückliche Unterstützung für Georgiens territoriale Integrität und rechtfertigten ihre Entscheidung, Russland nicht einzuladen, damit, dass diese Konferenz dafür ausgerichtet worden sei, Solidarität mit Georgien zu zeigen.
Die EU versprach außerdem, ihre Beziehungen zu Georgien in naher Zukunft zu erweitern, gab allerdings keine konkreten Versprechen ab.

