Auf ihrem außerordentlichen Gipfel haben die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union beschlossen, die Gespräche über ein weit reichendes Partnerschafts- und Kooperationsabkommen mit Moskau auszusetzen. Sie reagierten damit auf Russlands „inakzeptablen“ Einfall in Georgien. Diskussionen über weitere mögliche Schritte wurden zunächst verschoben.
Die Aufnahme der Gespräche, die von der Europäischen Kommission als Vertreterin der EU geleitet werden sollten, war für den 16. September vorgesehen. Ziel war die Aushandlung eines neuen Abkommens, welches das seit 1997 bestehende Partnerschafts- und Kooperationsabkommen (PKA) ablösen sollte. Das PKA enthält Bestimmungen für die Handels- und weiteren Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Moskau.
Bis zum vollständigen Rückzug der russischen Truppen auf ihre Vorkriegspositionen vom 7. August würden die Verhandlungen über das Partnerschaftsabkommen ausgesetzt, gaben die Staats- und Regierungschefs der EU in ihrer abschließenden Erklärung zum Gipfeltreffen bekannt.
Die EU zeigte sich bemüht um ein geschlossenes Auftreten anlässlich des Krisengipfels, den der französische Präsident und derzeitige EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy einberufen hatte, um die Situation in Georgien und die Beziehungen zu Moskau zu besprechen.
Nach dem Gipfel erklärte Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Montag (1. September 2008), in Anbetracht der Geschehnisse sei klar, dass man „nicht so weiter machen“ könne „wie bisher“.
In ihrer abschließenden Erklärung verurteilten die Staats- und Regierungschefs der EU Russlands unilaterale Anerkennung Abchasiens und Südossetiens scharf und bezeichneten diesen Schritt als „inakzeptabel“.
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy schlug einen ernsten Ton an und erklärte, das Vorgehen Russlands in den letzten Wochen – seine unangemessene Reaktion und die Anerkennung der beiden abtrünnigen Regionen – habe in Europa und darüber hinaus Anlass zu tiefster Besorgnis gegeben.
Sarkozy warnte außerdem, die EU könne weitere Schritte unternehmen, sollte Russland seinen Verpflichtungen aus dem von Frankreich im August ausgehandelten Sechs-Punkte-Plan nicht nachkommen.
In diesem Fall werde man erneut ein Treffen anberaumen und weitere Entscheidungen treffen, betonte Sarkozy und erklärte, die Union befürworte ein schrittweises Vorgehen bei diesem Konflikt.
Die Staats- und Regierungschefs legten die Gespräche mit Russland jedoch nicht vollständig auf Eis, denn eine Neuaufnahme der Gespräche zu einem späteren Zeitpunkt würde einen weiteren einstimmigen Beschluss erfordern. In Anbetracht der feindlichen Gesinnung einiger EU-Mitgliedstaaten Russland gegenüber würde sich eine solche Konsensbildung schwierig gestalten. Solange sich weder Russland noch die EU aus dem Abkommen zurückziehen, erneuert es sich automatisch jedes Jahr.
Auch vor der Verhängung sofortiger Sanktionen oder der Ergreifung schärferer Maßnahmen gegen Moskau scheuten die Teilnehmer des Gipfels zurück. Stattdessen einigte man sich auf die Entsendung einer so genannten Erkundungsmission, um Informationen sammeln und die Modalitäten für ein verstärktes Engagement der Europäischen Union vor Ort klären zu können, das im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik möglich wäre.

