EU-Außenminister wollen Georgien-Mission starten [DE]

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Die EU-Außenminister werden sich heute und morgen (5. und 6. September 2008) in der französischen Stadt Avignon treffen, um eine zivile Beobachtermission nach Georgien zu entsenden, wie dies auf dem kürzlich einberufenen Sondergipfel entschieden worden war. Allerdings bleiben Zweifel bestehen, ob eine solche Mission in der Lage sein wird, das gesamte georgische Territorium, inklusive Südossetien und Abchasien, zu kontrollieren.

Auch wenn die Tagesordnung auch andere Themenpunkte wie den Friedensprozess im Mittleren Osten, die Überarbeitung der europäischen Sicherheitsstrategie und die aktuelle Krise in der Ukraine (EURACTIV vom 04. September 2008) enthalte, werde der Hauptprogrammpunkt Diplomatenkreisen zufolge die Situation in Georgien und das europäische Engagement in der Angelegenheit sein, so wie es am 1. September 2008 auf dem Sondergipfel entschieden worden sei (EURACTIV vom 02. September 2008). 

Ziel ist die schnellstmögliche Entsendung einiger hundert zivilistischer EU-Beobachter in die Region und den Rückzug der russischen Truppen aus den Sicherheitszonen in Georgien sicherzustellen. Es wird davon ausgegangen, dass die Mission zunächst unter der Flagge der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) durchgeführt werden wird. Es besteht aber die Möglichkeit, dass die Mission später zu einer reinen EU-Mission umgewandelt wird.

Experten bezweifeln allerdings, dass das Personal der EU in der Lage sein würde, in den Konfliktregionen etwas auszurichten, wie Vertreter der Kommission kürzlich angaben. Die EU-Einsatzkräfte vor Ort in Georgien hatten aufgrund von Behinderungen durch die russischen und südossetischen Behörden ihre Hilfsgüter nicht direkt an die Vertriebenen ausliefern können.

Russland und Georgien, die die diplomatischen Beziehungen zueinander abgebrochen haben, werfen sich gegenseitig vor, gegen den vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy ausgehandelten Sechs-Punkte-Plan (EURACTIV vom 29. August 2008) zu verstoßen. Bei einem Treffen mit seinem italienischen Amtskollegen Franco Frattini in Moskau, hatte der russische Außenminister Tiflis beschuldigt, sein Versprechen nicht einzuhalten, sich wieder in seine Kasernen zurückzuziehen. Im Gegenzug dazu ließ Georgien ein Flugblatt mit dem Titel „Die russische Invasion in Georgien: Die Verstöße Russlands gegen das Waffenstillstandsabkommen“ kursieren. Darin wird die russische Armee beschuldigt, rechtswidrig 23 Kontrollstellen auf Straßen tief im Landesinnern errichtet zu haben.

Von den Ministern wird außerdem erwartet, dass sie den Zugang zu Hilfsgütern sicherstellen, die noch immer nicht die Region Südossetiens erreicht haben. Der Europarat, die europäische Menschenrechtsorganisation, erklärte, die Georgien-Krise habe zu einer humanitären Katastrophe geführt.

Weiter wird erwartet, dass einige Minister fragen werden, welche Sanktionen der EU gegen Russland schlimmstenfalls denkbar wären, wie EURACTIV von einer Quelle erfuhr. Viele Mitgliedstaaten, darunter auch Gastgeber Frankreich, zögerten, bereits jetzt über Sanktionen zu diskutieren, fügte die Quelle hinzu.

Ein weiteres Ziel wird vermutlich sein, die Voraussetzungen für eine internationale Untersuchung der Krise zu schaffen, in der jede Seite die andere beschuldigt und in der die Zahl der Toten, Verletzten und Vertrieben umstritten ist.

Am 7. August 2008 sind georgische Truppen in die abtrünnige Region Südossetien einmarschiert, die ebenso wie die andere umstrittene Region Abchasien offiziell zu Georgien gehört, aber weitgehend autonom ist und stark unter russischem Einfluss steht. Russland reagierte darauf mit einem massiven Militäreinsatz und nahm Teile Georgiens ein. Dies gab bei den westlichen Staaten Anlass zu der Befürchtung, dass Russland diese Gelegenheit nutzen wolle, um den pro-westlichen Präsidenten Georgiens Michail Saakaschwili zu stürzen und Georgien wie zu Sowjetzeiten zu einem Vasallenstaat zu machen. 

Frankreich hatte daraufhin im letzten Monat (August 2008) ein Waffenstillstandsabkommen ausgehandelt, um den Krieg in Südossetien zu beenden. Seitdem widersetzt sich Moskau allerdings dem Westen, indem es weiterhin Truppen in den „Sicherheitszonen“ entlang der Linie, die Georgien von Südossetien und Abchasien – einer weiteren abtrünnigen Region – trennt, stationiert lässt. Die Entscheidung Russlands, die Unabhängigkeit Südossetiens und Abchasiens anzuerkennen, sorgte für weitere Anspannungen in den Beziehungen zum Westen.

Am 1. September 2008 trafen sich die EU-Staats- und Regierungschefs zu einem Sondergipfel, auf dem sie entschieden, die Gespräche mit Russland über einen neuen Grundvertrag zwischen Russland und der EU so lange auszusetzen, bis Moskau sich vollständig an den Friedensplan halte. Auch die Entsendung von Beobachtern nach Georgien wurde beschlossen, damit Moskau eine weitere Stationierung seiner Truppen in dem Gebiet nicht mehr rechtfertigen könne und in internationale Gespräche über einen neuen Entwurf für die Sicherheit in den abtrünnigen Regionen einwilligen würde. Führende Politiker räumen allerdings ein, dass die Antwort Russlands auf diese Pläne ungewiss bleibt und dass ein Erfolg von Sarkozys Russland-Besuch am 8. September 2008 abhängen könnte. Dann will der französische Präsident Moskau dazu anhalten, die russischen Truppen wieder auf ihre Vorkriegspositionen zurückzuziehen.

Das informelle „Gymnich“-Treffen der EU-Außenminister findet auf Einladung des französischen Außenministers Bernard Kouchner statt, der vom Hohen Vertreter der EU-Außen- und Sicherheitspolitik Javier Solana und von EU-Kommissaren, die in die Angelegenheit involviert sind, begleitet werden wird. Die Gymnich-Ministertreffen, finden in der Regel alle sechs Monate in informeller Atmosphäre statt, ohne jedoch zum Ziel zu haben, eine abschließende Erklärung hervorzubringen. Namensgeber dieser Treffen ist das deutsche Schloss Gymnich, in dem 1974 das erste derartige Treffen der EG-Außenminister stattfand.

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