„Ein schwarzer Tag für den europäischen Fußball“

Europol informiert über die Ermittlungen im Fußball-Wettskandal. Foto: dpa

Europol hat den bislang größten internationalen Fall von Wettbetrug aufgedeckt. Ein internationaler Verbrecherring hat jahrelang auch Spitzenspiele des europäischen Fußballs zu seinen Gunsten manipuliert. Hunderte wurden bestochen, es flossen Millionen von Euro.

In einer weltumspannenden Aktion ist es Europol zusammen mit Ermittlern aus 13 europäischen Ländern gelungen, einem gut vernetzten kriminellen Netzwerk von Wettbetrügern auf die Schliche zu kommen. Wie Europol am 4. Februar (Montag) bekannt gab, wurden insgesamt 425 Schiedsrichter, Spieler, Club-Funktionäre und Hintermänner in mehr als 15 Ländern verdächtigt, mehr als 380 Fußballspiele manipuliert zu haben. Die illegalen Wetterlöse belaufen sich auf  über acht Millionen Euro, mehr als 2 Millionen Euro Schmiergelder sollen geflossen sein. Pro Spiel sollen bis zu 100.000 Euro Bestechungsgeld gezahlt worden sein, so Friedhelm Althans von der Polizei Bochum.

Unter den verdächtigen Spielen sind auch einige Qualifikationsspiele der Fußball-Europameisterschaft, zwei Spiele der Champions League und einige Spitzenspiele in nationalen Ligen. Zusätzlich wurden rund 300 Spiele in Afrika, Asien, Süd- und Zentralamerika als verdächtig eingestuft.

Die Behörden ermittelten unter dem Decknamen "Operation Veto" zwischen Juli 2011 und Januar 2013. Unter der Leitung von Europol sowie Deutschland, Finnland, Ungarn, Österreich und Slowenien wurden die Ermittlungen von Eurojust, Interpol und Ermittlern aus acht weiteren europäischen Ländern unterstützt. Im Laufe der Ermittlungen wurden unter anderem rund 13.000 E-Mails abgefangen, welche Hinweise auf Verbindungen zwischen Spielen und verdächtigen Personen liefern und das wahre Ausmaß der kriminellen Handlungen offenlegen. Die Ermittlungen haben zu mehreren Prozessen in den betroffenen Ländern geführt. In Deutschland wurden bereits 14 Personen verurteilt und zu Haftstrafen verurteilt.

Die kriminellen Wettaktivitäten wurden hauptsächlich vom asiatischen Markt aus betrieben. Die Rädelsführer sind asiatischer Herkunft und arbeiten eng mit ihren Komplizen in Europa zusammen. Im Laufe der Ermittlungen wurden außerdem Verbindungen zu russischsprachigen und anderen Verbrechersyndikaten gefunden.

"Dies ist ein schwarzer Tag für den europäischen Fußball und ein weiteres Beispiel für den korrupten Einfluss des organisierten Verbrechens auf die Gesellschaft", sagt Europoldirektor Rob Wainwright. Es beweise jedoch auch den Wert internationaler Polizeikooperation bei der Verbrechensbekämpfung. Europol und seine Partner seien fest entschlossen, Schwerkriminelle dort zu bekämpfen, wo sie operierten. "Leider ist nun auch der Fußball in einem Ausmaß betroffen, so dass sein innerstes Gefüge bedroht ist. Alle Zuständigen sollten die Vorfälle sehr ernst nehmen", so Wainwright weiter.

Der internationale Charakter der Spielmanipulation stellt Ermittlung und Strafverfolgung vor große Herausforderungen. In ein einziges manipuliertes Spiel können bis zu 50 Verdächtige in zehn Ländern mit verschiedenen Rechtsordnungen involviert sein. Die Definition von Spielmanipulation und Wettbetrug unterscheidet sich dabei von Land zu Land, was die Arbeit der Justiz zusätzlich erschwert.

Die Informationen sollen an Interpol übermittelt werden, um die internationale Vernetzung bei der Verfolgung der Bekämpfung des Problems zu stärken. "Spielmanipulation ist ein globales Problem und erfordert die Zusammenarbeit auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene", so Gianni Baldi, Chef der Interpol-Einheit Drogen und organisierte Kriminalität. Damit sollen nicht nur die kriminellen Netzwerke lahmgelegt werden, die Millionen an illegalen Profiten ergaunern, sondern es sollen zudem präventive Programme zur Sensibilisierung aller in den Fußball Involvierten geschaffen werden.

Michèle Coninsx, Präsidentin von Eurojust, stößt ins gleiche Horn: "Die internationale Kooperation war ausschlaggebend für den Erfolg dieses grenzüberschreitenden Falls, in den mehr als 30 Länder involviert sind. Informelle Treffen bei Eurojust inklusive Videokonferenzen mit asiatischen Partnerbehörden haben die Ermittlungen vereinfacht und zur Lösung komplexer juristischer Probleme beigetragen." Eurojust habe Geldmittel für die Operation Veto bereitgestellt, eines der größten gemeinsamen Ermittlerteams aller Zeiten. Die Ermittlungen laufen weiter.

pat

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