Belgrader Gay-Pride verfällt in Massenkrawall

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Das Belgrader Stadtzentrum und seine Umgebung wurden am Sonntag (10. Oktober) zum Schauplatz von Krawallszenen am Morgen und frühen Nachmittag. Schwulenfeindliche Demonstranten stießen auf die Polizei, die eine Gay-Pride-Parade behütete. BETA-Agentur, EURACTIVs Partner in Serbien, berichtet.

Die erste Gay-Pride in Belgrad (siehe „Background“) ist in die schlimmsten gewalttätigen Szenen der letzten Jahre ausgeartet. Über 100 Polizisten wurden in den Ausschreitungen mit Nationalisten und Krawallmachern verletzt und ein Demonstrant der Parade schlimm verprügelt.

Die Ausschreitungen wurden anscheinend von Nationalisten und Krawallmachern im Voraus geplant. Sie begannen, sich an vielen Orten der Hauptstadt am Vormittag zu versammeln und den Zusammenstoß mit der Polizei vorzubereiten. Nachdem sie von der Polizei in Schutzausrüstung vom Paradebereich zurückgedrängt wurden, warfen die Randalierer Steine und verschiedene Objekte auf die Polizei, stürzten Mülleimer und setzten mehrere Autos in Brand. Dann widmeten sie sich anderen Zielen und setzten das Hauptquartier der Demokratischen Partei des Präsidenten Boris Tadi? in Brand. Sie verwüsteten auch den Hauptsitz des Serbischen Rundfunks sowie die Büros der Sozialistischen Partei Serbiens und der Liberalen Demokratischen Partei. Sie attackierten auch die Belgrader Moschee und mehrere Botschaften, und plünderten mehrere Geschäfte. Die Gewalt wütete vier Stunden lang, während die Polizei kämpfte, um die Randalierer mit Tränengas und gepanzerten Fahrzeugen auseinanderzutreiben. Die Belgrader Innenstadt wurde bis zum Nachmittag für den Verkehr gesperrt. Die Protestler waren hauptsächlich jung und viele unter ihnen waren maskiert oder trugen eine Kapuze, um eine spätere Identifizierung zu vermeiden. Priester der Serbischen Orthodoxen Kirche wurden auch an manchen Orten in der Stadt an der Seite der Demonstranten erkannt.

Das serbische Innenministerium kündigte an, 141 Menschen seien verletzt worden, unter ihnen 121 Polizisten. 207 Menschen seien festgenommen worden. Schätzungen zufolge belief sich der Sachschaden auf eine Million Euro.

Der serbische Präsident, Boris Tadi?, verurteilte die Gewalttaten.

Die Täter und Veranstalter von Gewalttaten würden festgenommen und bestraft werden. Die freie Meinungsäußerung werde von der Verfassung gewährleistet und die Attacken auf die Polizei würden als Attacken auf den Staat betrachtet, sagte er.

Die Ausschreitungen hoben die Intoleranz, die die serbische Gesellschaft noch durchdringt, hervor, zehn Jahre, nachdem das Land den autokratischen Slobodan Milosevic verdrängt und damit seinem Pariastatus, der das Land während der Balkankriege in den 1990ern verfolgte, ein Ende gesetzt hatte, schreibt Reuters.

Kommentatoren haben gesagt, dass der Ausbruch von Gewalt in einem entscheidenden Moment einen Schatten auf Serbien geworfen habe. Serbien hegt Erwartungen, bald Verhandlungsgespräche mit der EU anzufangen. Dabei wird vorausgesetzt, dass es in seinen Beziehungen mit Pristina eine konstruktive Dynamik einhält.

Positionen

Hintergrund

Serbien ist ein Land mit starken konservativen orthodoxen christlichen Traditionen, mit wenig Toleranz für die Rechte von Schwulen und Lesben.

Die geplante Gay-Pride-Parade war die erste nach dem Zerfall des autoritären Regimes Slobodan Milosevics und hatte die Unterstützung von der Kommissionsdelegation in Belgrad. Ihr Botschafter, Vincent Degert, nahm an der Demonstration teil und richtete sich an schwule Aktivisten und begrüßte die Veranstaltung als ein Loblied auf die Werte der Toleranz, freien Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit.

 

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