Auch Cameron erklärt Multikulti für gescheitert

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz erteilt der britische Premier David Cameron der "Doktrin des Multikulturalismus" eine Absage. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den Multikulti-Ansatz bereits im Oktober für "absolut gescheitert" erklärt. Foto: dpa

Der britische Premierminister David Cameron bezeichnet den Multikulti-Ansatz als eine Ursache für die Schwierigkeiten seines Landes mit radikalen Islamisten. Eine „gemeinsame nationale Identität“ müsse nun „die Doktrin des staatlichen Multikulturalismus“ ersetzen.

In seiner Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz sagte David Cameron, dass die westlichen Staaten eher den Extremismus bekämpfen als eine "nicht interventionistische" Toleranz verfolgen sollten.

Der britische Premier erklärte, dass die "Doktrin des staatlichen Multikulturalismus" die Segregation befördert habe. Außerdem habe sie es versäumt, eine "Gesellschaftsvision" zu liefern, der die Menschen angehören wollten. Allerdings unterstrich er den Unterschied zwischen dem Islam als Religion und dem islamistischen Extremismus als politische Ideologie.

Unter der Doktrin des staatlichen Multikulturalismus habe man unterschiedliche Kulturen ermutigt, getrennt zu leben – voneinander und von der kulturellen Mitte. Zudem habe man toleriert, dass sich die getrennten Gemeinschaften auf eine Art verhielten, die den eigenen Werten widerspreche, sagte Cameron.

Tradition der "passiven Toleranz"

Er kritisierte eine Tradition der "passiven Toleranz" in der britischen Gesellschaft. Demnach würden Einwanderer alleine gelassen, solange sie die Gesetze befolgten.

Die Zwangsehe bezeichnete er als "Horror", auf den die britische Gesellschaft nicht angemessen reagiert habe.

Cameron erklärte terroristische Angriffe zur größten Bedrohung für Großbritannien. "Einige davon werden leider von unseren eigenen Bürgern ausgeführt."

Um den vergangenen "liberalen" Methoden ein Ende zu setzen, müsse der Staat sicherstellen, dass Einwanderer die Sprache ihrer neuen Heimat sprechen und in den Elementen einer gemeinsamen Kultur und Curriculums ausgebildet werden.

Die britischen Behörden würden einen Nationalen Bürgerdienst einführen – ein zweimonatiges Programm, das Sechzehnjährigen aus unterschiedlichen Verhältnissen zeigen solle, wie man zusammenleben und arbeiten kann.

"Absolut gescheitert"

Im Oktober 2010 hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Multikulti-Ansatz in Deutschland eine Absage erteilt. Auf dem Deutschlandtag der CDU-Jugendorganisation Junge Union sagte sie: "Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert." (EURACTIV.de vom 21. Oktober 2010)

Mit dieser Äußerung hatte Merkel nicht nur in Deutschland für Aufsehen gesorgt. Ihre These wurd insbesondere vor dem Hintergrund der Integrationsdebatte auch in den anderen europäischen Mitgliedsstaaten diskutiert.

EURACTIV.com

Links

Dokumente

Prime Minister’s Office: PM’s speech at Munich Security Conference (5. Februar 2011)

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Problemfälle: Cyberwar, Nahost, Ägypten, Afghanistan (7. Februar 2011)

"Gefährlicher Populismus" oder "ehrlicher Tabubruch"? (21. Oktober 2010)

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