Also, liebe Inselfreunde…

Noch nie seien die Briten so enttäuscht von der EU gewesen wie heute, findet der britische Premierminister David Cameron. Seine Rede zur Zukunft Großbritanniens in der Europäischen Union provozierte viele Reaktionen. Zum Beispiel diese hier. Foto: dpa

Ein persönlicher Rat an den britischen Premierminister David Cameron, nicht ganz frei von Polemik. Andreas Geiger versucht sich in seinem Standpunkt für EURACTIV.de als Britenversteher. Und fordert: Öffnet die Wilhelmstraße!

Der Autor

" /Dr. Andreas Geiger ist Managing Partner der Lobbykanzlei Alber & Geiger (Brüssel und Berlin) und Autor des "EU Lobbying Handbook". Für EURACTIV.de verfasst er in unregelmäßigen Abständen Kommentare zur aktuellen Politik.

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Ihr Briten wollt also raus aus der EU. Na gut. Dann aber macht bitte schön die Wilhelmstraße wieder auf.

Unsere nach Kaiser Wilhelm benannte Achse in Berlin, die direkt hinterm Brandenburger Tor auf den Prachtboulevard Unter den Linden führt. Und die – dank Euch Briten mit Pollern übersät – es jedem Reisebus unmöglich macht, auf direktem Weg zum Adlon zu fahren. Dabei weiß jeder, dass Berlin nur von Reisebussen lebt.

Natürlich, ein Gastland muss seine ausländischen Botschaften schützen. Keine Frage. Und Sicherheitsbedenken gibt es bei euch Briten wahrlich genug. Ihr macht ja unabgestimmt bei jedem Krieg mit. Irak, Afghanistan, Mali. Aber, liebe Inselfreunde, wenn Ihr nicht mehr in der EU seid, seid Ihr sogenanntes Drittland. Orientiert Euch dann doch bitte auch am Standard vergleichbarer Botschaften im schönen Berlin. Sagen wir zum Beispiel mal – Irak, Afghanistan, Mali?

Ihr mit Eurer "Special Relationship"

Es will natürlich keiner, dass Ihr einen Jägerzaun um Eure Botschaft nagelt. Würde auch gar nicht gut zum Adlon passen. Aber Ihr macht doch sonst auch immer alles wie die Amis. Ihr mit Eurer "Special Relationship". Schaut Euch doch mal deren hübschen Zaun an. Die haben das hinbekommen, ohne vom Brandenburger Tor bis zum Potsdamer Platz die Straße mit Pollern zuzupflastern. Da fahren jetzt haufenweise Reisebusse.

Apropos "Special Relationship": Was sagen eigentlich die Amis zu Eurer Idee? Und dazu, dass Ihr gern der nächste Stern auf deren Flagge wärt? Auffällig ruhig sind die gerade. Meint Ihr nicht, die nehmen lieber Kuba? Schöneres Wetter, schönere Strände, schönere…, aber lassen wir das. Als New Yorker würde ich mich jedenfalls schon fragen, warum ich die Kopie nehmen soll, wenn ich im Original wohne.

Pfund für Pfund

Und, lieber David, wie kommst Du darauf, dass Ihr ein unabhängiger Inselstaat seid? Das wart Ihr noch nie. Schon immer wart Ihr mit dem Kontinent kulturell, politisch und nicht zuletzt durch monarchische und niederadlige Heirat wechselseitig eng verbunden. Aber da ist das Kohl’sche Mäntelchen der Geschichte vielleicht dann doch ein Nümmerchen zu groß für Dich.

Sei doch mal ehrlich, David. In Wahrheit geht es um was ganz anderes. Ihr habt die Demütigung von 1773 bis heute nicht verwunden. Tee mit Salzwasser aufzugießen. Das versteht jeder Paartherapeut. Dann lieber selbst die Unabhängigkeit erklären. Jetzt zahlt Ihr’s der Welt heim. Pfund für Pfund.

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