Wie Frankreichs Präsidenschaftskandidaten Personalmangel im Gesundheitswesen angehen wollen

Gesundheitsminister Olivier Véran, der die Kandidatur des amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron unterstützt, will die "Zusammenarbeit" zwischen den Angehörigen des Gesundheitswesens in derselben Region verstärken, "ohne Eile und ohne Abstriche bei der Sicherheit". [Esther Snippe/EURACTIV/Shutterstock]

Die französischen Präsidentschaftskandidat:innen haben ihre Vorschläge zur Bekämpfung des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen in mehreren Regionen vorgelegt. EURACTIV Frankreich berichtet.

Laut Zahlen aus dem Jahr 2021 haben insgesamt 7,4 Millionen Menschen in Frankreich nur „begrenzten“ Zugang zu einem Allgemeinmediziner.

Diese Gebiete werden als „medizinische Wüsten“ bezeichnet, in denen die Patient:innen mit der „Unmöglichkeit oder großen Schwierigkeit [konfrontiert sind], in einem bestimmten Gebiet medizinische Fachkräfte zu finden, weil es keine oder nur eine begrenzte Anzahl von ihnen gibt“, heißt es auf der Website der Regierung.

Am Donnerstag (17. März) stellten die Kandidat:innen ihre Vorschläge zur Lösung dieses Problems auf einer vom französischen Krankenhausverband organisierten Veranstaltung vor.

Student:innen füllen die Lücke

„Acht Millionen Menschen haben keinen Zugang zu einem Arzt“, betonte der Kandidat der Grünen, Yannick Jadot, auf der Veranstaltung und erklärte weiter, die Situation sei „völlig inakzeptabel.“

Um den Ärztemangel in bestimmten Regionen zu beheben, schlug Jadot die Verpflichtung für alle Medizinstudent:innen vor, sich während ihres letzten Studienjahres und während ihrer ersten beiden Praxisjahre in einer Region niederzulassen, in der es an Gesundheitspersonal mangelt.

„Es ist nicht einfach“, sagte er, aber es würde eine „Übergangszeit“ sein. „Wir werden uns selbst die Mittel zur Verfügung stellen, was die Vergütung und die Unterstützung der Familien angeht, indem wir dafür sorgen, dass die Ärzt:innen Urlaub nehmen können, und so weiter“, fügte er hinzu.

Die Entsendung von Medizinstudent:innen in Regionen, in denen es nicht genügend Gesundheitspersonal gibt, ist eine Lösung, die auch von anderen Kandidat:innen vorgeschlagen wurde. So hat beispielsweise die Kandidatin Valérie Pécresse von den Republikanern ebenfalls eine entsprechende Lösung vorgeschlagen.

„Ich möchte, dass junge Student:innen der Allgemeinmedizin ein viertes Jahr der Spezialisierung absolvieren können, und ich möchte, dass 4.000 junge Ärzt:innen ein Jahr lang in diesen medizinischen Wüsten arbeiten können, um die Kapazität der Allgemeinmediziner:innen in diesen Regionen zu erhöhen“, sagte sie dem Gesundheitspersonal auf der Veranstaltung.

Die sozialdemokratische Kandidatin Anne Hidalgo war weniger kategorisch und erklärte, sie wolle dies für Medizinstudent:innen nicht zur Pflicht machen.

Stattdessen möchte sie das vierte Praktikumsjahr „fördern“, so dass „es zu einem Jahr der Professionalisierung wird und wir diese jungen Leute in die medizinischen Wüsten begleiten, mit einer finanziellen Entlohnung, die doppelt so hoch ist wie die des heutigen Praktikums“. Hidalgo nannte die gleiche Zahl von fast 4.000 jungen Menschen, die jedes Jahr von diesem Programm profitieren würden.

„Krankenhäuser, Allgemeinmediziner:innen, aber natürlich auch die Departements, die eine sehr wichtige Rolle spielen“, würden bei der Ausbildung dieser jungen Menschen helfen, fügte sie hinzu.

Die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen vom Rassemblement National sprach sich ebenfalls dafür aus, dass ein solches Programm für Medizinstudent:innen freiwillig sein sollte. „Wir könnten freiwillige Medizinstudent:innen bezahlen, die sich im Gegenzug verpflichten würden, sich für eine bestimmte Anzahl von Jahren in unterversorgten Regionen niederzulassen“, sagte sie.

Mehr Ausbildung und Anwerbung von Gesundheitsfachkräften 

Jadot will nicht nur die Ausbildung junger Student:innen in Gebieten mit Personalmangel im Gesundheitswesen zur Pflicht machen, sondern auch mehr Ärzt:innen und medizinisches Personal ausbilden und die Entwicklung von Gesundheitszentren unterstützen.

Der kommunistische Kandidat Fabien Roussel hingegen sprach sich gegen solche Zentren aus, die seiner Meinung nach „ein Vermögen“ für „die Gemeinden und die öffentliche Hand“ kosten. Stattdessen schlug Roussel vor, das Image von Regionen zu verbessern, in denen es an Gesundheitspersonal fehlt.

„Wir könnten viel mehr tun, wenn wir die Ärzt:innen bei der Wahl ihrer Niederlassung respektieren und das beste Umfeld für sie schaffen würden“, sagte er.

Die Attraktivität dieser Regionen zu verbessern war ebenfalls eine Priorität für Le Pen, die vorschlug, öffentliche Dienstleistungen, Infrastrukturen, eine digitale Abdeckung und Arbeitsplätze für Ehepartner zu garantieren.

„Ich bin für Anreizmaßnahmen, insbesondere für die Erhöhung der Anzahl der Arztbesuche in unterversorgten Gegenden, sowie für eine Reduzierung der Einkommensteuer“, sagte sie.

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran, der die Kandidatur des amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron unterstützt, will die „Zusammenarbeit“ zwischen den Angehörigen des Gesundheitswesens in derselben Region verstärken, „ohne Eile und ohne Abstriche bei der Sicherheit.“

„Dies wird im Rahmen einer großen Konferenz der Interessenvertreter:innen geschehen, an der Fachleute des Gesundheitswesens und örtliche Behörden teilnehmen werden“, erklärte Véran.

„Die Mittel werden auf den Tisch gelegt werden, ebenso wie die Frage der Vergütung, insbesondere für die freien Berufe“, fügte er hinzu. Um die Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, will der Minister auch die so genannte „Telemedizin“ weiterentwickeln.

Ein globaler Plan 

Pécresse schlug auch die Umsetzung eines „globalen Plans“ vor, dessen Teil der Entwicklung eines „Bündnisses von Gesundheitsfachleuten“ in jeder französischen Region gewidmet sein soll.

Die Initiative würde darauf abzielen, die Art und Weise, wie die Medizin in jeder Region praktiziert wird, zu bewerten, wobei eine enge Kommunikation zwischen der Stadt, den öffentlichen Krankenhäusern und den Privatkliniken stattfinden soll.

Pécresse und Véran sprachen sich für massive Investitionen in die Ausbildung von Ärzt:innen aus. „Wir brauchen 25.000 zusätzliche Pflegekräfte in den Krankenhäusern“, betonte Pécresse.

Roussel schlug außerdem vor, dass neue Ärzt:innen in Regionen mit einem optimalen Arzt-Patienten-Verhältnis nur die Ärzt:innen „ersetzen“ sollten, die die Region verlassen.

Der rechtsextreme Kandidat Éric Zemmour, der nicht an der Veranstaltung teilnahm, erklärte im Februar letzten Jahres im Fernsehsender BFMTV, er wolle „1.000 vom Staat bezahlte Ärzt:innen“ einstellen. Diese sollten in Regionen arbeiten, in denen es an Gesundheitspersonal mangelt.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]

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