WHO warnt bei neuer Corona-Variante vor „sehr hohem Risiko“

Ein starker Anstieg der Infektionsfälle durch die Omikron-Variante könne schwerwiegende Folgen haben, warnte die WHO am Montag (29. November) in Genf. [James Gourley/EPA-EFE]

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Risiko der neuen Omikron-Variante des Coronavirus weltweit als „sehr hoch“ eingestuft.

Ein starker Anstieg der Infektionsfälle durch die Omikron-Variante könne schwerwiegende Folgen haben, warnte die WHO am Montag (29. November) in Genf. In Südafrika rechnen Expert:innen bereits mit explodierenden Fallzahlen und in Schottland wurden die ersten Omikron-Fälle registriert, die nicht direkt mit Auslandsreisen zusammenhängen.

Die WHO wies am Montag auf die vielen noch bestehenden Unsicherheiten zur Übertragbarkeit und Gefährlichkeit der neuen Virusvariante hin. „Bisher wurden keine Todesfälle im Zusammenhang mit der Omikron-Variante gemeldet“, betonte die Organisation.

Die Entdeckung einer neuen Variante mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 war am Donnerstag in Südafrika bekannt gegeben worden. Die WHO stufte die nach dem griechischen Buchstaben Omikron benannte Variante als „besorgniserregend“ ein.

Nach Angaben südafrikanischer Wissenschaftler:innen könnte die Variante wegen der ungewöhnlich vielen Mutationen noch ansteckender als die weltweit grassierende Delta-Variante sein und die Impfstoffe weniger wirksam machen.

Sorgen bereitet auch der starke Anstieg der Infektionszahlen in Südafrika. Gesundheitsexpert:innen rechnen noch in dieser Woche mit mehr als 10.000 neuen Infektionsfällen pro Tag – vor zwei Wochen waren es im Schnitt noch 275.

Dennoch plädierte die WHO dafür, die Grenzen weiterhin offen zu halten. Viele Staaten haben aber bereits ihre Grenzen für Reisende aus Südafrika und mehreren anderen afrikanischen Ländern geschlossen.

Wegen der unterbrochenen Flugverbindungen schickte Rumänien am Montag ein Flugzeug nach Südafrika, das rund 90 Rumänen und in dem Land festsitzende Europäer ausfliegen soll.

Expert:innen hatten seit längerem kritisiert, dass der Impfstoffmangel in Afrika das Entstehen neuer Virus-Varianten begünstigen könnte. Chinas Präsident Xi Jinping versprach nun eine Milliarde Impfdosen für die Länder des Kontinents. 600 Millionen Impfdosen sollen direkt aus China kommen.

In Deutschland wurden unterdessen weitere Verdachtsfälle bekannt. Nordrhein-Westfalen meldete einen dritten Verdachtsfall im Kreis Kleve. Zuvor hatten Düsseldorf und Essen bereits erste Omikron-Verdachtsfälle gemeldet. In Hessen wurde ein Fall bestätigt, in Bayern gibt es drei hochgradige Verdachtsfälle.

Der Virologe Christian Drosten sagte am Sonntag im ZDF: „Keiner kann im Moment sagen, was da auf uns zukommt“.

Drosten geht aber davon aus, dass die verfügbaren Impfstoffe grundsätzlich auch gegen die neue Variante schützen, insbesondere gegen schwere Krankheitsverläufe. Noch besser sei es, „wenn man geboostert ist.“

Ähnlich äußerte sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag im ZDF. „Wir müssen boostern, boostern, boostern“, sagte er und forderte landesweite Kontaktbeschränkungen.

Auch im Rest Europas tritt die neue Variante immer häufiger auf. In Schottland wurden am Montag sechs Fälle gefunden. Da bei einigen Fällen keine direkte Verbindung zu Reisen ins südliche Afrika bestehe, sei von ersten Übertragungen innerhalb Schottlands auszugehen, sagte der stellvertretende Regierungschef John Swinney.

In Österreich bestätigte sich am Montag im Fall eines Südafrika-Rückkehrers der Verdacht. In Portugal haben die Behörden 13 Infektionen bei einem Erstliga-Fußballteam als Verdachtsfälle eingestuft.

In vielen Ländern werden Verdachtsfälle unter strenge Beobachtung gestellt. Dennoch schaffte es in den Niederlanden am Sonntag ein Paar, aus einem Quarantänehotel zu fliehen. Es wurde in einem Flugzeug, das gerade nach Spanien starten sollte, festgenommen und erneut unter Quarantäne gestellt.

Unterdessen gingen die Bemühungen um eine international koordinierte Reaktion auf die neue Virusvariante weiter. Großbritannien berief noch für Montag eine Dringlichkeitssitzung der G7-Staaten an, zu denen auch Deutschland, Frankreich, Kanada, Italien, Japan und die USA gehören.

Japan kündigte bereits an, seine Grenzen für Ausländer wieder zu schließen. Australien setzte eine geplante Grenzöffnung für Studenten und Fachkräfte kurzfristig aus.

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