WHO bestätigt über 200 Angriffe auf Gesundheitswesen in der Ukraine

"Ich fordere die WHO auf, Führungskraft zu zeigen, sich mit Ärzte ohne Grenzen und dem Roten Kreuz zusammenzuschließen und eine angemessene Aufsicht über den Stand der medizinischen Versorgung ukrainischer Kriegsgefangener sicherzustellen", sagte der ukrainische Gesundheitsminister, Viktor Liasko. [EPA-EFE/ROMAN PILIPEY]

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat seit dem Einmarsch Russlands über 200 Angriffe auf das Gesundheitswesen in der Ukraine registriert.

Der ukrainische Gesundheitsminister, Viktor Liasko, hat zu mehr Unterstützung aus dem Ausland aufgerufen, um die Gesundheitsversorgung im Land aufrechtzuerhalten.

„Während des Krieges wurden 10 meiner Kollegen getötet, mehr als 40 wurden verwundet, und 40 Krankenhäuser wurden zerstört und können nicht mehr wieder aufgebaut werden. […] Etwa 500 Krankenhäuser sind beschädigt und können nicht für die medizinische Versorgung genutzt werden“, sagte Liasko auf einer Pressekonferenz der WHO am Samstag (7. Mai) in Kyjiw.

Er betonte, dass das Motto der WHO, „Gesundheit für alle“, aufgrund der anhaltenden Kampfhandlungen in der Ukraine nicht mehr gewährleistet werden kann.

Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine sind mehr als 70 Tage vergangen, und der Zugang zur Gesundheitsversorgung in dem Land ist weiterhin für viele eine große Herausforderung.

Allein im April ist die Zahl der offiziell bestätigten Angriffe auf das Gesundheitswesen um 100 gestiegen. Diese Zahl stelle jedoch „nicht die Gesamtzahl [der Angriffe] dar“, sagte der Notfalldirektor der WHO, Mike Ryan.

Es sei „völlig inakzeptabel, Gesundheitseinrichtungen, das medizinische Personal und die Patienten, die sich dort aufhalten, absichtlich anzugreifen“, sagte er weiter. „Diese Angriffe sind vorsätzlich und werden als Teil der Kriegstaktik eingesetzt, um Gemeinschaften zu terrorisieren und den Menschen die Hoffnung auf die Zukunft zu nehmen.“

Die WHO ist für die Registrierung von Angriffen zuständig, die weiter untersucht werden, sobald mehr Daten verfügbar sind. Bewusste Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen verstoßen gegen das humanitäre Völkerrecht.

„Wir werden diese Angriffe weiterhin dokumentieren und bezeugen, wir werden weiterhin über diese Angriffe berichten. Und wir vertrauen darauf, dass das UN-System, der Internationale Strafgerichtshof und andere die notwendigen Ermittlungen einleiten werden, um die kriminellen Absichten hinter diesen Angriffen zu beurteilen.“

EU und WHO bemühen sich um psychische Gesundheit von Ukrainer:innen

Die psychische Gesundheit von Ukrainer:innen und Exilant:innen stand am Mittwoch (4. Mai) zum ersten Mal im Mittelpunkt der Gespräche der WHO-Koalition für psychische Gesundheit, an denen auch die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides teilnahm.

Die Hilfe der WHO

Liasko betonte, dass die Ukraine internationale Unterstützung benötigt, „um den medizinischen Bereich mit Medikamenten, medizinischen Produkten und Ausrüstungen zu verstärken, damit wir angemessen auf die Herausforderungen reagieren können, die der totale Krieg für unser Land bedeutet.“

Am Sonntag stellte die WHO dem Gesundheitsministerium des Landes 20 geländegängige Krankenwagen sowie Generatoren und Blutkühlschränke für Krankenhäuser zur Verfügung.

Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Generaldirektor der WHO, sagte bei der Schlüsselübergabe an die stellvertretende Gesundheitsministerin der Ukraine, Iryna Mykychak, in Lwiw: „Wir bringen nicht nur Hilfsgüter, sondern auch Unterstützung, die sich an Ihren Bedürfnissen orientiert.

Diese Lieferungen kommen zu den 393 Tonnen medizinischer Hilfsgüter und Ausrüstung hinzu, die die WHO bereits an die Ukraine geliefert hat.

Die WHO hat außerdem mehr als 50 medizinische Notfallteams in der Ukraine und den Nachbarländern, die Flüchtlinge aufnehmen, unterstützt oder koordiniert.

„In den vergangenen Monaten haben wir Tausende von ukrainischen Gesundheitsdienstleistern darin geschult, wie sie mit Massenanfällen von Verletzten umgehen können. Dazu gehören Schulungen zu Bluttransfusionen im Krankenhaus in Konfliktsituationen, zu traumatischen Gliedmaßenverletzungen, zur Notfallpflege und zur Versorgung von Verbrennungen“, sagte Tedros.

Er fügte hinzu, dass drei Gesundheitsknotenpunkte in der Westukraine eingerichtet wurden, um medizinische Evakuierungen zu unterstützen und die sichere medizinische Evakuierung von Patienten, einschließlich Krebskranken, zur Behandlung außerhalb der Ukraine zu gewährleisten.

Zugang zu umkämpften Gebieten stets problematisch

Trotz der Unterstützung bleibt die Lage in den Gebieten, die aufgrund der anhaltenden Kämpfe nicht erreicht werden können, kritisch.

„Ich fordere die WHO auf, Führungskraft zu zeigen, sich mit Ärzte ohne Grenzen und dem Roten Kreuz zusammenzuschließen und eine angemessene Aufsicht über den Stand der medizinischen Versorgung ukrainischer Kriegsgefangener sicherzustellen“, sagte Liasko.

„Die internationalen Organisationen müssen zur treibenden Kraft werden und die Ukrainer retten, die nichts verlangen, sondern einfach das tun, was alle Ukrainer tun sollten – ihren Staat und ihre Familien schützen“, forderte Liasko.

Die WHO bat um den Schutz humanitärer Korridore nach Donezk, Mariupol und „vielen anderen Orten, um sicherzustellen, dass die humanitären Güter, einschließlich der Medikamente, der Trauma-Kits und anderer Hilfsgüter, die das medizinische Personal benötigt, diese Orte erreichen“, sagte Jarno Harbicht, WHO-Vertreter in der Ukraine.

Er fügte hinzu, dass die WHO für diejenigen, die evakuiert werden, eine „schnelle Hilfe und Unterstützung von psychischer Gesundheit bis hin zu jeglicher anderer Behandlung, die sie benötigen“, sicherstellt.

(Yaroslava Bukhta trug zur Berichterstattung bei)

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]

Subscribe to our newsletters

Subscribe