USA Impfkampagne stagniert, Intensivbetten wieder voller

Die stagnierende Impfkampagne in den USA die zum Teil aufgrund von militanten Impfskeptikern verlangsamt wurde hat dazu geführt dass in den USA wieder mit Maskenpflichten experimentiert wird, als die Intensivstationspatienten ansteigen. c Shutterstock/Negro Elkha

Wichtige Corona-Kennzahlen steigen rapide an, weil die US-Impfkampagne stottert. Die Bevölkerung ist gespalten bei der Frage, wie zu reagieren ist, berichtet Christopher Stolz vom Tagesspiegel, dem Medienpartner von EURACTIV.de

In den ersten Monaten der Amtszeit von Präsident Joe Biden schritt die Impfkampagne gegen das Coronavirus in den USA rapide voran. Die Staaten konnten sich zeitweise sogar mit den Vorreitern Israel und Großbritannien messen. Seit einigen Wochen ebbt das Impftempo allerdings ab – und nun steigen die Corona-Kennzahlen wieder deutlich an.

Innerhalb einer Woche stieg Tagesspiegel-Zahlen zufolge nicht nur die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner von 42 auf 69 an. 38 von 50 US-Bundesstaaten verzeichnen sogar einen Anstieg von mehr als 50 Prozent in sieben Tagen.

Lediglich in Montana bleibt die Zahl der Neuinfektionen auf einem stabilen Niveau. Allerdings wird die Sieben-Tage-Inzidenz von Experten derzeit aufgrund der steigenden Impfquoten als nicht mehr aussagekräftig beschrieben.

Sehr wohl aber die Krankenhauseinweisungen: Und diese nahmen innerhalb einer Woche ebenfalls stark zu, um mehr als ein Drittel auf mehr als 18.000 pro Woche. Die Zahl der Corona-Intensivpatienten stieg laut Daten der Statistik-Webseite Our World in Data vom Jahrestiefstwert von 3600 Anfang Juli bis auf zuletzt mehr als 5600 an. Und das auch in den Staaten, in denen die Impfkampagne weit fortgeschritten ist.

„Das bedeutet, dass wir noch immer nicht genügend geimpft haben und Geimpfte weiterhin zum Infektionsgeschehen beitragen – deshalb brauchen wir weiterhin die Masken, um die Schwächeren zu schützen“, schreibt der Epidemiologe Eric Feigl-Ding, der Mitglied im Verband amerikanischer Wissenschaftler (FAS) ist, auf Twitter.

Weiter warnt er: „Es wird nur noch schlimmer. Die USA ist noch nicht einmal komplett von der Delta-Variante durchseucht wie Großbritannien und Israel.“ In den ländlichen Gegenden des Landes gebe es zunehmend Infektionen bei Kindern, so Feigl-Ding. Er kritisiert, dass die US-Gesundheitsbehörde CDC die Delta-Variante zu spät als besorgniserregend eingestuft hat.

Der Appell von Feigl-Ding, dass Masken weiterhin nötig sind, kommt nicht von ungefähr. Die Maskenpflicht ist mancherorts in den USA schon seit Mai für vollständig Geimpfte weitgehend aufgehoben. Mit diesem Zugeständnis wollte die US-Regierung schon vor zwei Monaten mehr Menschen dazu bewegen, sich doch impfen zu lassen.

Allerdings nehmen einige Gemeinden dieses Zugeständnis nun wieder zurück. In der Gemeinde Los Angeles beispielsweise müssen die Menschen seit Samstag (17. Juli) unabhängig vom Impfstatus in Innenräumen wieder eine Maske tragen müssen.

„Ich bin nicht froh darüber, dass wir zurückgehen müssen zur Maskenpflicht, aber es wird Leben retten“, sagte die Vorsitzende des Aufsichtsrats in der Gemeinde Los Angeles, Hilda Solis, zu ABC.

„Wenn wir uns die vergangenen sieben Tage anschauen, da hat sich offensichtlich eine Menge verändert.“ Für Solis ist der Anstieg der Infektionszahlen „sehr beunruhigend“. In Los Angeles stellt sich der Anstieg noch gravierender dar als im Bundesdurchschnitt.

Die mehr als 1000 neuen Fälle pro Tag sind der „New York Times“ zufolge ein Plus von 279 Prozent im Vergleich zu vor zwei Wochen. Die Klinikeinweisungen nahmen in diesem Zeitraum um 27 Prozent zu.

Wie zerrissen das Land in der Masken-Frage ist, zeigt sich an der Reaktion des Polizeichefs von Los Angeles auf die Wiedereinführung der Maskenpflicht. Er kündigte laut „New York Times“ an, dass seine Polizisten die Vorgabe nicht durchsetzen werden.

„Die geimpften und genesenen Menschen dazu zu zwingen, in Innenräumen Masken zu tragen, ist nicht durch die Wissenschaft gestützt“, sagte Alex Villanueva.

Die Gesundheitsbehörde von Los Angeles teilte zwar mit, dass sie gegen Geschäfte und Unternehmen, die sich nicht an die Maskenpflicht halten, auch selbst vorgehen könne. Allerdings sagte eine Sprecherin, dass der Fokus darauf liege, die Menschen zu informieren.

Noch eindrücklicher als das Beispiel aus Los Angeles zeigt ein Beispiel aus der Gemeinde Howell County in Missouri, weshalb die USA derzeit wieder Schwierigkeiten hat, die Corona-Zahlen unter Kontrolle zu halten.

Dass in ländlichen Gegenden das Verständnis für anhaltende Einschränkungen gering ist und der Nutzen von Impfungen bezweifelt wird, ist bereits länger bekannt. Allerdings nicht in diesem Ausmaß.

Die Moderatorin der nach ihr benannten „Rachel Maddow show“ auf MSNBC berichtete in der vergangenen Woche von einem auf Facebook geposteten öffentlichen Appell des Ozarks Health Care in Howell County, den ein Zuschauer dem TV-Sender geschickt hatte.

In diesem Appell, so Maddow, habe das Krankenhaus die Menschen förmlich angefleht, sich impfen zu lassen, aber auch Verständnis für Menschen gezeigt, die sich dagegen entscheiden – oder zumindest besorgt seien, beim Impftermin gesehen zu werden.

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