Humanitäre Hilfsprogramme sollten stärker darauf ausgerichtet werden, den Anstieg von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt in von Krisen betroffenen Ländern zu bekämpfen. Das sagte Natalia Kanem, Exekutivdirektorin des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), Euractiv.
Das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt nimmt mit dem Ausbruch von Konflikten stark zu. Sowohl für die Frauen in der betroffenen Region als auch für diejenigen, die vertrieben werden. Leider nehme diese Form der Gewalt auch in den von Krisen betroffenen Ländern zu, in denen UNFPA präsent sei, sagte Kanem.
Besonders alarmierend sei der Anstieg in der östlichen Region der Demokratischen Republik Kongo, die sich erneut inmitten eines bewaffneten Konflikts befinde.
„Wir ermutigen die Menschen, sich zu melden und machen es ihnen leicht, aber das Ausmaß der sexuellen Gewalt nimmt zu“, sagt Kanem. Sie betont auch, dass die tatsächliche Zahl der Opfer nicht bekannt sei. Denn die Betroffenen hätten nach wie vor Angst vor der Stigmatisierung.
Trotzdem ist die geschlechtsspezifische Gewalt laut UNFPA einer der am wenigsten finanzierten Bereiche in Hilfsprogrammen.
Obwohl humanitäre Hilfsprogramme, insbesondere die der EU, im Laufe der Jahre zunehmend Maßnahmen zur Prävention und Reaktion auf sexuelle Gewalt priorisiert haben, betont sie, dass die sich verschlechternde Situation noch mehr Aufmerksamkeit erfordert.
„Die EU ist führend, wenn es darum geht, geschlechtsspezifische Gewalt ernst zu nehmen. Das muss anerkannt werden“, sagte sie und verwies auf die Art und Weise, wie EU-Hilfe bereits in eine breite Palette von Präventions- und Behandlungsmaßnahmen fließt.
„Und dennoch (…) ist das Niveau der Finanzierung nicht angemessen für die Wirksamkeit, die wir sehen wollen. Daher glaube ich, dass in diesem Bereich mehr getan werden kann“.
Bemühungen um Gerechtigkeit und Daten
Die Bekämpfung dieser Art von Gewalt erfordert vielfältige Anstrengungen. Von der Prävention, wenn eine Krise ausbricht, bis hin zur Behandlung und Beratung der Opfer.
Kanem fordert, dass die Täter stärker zur Verantwortung gezogen werden. Dabei sollte auch die EU die „Länder im Kampf gegen die Straflosigkeit der Täter unterstützen.“ Denn dadurch könnten potenzielle Täter besser abgeschreckt werden.
Ein weiteres Problem sind die spärlichen Daten über sexuelle Gewalt.
„Wir versuchen, unseren Teil zu tun, aber wir werden nicht warten, bis wir Daten haben, um zu wissen, dass es falsch ist und eine Menschenrechtsverletzung darstellt. Also lasst uns nach besseren Daten suchen, aber lasst uns das nicht als Entschuldigung für Untätigkeit benutzen“, sagte Kanem.
Abschließend forderte sie die Länder auf, Frauen zuzuhören, um Lösungen zu finden, die für sie effektiv sind, junge Menschen einzubeziehen und mit Männern zusammenzuarbeiten, um eine positivere Männlichkeit zu fördern.
„Man kann nicht von den Opfern erwarten, dass sie das Problem lösen“, fügte Kanem hinzu.
[Bearbeitet von Rajnish Singh]

