Europaabgeordnete: Zu viele Ungleichheiten bei Krebsbehandlung innerhalb der EU

Die ehrgeizigen Pläne der EU zur Bekämpfung von Krebs könnten ergänzt werden, indem berücksichtigt wird, wie Komplementärtherapien die Lebensqualität verbessern können, wenn sie parallel zur medizinischen Behandlung eingesetzt werden, argumentierten die Podiumsgäste auf einer EURACTIV-Veranstaltung zum Thema "Integrative Onkologie". [goodbishop/Shutterstock]

In der EU gibt es nach wie vor Ungleichheiten beim Zugang zu Krebsbehandlungen. Die Überlebenschancen für dieselbe Krankheit und dasselbe Krankheitsstadium unterscheiden sich in den verschiedenen Mitgliedstaaten um bis zu 25%, warnten europäische Gesetzgeber:innen.

Sieben Abgeordnete des Sonderausschusses des Europäischen Parlaments zur Krebsbekämpfung (BECA) besuchten am 3. und 4. November Genf und Lyon, um die Ungleichheiten beim Zugang zu Prävention und Behandlung in verschiedenen europäischen Ländern zu diskutieren.

Sie trafen sich mit Forscher:innen, Akademiker:innen und Angehörigen der Gesundheitsberufe, um die Bedürfnisse von Krebspatient:innen und den ihnen zur Seite stehenden Gesundheitsfachkräften zu ermitteln.

Im Jahr 2020 waren 2,7 Millionen Menschen in Europa an Krebs erkrankt, 1,3 Millionen Menschen starben daran.

EURACTIV war in Lyon, wo der Vorsitzende des BECA-Ausschusses, Bartosz Arłukowicz, und die Berichterstatterin für das Dossier Krebs im Europäischen Parlament, Véronique Trillet-Lenoir, den Sitz der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) besuchten, um sich mit Fachleuten des Sektors auszutauschen.

Die französische Liberale Trillet-Lenoir hat im Juli einen Initiativbericht veröffentlicht, in dem sie konkrete Maßnahmen vorschlägt, mit denen die EU die Mitgliedstaaten bei der Krebsbekämpfung unterstützen kann.

Sie schlägt unter anderem vor, die europäischen Kompetenzen im Bereich der Vorbeugung zu stärken, zu dem es immer noch große Ungleichheiten beim Zugang gibt, und die Forschungsfinanzierung fair zu gestalten, damit sie allen zugute kommt.

Außerdem müssen Maßnahmen gegen ungleich behandelte seltene Krebsarten wie Kinderkrebs ergriffen werden, die in Europa jährlich 6.000 Todesfälle verursachen – eine Situation, die Trillet-Lenoir als inakzeptabel bezeichnete.

Der polnische Mitte-Rechts-Abgeordnete Arłukowicz hält eine stärkere Zusammenarbeit bei Krebserkrankungen auf europäischer Ebene für notwendig, um diese Kluft zwischen den Ländern zu überwinden. Er betonte, dass keine Unterschiede in der Behandlung aufgrund des Wohnortes der Patient:innen toleriert werden sollten.

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Krebsbekämpfung bleibt in nationaler Zuständigkeit

Ungleichheiten bei der Vorbeugung und Behandlung von Krebserkrankungen gelten als Priorität und als roter Faden des europäischen Plans zur Krebsbekämpfung, den Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im November 2020 vorgestellt hat.

Der EU-Krebsplan konzentriert sich auf vier Bereiche – Prävention, Früherkennung, Behandlung und Verbesserung der Lebensqualität – und gilt als Schlüsselelement der Europäischen Gesundheitsunion, dem Plan der EU für die Gesundheitsversorgung nach der COVID-19-Pandemie.

Die Behandlung von Krebs ist jedoch nach wie vor hauptsächlich eine nationale Angelegenheit.

„Aber die EU kann handeln, und die Mitgliedstaaten können es auch. Wir müssen ihnen mit Empfehlungen und Grundsätzen helfen und dafür sorgen, dass diese Empfehlungen umgesetzt werden“, sagten die beiden Europaabgeordneten auf einer Pressekonferenz nach dem Besuch.

Zu diesen Empfehlungen gehören eine bessere Qualität der Versorgung, eine bessere Koordinierung zwischen großen und kleinen Gesundheitszentren und eine stärkere Akkreditierung von Gesundheitseinrichtungen, die für die Krebsbehandlung zugelassen sind.

„Dies sind nationale Vorrechte der Mitgliedsstaaten, aber wir müssen sie mit Subventionen ermutigen und ihnen helfen, diese Empfehlungen umzusetzen“, betonten die Gesetzgeber:innen.

Ein weiteres Thema, das am Donnerstag (4. November) am Vormittag im Hospices Civils de Lyon (HCL) diskutiert wurde, war das von der Kommission im vergangenen März vorgestellte Programm EU4Health.

Das Programm EU4Health sei ein guter Anfang im Kampf gegen den Krebs, aber nicht ausreichend, so Arłukowicz.

Dieses Programm soll die Widerstandsfähigkeit der Gesundheitssysteme stärken, die Koordinierung im Bereich der öffentlichen Gesundheit verbessern und das Krisenmanagement verbessern. Es verfügt über ein Budget von 5,1 Milliarden Euro, von denen etwa 1,25 Milliarden Euro für die Krebsbekämpfung vorgesehen sind.

„Die Onkologie ist ein teurer und sich schnell entwickelnder Sektor. Er erfordert eine Finanzierung. Wir begrüßen die Mittel, die im Rahmen des EU4Health-Programms für die Krebsbekämpfung in Europa bereitgestellt werden, aber das ist noch immer zu wenig“, erklärte Arłukowicz, Kinderarzt und ehemaliger Gesundheitsminister Polens.

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[Bearbeitet von Gerardo Fortuna]

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