Streit um die Fußball-Superliga erreicht das Europäische Parlament

Im April gaben zwölf der größten Fußballvereine der Welt den Plan bekannt, einen neuen internationalen Wettbewerb unter der Woche, die European Super League (ESL), zu gründen. Die weltweite Aufregung, die durch die Ankündigung ausgelöst wurde, und die Androhung von Sanktionen durch die UEFA führten dazu, dass neun der ursprünglichen zwölf Gründer sich von dem Projekt zurückzogen. [EPA/RAIN]

Die Organisatoren des umstrittenen Fußballturniers Super League haben einen Brief an die EU-Gesetzgeber:innen geschrieben, bevor diese Woche im Europäischen Parlament über einen Sportbericht abgestimmt wird. Darin greifen sie das angebliche Monopol des „selbst gegründeten“ europäischen Fußballverbands UEFA an.

Die europäischen Gesetzgeber:innen werden auf einer Plenarsitzung in Straßburg über den allerersten Bericht zur EU-Sportpolitik abstimmen, der von dem polnischen christdemokratischen Europaabgeordneten Tomasz Frankowski, Mitglied des Kulturausschusses des Parlaments und ehemaliger Profifußballer, verfasst wurde.

Die nicht bindende Entschließung wendet sich gegen „abtrünnige Wettbewerbe“ wie die europäische Superliga, da sie „die Grundsätze der Solidarität, der Nachhaltigkeit, der Einbeziehung aller, des offenen Wettbewerbs, der sportlichen Leistung und der Fairness“ untergraben.

In den dem Bericht beigefügten Erklärungen von Frankowski heißt es außerdem, dass „die Mächte, die die europäische Dimension im Sport bedrohen und versuchen, ihre Eigenschaften zu untergraben, nur profitieren können. Die European Super League war ein Paradebeispiel dafür“.

Im April gaben zwölf der größten Fußballvereine der Welt den Plan bekannt, einen neuen internationalen Wettbewerb unter der Woche, die European Super League (ESL), ins Leben zu rufen, der mit dem bestehenden, von der UEFA organisierten Champions-League-Turnier konkurrieren soll.

Die UEFA verurteilte die Aktion, die mit sinkenden Zuschauerzahlen und dem wirtschaftlichen Potenzial einer solchen Aktion begründet wurde, sofort und drohte, die „Super League-Rebellen“ von allen anderen Wettbewerben auszuschließen.

Die weltweite Aufregung, die durch die Ankündigung und die Androhung von Sanktionen ausgelöst wurde, veranlasste neun der ursprünglich 12 Gründer, sich aus dem Projekt zurückzuziehen, das noch von Real Madrid, Barcelona und Juventus Turin am Leben erhalten wird.

Ein Madrider Gericht hat sich an den Europäischen Gerichtshof gewandt, um zu klären, ob die UEFA Sanktionen gegen Vereine verhängen kann, die in dem abtrünnigen Wettbewerb bleiben.

Vor der Abstimmung im Parlament schrieben die Organisatoren der Super League einen Brief an die Abgeordneten des Europäischen Parlaments, den EURACTIV einsehen konnte und in dem sie ihre Unterstützung für die „Bemühungen um eine erweiterte politische Position und ein Engagement für den Sport in der gesamten Europäischen Union“ bekundeten.

Trotz einiger ausdrücklicher Verweise gegen das Projekt sind die Organisationen der Meinung, dass die ESL die von den EU-Abgeordneten in dem Bericht aufgeführten Grundprinzipien und Werte besser einhält als die UEFA.

In dem Brief heißt es, dass die ESL-Veranstalter sogar mit der Opposition gegen die sogenannte abtrünnige Liga übereinstimmen, da die abgespaltenen Vereine die volle Kompatibilität mit der weiteren Teilnahme an ihren nationalen Wettbewerben gewährleistet haben.

Die Entschließung des Parlaments berücksichtige jedoch nicht die Notwendigkeit, dass sich alle Sportorganisationen an den Rechtsrahmen der Europäischen Union halten müssen, heißt es in dem Brief weiter.

Insbesondere werfen sie der UEFA vor, das EU-Wettbewerbsrecht nicht zu respektieren. „Die Interessenkonflikte sind offensichtlich, ebenso wie die Unvereinbarkeit mit dem EU-Wettbewerbsrecht“, heißt es in dem Brief.

„Die UEFA, der selbst gegründete ‚Dachverband‘ des europäischen Fußballs, hat sich zusätzlich zu seiner angeblichen Regulierungsfunktion auch als Monopolist für grenzüberschreitende Vereinsfußballwettbewerbe etabliert“, heißt es weiter.

Die Organisatoren der European Super League beschwerten sich auch darüber, dass eine Organisation mit Sitz außerhalb der EU „die einzige Einrichtung ist, die in der Lage ist, neue Marktteilnehmer auf dem von ihr beherrschten Markt zuzulassen“.

Die Europäische Kommission hat der UEFA in der kontroversen Debatte bisher Unterstützung zugesichert.

Seit 2017 hat die UEFA eine Vertretung in Brüssel, die einen engen Dialog mit den EU-Institutionen in verschiedenen Politikbereichen wie der Förderung von körperlicher Aktivität und sozialer Inklusion durch Sport aufgenommen hat.

Die UEFA und die Europäische Kommission unterzeichneten außerdem 2014 eine Kooperationsvereinbarung, die 2018 erneuert wurde, um konkret und konstruktiv an Themen von gemeinsamem Interesse zu arbeiten.

Doch ein Präzedenzfall in der Rechtsprechung der Kommission scheint es den „Super-League-Rebellen“ zu ermöglichen, ihr Turnier zu veranstalten, ohne mit Sanktionen rechnen zu müssen.

Im Jahr 2015 leitete die Europäische Kommission ein Kartellverfahren ein, nachdem zwei niederländische Profi-Eisschnellläufer eine Beschwerde eingereicht hatten, die von der Internationalen Eislauf-Union (ISU) mit Sanktionen belegt worden waren, weil sie an einem vom Dachverband nicht genehmigten Wettbewerb teilgenommen hatten.

In einem 2017 veröffentlichten Beschluss entschied die Kommission, dass diese Strafen gegen das EU-Kartellrecht verstoßen, und forderte die ISU auf, ihre Regeln zu ändern.

„Die strengen Strafen, die die Internationale Eislauf-Union gegen Läufer:innen verhängt, dienen auch dazu, ihre eigenen kommerziellen Interessen zu schützen und andere daran zu hindern, ihre eigenen Veranstaltungen zu organisieren“, erklärte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager damals.

Ungewohnte Einigkeit gegen angedachte Fußball-Superliga

Von hochrangigen EU-Beamten über europäische und britische Staatsoberhäupter bis hin zu den Führern nationalistischer Parteien: In der Kritik gegen ein neues Projekt im Profifußball zeigt sich Europas Politik ungewohnt geeint.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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