Sterberisiko bei Transgender-Personen doppelt so hoch wie bei cisgeschlechtlichen Männer und Frauen

Laut einer Analyse nationaler Daten aus den Niederlanden ist das Sterberisiko bei Transgender-Personen doppelt so hoch wie bei Cis-Männern und Cis-Frauen. [Di WindNight/SHUTTERSTOCK]

Laut einer Analyse nationaler Daten aus den Niederlanden ist das Sterberisiko bei Transgender-Personen doppelt so hoch wie bei cisgeschlechtlichen Männern und Frauen.

Die am 3. September in der Zeitschrift The Lancet veröffentlichte Datenanalyse umfasste mehr als 4500 Transgender-Personen und erstreckte sich über fünf Jahrzehnte.

Sie ergab, dass das erhöhte Sterberisiko bei Transgender-Personen zwischen 1972 und 2018 nicht abgenommen hat.

Daher beschreiben die Autor:innen einen „dringenden Handlungsbedarf“, um diese seit langem bestehenden und erheblichen gesundheitlichen Ungleichheiten zu beseitigen.

Hauptautor Martin den Heijer, Professor am Amsterdam UMC in den Niederlanden, sagte, dass die Ergebnisse der Studie ein deutlich erhöhtes Sterberisiko bei Transgender-Personen aufzeigen, „das seit Jahrzehnten anhält“.

Transgender-Personen können sich medizinischen Therapien unterziehen, die körperliche Veränderungen herbeiführen, die ihrer Geschlechtsidentität besser entsprechen. Dazu gehören in der Regel geschlechtsangleichende Hormontherapien und Operationen.

Transgender-Männer, die eine geschlechtsangleichende Hormontherapie erhalten, werden in der Regel mit Testosteron behandelt, um die Entwicklung männlicher Merkmale zu fördern. Hingegen erhalten Transgender-Frauen in der Regel Antiandrogene und Östrogene, die weibliche körperliche Merkmale hervorrufen.

Die Daten haben gezeigt, dass das Sterberisiko bei Transgender-Frauen im Vergleich zu -Männern in der niederländischen Allgemeinbevölkerung fast doppelt so hoch ist. Im Vergleich zu Cis-Frauen war das Sterberisiko fast dreimal so hoch. Das Sterberisiko bei Transgender-Männern war ähnlich hoch wie bei cisgeschlechtlichen Männern, aber fast doppelt so hoch wie bei cisgeschlechtlichen Frauen.

Die beobachteten Unterschieden zwischen Transgender-Frauen und Transgender-Männern lassen sich darauf zurückführen, dass Transgender-Männer im Vergleich zu Transgender-Frauen nach einer geschlechtsangleichenden Hormontherapie offenbar keine signifikant erhöhten Begleiterkrankungen aufweisen. Dies erklärte Vin Tangpricha von der Emory University in den Vereinigten Staaten, der nicht an der Studie beteiligt war.

„Diese Ergebnisse könnten auf die Verwendung eines etablierten Schemas der Testosterongabe zurückzuführen sein, das von hypogonadalen Männern abgeleitet wurde. Die Unterschiede könnten auch auf Ungleichheiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung, auf Unterschiede in der Wirkung von Sexualhormonen auf das kardiometabolische Risikoprofil, auf Unterschiede in der Körperzusammensetzung oder auf gesellschaftliche Faktoren zurückzuführen sein“, sagte er.

Tangpricha fügte hinzu, dass „künftige Studien untersuchen sollten, welche Faktoren – Hormonschema, Hormonkonzentrationen, Zugang zur Gesundheitsversorgung oder andere biologische Faktoren – das erhöhte Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko erklären, das bei Transgender-Frauen im Gegensatz zu Transgender-Männern beobachtet wurde.“

Die Forscher hoffen, dass die zunehmende soziale Akzeptanz sowie die Überwachung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Tabakkonsum und HIV auch weiterhin wichtige Faktoren sein werden, die zur Verringerung des Sterberisikos bei Transgender-Personen beitragen können.

Erstautorin Christel de Blok vom Amsterdam UMC sagte: „Wir haben festgestellt, dass die meisten Selbstmorde und Todesfälle im Zusammenhang mit HIV in den ersten von uns untersuchten Jahrzehnten auftraten. Das deutet darauf hin, dass eine größere soziale Akzeptanz und ein besserer Zugang zu Unterstützung sowie verbesserte Behandlungen für HIV eine wichtige Rolle spielen. Diese Faktoren könnten zu der Verringerung der Todesfälle im Zusammenhang mit diesen Ursachen bei Transgender-Personen in den letzten Jahren beigetragen haben“.

Sie fügte hinzu, dass überraschend sei, dass das Sterberisiko bei Transgender-Personen, die in den letzten zwei Jahrzehnten mit einer geschlechtsangleichenden Hormonbehandlung begonnen haben, höher sei. Aber das “ könnte auf Veränderungen in der klinischen Praxis zurückzuführen sein“, sagte sie.

„In der Vergangenheit zögerten Gesundheitsdienstleister, Menschen mit einer Vorgeschichte von Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Hormonbehandlung anzubieten. Aufgrund der vielen Vorteile, die der Zugang zur Hormonbehandlung mit sich bringt, führt dies heutzutage jedoch nur noch selten dazu, dass die Behandlung verweigert wird“, erklärte sie.

Heijer wies auch auf den Bedarf an künftigen Studien hin.

„Die geschlechtsangleichende Hormonbehandlung gilt als sicher, und die meisten Todesursachen in der Kohorte standen nicht damit in Zusammenhang. Da es jedoch derzeit keine ausreichenden Beweise für ihre langfristige Sicherheit gibt, sind weitere Untersuchungen erforderlich. Nur so lässt sich vollständig feststellen, ob sie das Sterberisiko von Transgender-Personen in irgendeiner Weise beeinflussen“, schloss er.

[Bearbeitet von Benjamin Fox]

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