Präventionsmaßnahmen in Gesundheitssystemen dringender denn je

Wir müssen den Menschen in den Mittelpunkt des Gesundheitswesens rücken und uns auf die Prävention konzentrieren, so die Diskussionsteilnehmer:innen auf dem EIT-Gesundheitsgipfel am Dienstag (24. Mai). [SHUTTERSTOCK]

Seit der Pandemie haben sich im Gesundheitsbereich rasche Veränderungen vollzogen. Laut den Akteuren des Gesundheitswesens ist die Notwendigkeit, sich auf die Prävention zu konzentrieren, seither noch deutlicher geworden.

Der Gesundheitssektor konzentriert sich derzeit darauf, Lehren aus den zweieinhalb Jahren Corona Pandemie zu ziehen, um die EU und ihre Gesundheitssysteme besser auf die Zukunft vorzubereiten.

Expert:innen weisen jedoch darauf hin, dass wir möglicherweise den gesamten Ansatz in Bezug auf die Gesundheit und die Gesundheitsversorgung ändern müssen, um uns für künftige Herausforderungen zu wappnen.

„Wir haben bereits früher festgestellt, dass bei der Pandemie soziale und gemeinschaftliche Faktoren, insbesondere Verhaltensfaktoren, nicht angemessen berücksichtigt wurden, was dazu führte, dass wir bei den Prognosemodellen nicht so zuverlässig waren, wie wir es hätten sein können“, sagte Claudia Pagliari, Direktorin für globale elektronische Gesundheitsdienste an der Universität Edinburgh auf dem EIT-Gesundheitsgipfel diese Woche.

So waren beispielsweise Apps zur Ermittlung von Kontaktpersonen bei den Bürger:innen aufgrund von Datenschutzbedenken unbeliebt. Hätten alle den Apps vertraut und sie heruntergeladen, hätten sie laut der Expertin die Infektionsraten wirksam senken können, aber die fehlende Berücksichtigung solcher Bedenken hat die Wirksamkeit der Apps stark eingeschränkt.

Dies sei ein Beispiel dafür, dass es von Vorteil sein kann, den Menschen in den Mittelpunkt der Gesundheit zu stellen und soziale Faktoren einzubeziehen, so Pagliari.

Den Menschen in den Mittelpunkt der Gesundheit zu stellen, bedeute auch, dass wir unsere Gesundheitssysteme auf die Prävention ausrichten und damit Gesundheit als Investition und nicht als Kostenfaktor betrachten, sagte Bogi Eliasen, Direktor für Gesundheit am Kopenhagener Institut für Zukunftsstudien.

Seiner Meinung nach ist die Fokussierung auf die Prävention von entscheidender Bedeutung, um die Belastung der Gesundheitssysteme zu bewältigen.

„Der wichtigste Punkt ist, sich auf die Gesundheit und nicht auf die Lebensspanne zu konzentrieren. Vielleicht sollten wir also dort ansetzen, wo die Intervention bei einer Person die größte Wirkung erzielt. Das ist nicht unbedingt sehr spät im Krankheitsverlauf, wie wir heute sehen“, erklärte Eliasen.

Die Gesundheitssysteme sind seit langem durch das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung und die höhere Zahl der Erkrankungen überlastet – ein Umstand, der durch die Pandemie noch verschärft wurde.

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Präventiver, menschenzentrierter Ansatz

Die Diskussion über präventive Gesundheitsversorgung ist nicht neu. Bereits 2017 forderte der ehemalige EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis die EU-Mitgliedstaaten auf, sich auf die Vorbeugung zu fokussieren.

Trotzdem sind wir noch nicht so weit, und der Weg zu einer präventiveren Gesundheit erfordert neue Denkweisen und andere Wege der Zusammenarbeit mit der Bevölkerung.

Das Projekt Health Outcomes Observatory zielt darauf ab, Beobachtungsstellen auf nationaler Ebene zu entwickeln und patientenbezogene Behandlungsergebnisse direkt vor Ort zu erfassen.

Valentina Strammiello, Programmleiterin des Europäischen Patientenforums, das an dem Projekt beteiligt ist, lobt, dass es den Patient:innen die Möglichkeit gebe, ihren Zustand zu überwachen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Dies kann ihnen helfen, weitere Komplikationen aufgrund ihrer Erkrankung zu vermeiden.

„Die Patient:innen werden diese App auf ihrem Mobiltelefon haben und ihre Lebensqualitätsdaten mit anderen teilen können. Damit werden zwei Ziele verfolgt. Erstens können sie ihren eigenen Zustand überwachen“, so Strammiello.

„Zweitens können sie ihre Daten mit den anonymisierten Daten anderer Menschen vergleichen, die mit der gleichen Krankheit leben, insbesondere mit denen aus anderen Ländern. So können sie sehen, ob die Behandlung, die sie erhalten, genauso wirksam ist wie die anderer Patient:innen“, schloss sie.

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[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Alice Taylor]

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