NGO warnt vor „allgegenwärtigen“ Kohlenwasserstoffderivaten in europäischen Lebensmitteln

Von 152 getesteten Produkten wiesen 19 davon Kontaminationen mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) auf, die potenziell krebserregend sind. [Adisa/Shutterstock]

Viele Lebensmittel seien mit gesundheitsgefährdenden aromatischen Kohlenwasserstoffen aus Mineralölen kontaminiert, warnt die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch in einem am Donnerstag (9. Dezember) veröffentlichten Bericht. EURACTIV Frankreich berichtet

Jedes achte Lebensmittelprodukt ist laut foodwatch mit den gesundheitsschädlichsten aromatischen Kohlenwasserstoffderivaten aus Mineralöl (MOAH) kontaminiert. Das ergaben Tests von zwei Laboren an 152 Produkten, die in Frankreich, Deutschland, Belgien, Österreich und den Niederlanden gekauft wurden.

Die Organisation Foodwatch hatte die Ergebnisse am Donnerstag (9. Dezember) veröffentlicht.

In 19 getesteten Produkten wurden demnach Kontaminationen mit einer „besorgniserregenden Menge“ an MOAH festgestellt, darunter zum Beispiel Gemüsebrühwürfel von Knorr in Frankreich, Nutella in Deutschland oder Schocko-Frühstückscerealien von Quaker in den Niederlanden.

Wie foodwatch in Erinnerung ruft, sind MOAHs giftige Substanzen, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als krebserregend und genotoxisch verdächtigt werden. Nach einer Warnkampagne von foodwatch im Jahr 2015 hatte sich die Europäische Kommission 2017 auf eine Empfehlung zur Überwachung in den EU-Mitgliedstaaten geeinigt.

In Frankreich hatte die Agence nationale de sécurité sanitaire de l’alimentation (ANSES), die französische Behörde für Lebensmittelsicherheit, im Jahr 2017 ebenfalls dazu aufgerufen, die Kontamination von Lebensmitteln mit Mineralöl zu reduzieren.

Kontamination aus mehreren Quellen

„Diese gefährlichen Substanzen gehören nicht auf unsere Teller“, sagt die Geschäftsführerin von foodwatch Frankreich, Karine Jacquemart, „aber jedes Mal, wenn wir Lebensmittel testen, finden wir diese MOAHs in beunruhigenden Mengen“.

Es handele sich um ein „globales und europäisches Problem“, so Jacquemart.

Die Quellen der Mineralölkontamination seien „zahlreich“ und befänden sich entlang der gesamten Produktionskette von Lebensmitteln, „von der Ernte über die Verpackung bis hin zur Weiterverarbeitung“, erinnert die Organisation in ihrem Bericht.

Im Jahr 2015 hatten die Tests von foodwatch beispielsweise ergeben, dass kartonverpackte Produkte durch die auf diesen Verpackungen verwendeten Druckfarben verunreinigt waren.

Mineralöle werden jedoch auch gezielt in der Lebensmittelindustrie eingesetzt, „zum Beispiel als Staubbindemittel, Schmiermittel in Produktionsmaschinen, als Trennmittel, Poliermittel oder in Klebstoffen“.

Auch wenn es schwierig sei, die genaue Herkunft von MOAHs allein auf der Grundlage von Laboranalysen zu ermitteln, „liegt es in der Verantwortung der Industrie, sie in der gesamten Produktions-, Transport- und Vertriebskette zu identifizieren und zu eliminieren“, heißt es in dem Bericht.

Aufruf zur „Null-Toleranz“

Dies würde jedoch ein starkes politisches Engagement erfordern, so Jacquemart, die der Meinung ist, dass „eine Regulierung dringend notwendig ist“.

Foodwatch hat eine europaweite Petition gestartet, in der die EU-Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Stella Kyriakides, „sowie die Entscheidungsträger in allen EU-Mitgliedstaaten“ aufgefordert werden, „die Verbraucher:innen vor diesen für das bloße Auge unsichtbaren Schadstoffen zu schützen“.

Die Organisation fordert den „sofortigen“ Rückruf aller Lebensmittel, die positiv auf MOAH getestet wurden, sowie eine Regelung, „die eine Null-Toleranz für die Kontamination mit MOAH in allen Lebensmittelkategorien in der EU festlegt“.

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