Nachhaltigkeitskampagne: Zusammenarbeit der Kommission mit UEFA sorgt für Aufregung

"Um unser Lieblingsspiel weiterhin genießen zu können, müssen wir den Kampf gegen die Klimakrise als Team gewinnen. Legen wir jetzt unsere schlechten Gewohnheiten ab - für den Planeten und unsere Zukunft", twitterte der Chef des Europäischen Green Deal, Frans Timmermans. [EPA-EFE/Alessandro Di Marco]

Die neue #EveryTrickCounts-Kampagne der Europäischen Kommission soll die weit verbreitete Liebe zu Europas Lieblingssport nutzen, um nachhaltigeres Verhalten anzuregen. Stattdessen hat sie bisher Spott und Anschuldigungen des „Greenwashing“ auf sich gezogen.

Die Beliebtheit des Fußballs und seine breite Reichweite sind seit langem ein wirksames Mittel, um verschiedene Ideen an ein breites Publikum zu vermitteln. Angesichts der Popularität des Sports in Südeuropa könnte er sich als nützliches Instrument erweisen, um die Botschaft der Kommission zur Reduzierung der individuellen Emissionen zu verbreiten.

„Wir sind alle in der ersten Mannschaft. Wir können alle etwas bewirken“, twitterte Ursula von der Leyen, als sie am Montag (18. Oktober) den Werbespot zur Nachhaltigkeit veröffentlichte und die Welt dazu aufrief, sich im Vorfeld der COP26 für die Rettung des Planeten einzusetzen.

„Um unser Lieblingsspiel weiterhin genießen zu können, müssen wir den Kampf gegen die Klimakrise als Team gewinnen. Lassen Sie uns jetzt unsere schlechten Gewohnheiten ablegen – für den Planeten und unsere Zukunft“, twitterte der Chef des Europäischen Green Deals, Frans Timmermans.

Die EU-Exekutive hatte sich mit zwei namhaften Fußballspielern, dem italienischen Weltmeister Gianluigi Buffon und dem portugiesischen Vize-Europameister Luís Figo, und der UEFA zusammengetan, um einen Clip zu produzieren, in dem Buffon mit einem Fußball das Licht in seinem Haus ausschaltet, um Energie zu sparen.

Dass die Kommission sich an den Fußball wendete, um für nachhaltiges Verhalten zu werben, erntete viel Spott und wurde als „Greenwashing“ bezeichnet. Die zugrundeliegende Botschaft ist zwar gut, doch wurde kritisiert, dass sie die Verantwortung auf den Einzelnen legt.

Andere wiederum argumentieren, dass die große Popularität des Fußballs genutzt werden sollte, um nachhaltigere Alltagsgewohnheiten zu fördern.

„Es ist kein Geheimnis, dass Fußball ein riesiges Instrument ist, mit dem man viele Menschen erreichen kann“, sagte Antonia Hagemann, Geschäftsführerin der europäischen Fußballfanorganisation SD Europe, gegenüber EURACTIV.

Aber der Spot ist nicht das erste Mal, dass die Kommission und die UEFA zusammenarbeiten, denn ihre Kooperation begann bereits 2007.

„Es geht darum, verschiedene Zielgruppen zu erreichen“, sagte Tim McPhie, Sprecher der Kommission, am Montag (18. Oktober) gegenüber Journalist:innen. „Es ist immer wichtig, dass wir neue Leute ansprechen“, fügte er hinzu.

„Und wissen Sie, vielleicht versteht noch nicht jeder in Europa, wie wichtig es ist, den Klimawandel zu bekämpfen, oder versteht die individuelle Rolle, die man spielen kann“, erklärte er.

Die Kostenfrage

Viele Beobachter:innen äußerten sich skeptisch über die Kosten des Videoclips, der in 57 Ländern ausgestrahlt werden soll. Sie befürchteten, dass die Kommission zu großzügig mit dem Geld umgegangen ist.

„Die Produktion [des Clips] hat etwas mehr als 700.000 Euro gekostet, was aus dem Budget für Unternehmenskommunikation der Kommission stammt“, erklärte McPhie.

„Die UEFA stellt die Verbreitung des Clips kostenlos zur Verfügung“, fügte er hinzu, als er nach dem Umfang des Medieneinkaufs gefragt wurde, der mit den Produktionskosten des Clips einhergeht.

„Dieser spezielle Clip wird während der gesamten Saison laufen“, sagte McPhie und fügte hinzu, dass der Clip auch bei „den Spielen der UEFA Champions League“ zu sehen sein wird.

Der Clip könnte jedoch auch einen nicht-monetären Preis haben: Er könnte die Kommission, die weiterhin von der Großzügigkeit der UEFA profitiert, etwas Glaubwürdigkeit kosten.

„Wenn das Engagement der UEFA, das Bewusstsein für die Klimakatastrophe durch die globale Reichweite des Fußballs zu schärfen, aufrichtig ist, dann ist es schwer vorstellbar, wie dies mit dem Sponsoring durch einen der größten CO2-Emittenten der Geschichte zu vereinbaren ist“, kommentierte InfluenceMap, eine NGO für Klimaschutz.

„Wenn jeder Trick zählt, dann sollte die UEFA ihre Entscheidung, mit Gazprom zusammenzuarbeiten, vielleicht noch einmal überdenken.“

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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LIFE TACKLE wird vom LIFE-Programm für Umwelt- und Klimapolitik der Europäischen Union kofinanziert - Projektnummer LIFE17 GIE/IT/000611



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