Nachhaltigkeit ist bald Lizenzierungskriterium für die Bundesliga

Der scheidende DFL-Chef leitete die Selbstverpflichtung der Organisation zu Nachhaltigkeitskriterien. [EPA-EFE/ALEXANDER HASSENSTEIN]

Es ist der Beginn einer neuen Ära im deutschen Fußball: eine weibliche Chefin an der Spitze einer der größten europäischen Fußballligen und verbindliche Nachhaltigkeitskriterien für die 36 größten deutschen Vereine.

Die 36 Mitglieder der Deutschen Fußball Liga (DFL) haben angekündigt, Nachhaltigkeitskriterien als Voraussetzung für die Teilnahme an der ersten und zweiten Bundesliga festzulegen.

Die Einführung von Nachhaltigkeitskriterien für die DFL wird ein gewaltiges Unterfangen sein. „Wir reden hier sowohl von einem Teilnehmer der Champions League als auch von einem Aufsteiger aus der 3. Liga“, erklärte der scheidende DFL-Chef Christian Seifert am 14. Dezember.

Nachhaltigkeit in den Dimensionen „ökologisch, ökonomisch und sozial“ sei künftig die „wesentliche Leitlinie für das Handeln des DFL“, heißt es in der auf der Mitgliederversammlung am 14. Dezember beschlossenen Satzungsänderung.

Dieser Beschluss stelle „erste wichtige Weichenstellungen dar“, erklärte Helene Breit, Vorsitzende der Fangruppe Unsere Kurve. „Es ist ein guter Schritt, wenn der beliebteste Sport in Deutschland sich der Nachhaltigkeit verpflichtet“, sagte der grüne EU-Abgeordnete Michael Bloss.

Folglich wird sich das neue Nachhaltigkeits-Credo der Verbands in seinen Lizenzierungskriterien widerspiegeln, die aus einer Vielzahl von Quellen zusammengetragen wurden.

Die Grundlage für die Kriterien bilden eine Mischung aus den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (die von der Armutsbekämpfung bis zum Klimaschutz reichen), Einschätzungen externer Expert:innen, einer Arbeitsgruppe für Nachhaltigkeit, Beiträgen von Clubs und dem clubübergreifenden Arbeitskreis Verantwortung.

Mitglieder müssen diese Kriterien bis 2022 erfüllen.

Es gibt kaum Informationen darüber, wie diese aussehen werde. Doch die DFL hat versprochen, dass die Clubs weiterhin die bestehenden Nachhaltigkeitsmaßnahmen verfolgen werden. „Es geht ausdrücklich nicht darum, große Gleichmacherei zu proklamieren“, sagte Seifert vor Journalist:innen.

Für den deutschen Spitzenreiter für Nachhaltigkeit, dem Vfl Wolfsburg, würde das bedeuten, nach wie vor sein Stadion zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben, energiesparende LED-Strahler einzusetzen und Wasser zu sparen.

Deutsche Fußballfans als Vorhut für einen europäischen Vorstoß in puncto Nachhaltigkeit

Europäische Fußballfans wollen sich für die ökologische Nachhaltigkeit ihres Sports engagieren. Jedoch fehlt es ihnen dabei an einem geeigneten Rahmen. Das zeigt der Nachhaltigkeitsbericht des europäischen Fußballfanverbandes SD Europe. Deutschland sind derweil Vorreiter in den Bemühungen, den ökologischen Fußabdruck des Fußballs in den Griff zu bekommen.

Enger Zeitrahmen

Für die DFL, die sich weiterhin um einen Manager für CSR (Corporate Social Responsibility) und Nachhaltigkeit bemüht, ist die Zeit knapp. In der Saison 2022/2023 will sie ihr neues Nachhaltigkeitsengagement bereits testen.

Bisher aber hat der Verband noch nichts Substanzielles vorgelegt. „Wirklich interessant wird es erst, wenn die DFL im nächsten Jahr die Kriterien vorstellt“, so Breit gegenüber EURACTIV.

Die Organisation hat wenig Zeit für die Überarbeitung ihrer Lizenzierungskriterien, weshalb die Welt der Clubs nicht sofort auf den Kopf gestellt werden wird. „So etwas kann nicht über Nacht geschehen. Deshalb muss man sich ein bisschen Zeit lassen“, sagte Seifert.

Allerdings gibt es Bedenken, ob die DFL konsequent sein wird. Der Verband „darf sich hier aber nicht auf reine Ziele konzentrieren, sondern muss starke Maßnahmen umsetzen“, so Bloss gegenüber EURACTIV.

Nach der Pilotphase wird die DFL ab der Saison 2023/2024 schrittweise Nachhaltigkeitskriterien in ihr Zertifizierungsverfahren aufnehmen. Sie kann dann auch „entsprechende Auflagen und Sanktionen“ für die Nichteinhaltung der Kriterien verhängen.

Fußballorganisationen, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahne schreiben, werden häufig des „Greenwashing“ bezichtigt.

Trainingslager auf anderen Kontinenten, Inlandsflüge zu Auswärtsspielen und Privatjetflüge für Spieler, die oft in sozialen Netzwerken präsentiert werden – damit gibt der Profifußball nicht immer ein gutes Bild in der Öffentlichkeit ab, schreibt das Fußballmagazin Kicker.

Da die Nachhaltigkeitskriterien weiterhin undurchsichtig sind und sich auch auf vergleichsweise finanzschwache Drittligavereine erstrecken, die den Aufstieg in die zweite Liga anstreben, scheint es der ersten Version an Biss zu fehlen.

„Man sollte es auch nicht gleich wieder als nicht ausreichend oder nicht weit genug oder zu unspezifisch darstellen“, sagte Seifert vor Journalist:innen, als er den Zeitplan vorstellte.

Die Fans, die auf die Änderung gedrängt hatten, begrüßten den Beschluss, „aber der Weg ist noch lang“, so Breit.

Bedenken gibt es auch hinsichtlich der Auswirkungen der Initiative auf kleinere Vereine. Die DFL müsse „auch bereit sein, die finanziell schwächer gestellten Clubs zu unterstützen“, sagte Bloss.

„Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Schere zwischen reichen und armen Clubs weiter öffnet.“

Der Beginn einer neuen Ära im deutschen Fußball

Für Seifert ist es das Ende einer Ära und eine Zeit des Wandels für die Organisation, die er zu dem Marketing- und Medienkonglomerat aufgebaut hat, das sie heute ist.

„Christian Seifert hat die Liga geprägt“, sagte Hans-Joachim Watzke, der neue Vorstandschef. Die DFL kann heute einen Umsatz von 4 Milliarden Euro vorweisen, der in Seiferts Amtszeit um 300 Prozent gestiegen ist.

Er wird am 22. Dezember zurücktreten und im Jahr 2022 von der ehemaligen Bild-Chefin Donata Hopfen abgelöst, die dann die Liga in Richtung Nachhaltigkeit führen muss.

Deutsche Bundesliga will Nachhaltigkeitskriterien für Vereine einführen

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will bis 2024 die Nachhaltigkeit in ihren Lizenzierungskriterien verankern. Die 36 Vereine der 1. und 2. Liga werden im Dezember darüber abstimmen, ob die Empfehlungen der Arbeitsgruppe „Zukunft des Profifußballs“ umgesetzt werden sollen.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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